Mystische Phänomene im Buddhismus?

Einführung

Phänomene werden als „mystisch“ oder „unverständlich“ bezeichnet, da es keine rationale Erklärung gibt. Mit zunehmendem Wissen werden jedoch logische Erklärungen verfügbar.

1. In Bezug auf die Texte zum Ursprung des Lebens und allgemein zu Buddhas Lehre sind zwei wesentliche Punkte zu beachten.

  • Einige Eigenschaften der anderen 29 Reiche sind möglicherweise nicht mit unseren gewöhnlichen Sinneserfahrungen vereinbar. Einige Phänomene sind für den Menschen nicht „wahrnehmbar“ oder „leicht zu verstehen“. (Pāli-Wort für „wahrnehmbar“ = gōcara).
  • Der zweite Punkt ist, wie kann Kamma einen Manōmaya Kāya mit der Fähigkeit erzeugen, ohne physische Augen oder Ohren zu „sehen“ und zu „hören“. Auch die Erzeugung der „ersten Zellen“ auf der Erde ist fraglich.
  • Mit dem Fortschritt in der Wissenschaft wird es jedoch möglich, solche Phänomene wissenschaftlich plausibel zu klären. Zumindest theoretisch gibt es keine Widersprüche zur Wissenschaft.
  • Wir können uns glücklich schätzen in einer Zeit zu leben, in der wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass einige der im Tipitaka genannten „kaum zu glaubenden“ Phänomene mit der Wissenschaft vereinbar sind. In diesem Text werden ein paar Beispiele gezeigt, die mit „übernatürlichen Kräften“ zusammenhängen.

Nicht-Wahrnehmbarkeit einiger Phänomene

2. Zunächst möchte ich klarstellen, was ich verstehe unter „wahrnehmbar“ oder „leicht erkennbar“. Unsere sechs Sinne können nur einen winzigen Bruchteil der Welt erfassen.

  • Direkt erleben wir nur Mensch- und Tierreich, in denen Lebewesen „mit physischen Augen“ zu sehen sind. Wir haben keine Erfahrung damit, welche Art von „Körper“ die Lebewesen in anderen Reichen haben. Wenn wir zum Beispiel ein Brahma– oder ein Dēva-Reich besuchen, glauben wir vielleicht, dass dort „niemand“ ist. Die Körper dort sind zu feinstofflich, als dass wir sie mit unseren groben Augen sehen könnten.
  • Auch wenn Wissenschaftler das Universum mit der aktuell besten Ausrüstung untersuchen, sehen sie nur einen kleinen Bruchteil der „Dinge“ da draußen. Auf dieser Basis kann die Wissenschaft heute nur 4 Prozent der Masse unseres Universums ausmachen. Viele Dinge wurden von der Wissenschaft noch nicht „entdeckt“, insbesondere nichts Bedeutendes über den Geist.

3. Es ist töricht zu versuchen, die Gültigkeit von Buddha Dhamma an dem zu messen, was wir mit den physischen Augen sehen. Es gleicht einem Blinden, der das Bein eines Elefanten berührt und daher meint zu wissen, was ein Elefant ist. Siehe Wie entscheiden wir, welche Ansicht falsch ist (Ditthi)?.

  • Ein Frosch in einem Tümpel weiß nicht viel über die Welt. Ebenso hat ein durchschnittlicher Mensch (auch ein Wissenschaftler) das Problem, die „Realität“ erkennen zu wollen, indem nur Daten von den begrenzten sechs Sinnen genutzt werden. Wissenschaftliche Instrumente helfen natürlich mehr zu erkennen.
  • Daher kann eine wissenschaftliche Theorie nicht „vollständig“ sein, wie der Mathematiker Kurt Gödel bewiesen hat. Siehe Gödels Unvollständigkeitssatz.
  • Solange man keine abhiññā-Kräfte erlangt und diese Reiche nicht besuchen kann, wird man nicht die anderen Reiche und ihre Eigenschaften erkennen. Wir können die ultrafeinen Körper nicht sehen.

Die Sonne berühren – geht das?

4. Einige Phänomene aus dem Tipitaka scheinen „mystisch“ oder „unverständlich“, können sich jedoch auf Grundlage Wissenschaft als durchaus machbar erweisen. In der Sāmaññaphala Sutta (DN 2) heißt es: „..imepi candimasūriye evaṃmahiddhike evaṃmahānubhāve pāṇinā parāmasati parimajjati ..“ bzw. „… er berührte und streichelte die Sonne und den Mond, so mächtig und kraftvoll ..“ .

  • Dieser Vers beschreibt die Kräfte eines Yōgi mit übernatürlichen Fähigkeiten (iddhividha ñāṇa). Wie kann man „die Sonne berühren und streicheln“? Ist die Sonne nicht extrem heiß?
  • Hier ist der Manōmaya Kāya des Yogi gemeint, nicht der physische Körper. Natürlich wird ein physischer Körper schon weit vorher verbrennen, bevor er der Sonne nahe kommt. Der Manōmaya Kāya besteht aber nur aus ein paar Suddhāshtaka. Zum Beispiel hat der Manōmaya kāya eines Menschen eine Hadaya Vatthu und fünf Pasāda Rūpa.
  • Ein Suddhāshtaka ist die kleinste Einheit der Materie im Buddha Dhamma und milliardenfach kleiner als ein Atom in der modernen Wissenschaft. Daher ist der Manōmaya Kāya eines Yōgi unvorstellbar klein. Es ist ein „Energiepaket“.

5. Ein Teilchen auf dem Niveau von Suddhāshtaka wird weder von der hohen Temperatur der Sonne noch von einer Supernova-Explosion betroffen sein, die schließlich das gesamte Sonnensystem zerstören wird. Wir können das mithilfe der Wissenschaft folgendermaßen verstehen: Ein normales Feuer kann dichte Materie wie Holz oder Papier verbrennen. Bei höheren Temperaturen können Schmelzöfen Stahl schmelzen. Aber keines dieser Feuer kann molekulare Gase wie Wasserstoff oder Stickstoff verbrennen. Diese Gase verbrennen erst bei noch höheren Temperaturen.

  • Aber selbst bei den Temperaturen einer Supernova wird die Materie auf Suddhāshtaka-Ebene nicht beeinflusst (bei einer Supernova explodiert ein Stern am Ende des MahāKappa bzw. Äons).
  • Auch wenn Erde und Sonne am Ende eines MahāKappa zerstört werden, bleiben alle Brahma-Reiche ab dem AbhassaraBrahma-Reich aufwärts intakt. Diese Brahma haben sehr feine Körper (mit nur einer Spur von Materie bzw. Rupa), sodass selbst eine Supernova nicht zur Zerstörung dieser feinen Körper ausreicht. Siehe Buddhismus und Evolution – Aggañña Sutta (DN 27).
  • Lange vor der vollständigen Zerstörung des Sonnensystems durch eine Supernova ziehen alle Lebewesen unserer Welt in das Abhassara-Brahma-Reich.
  • Jetzt können wir verstehen, wie ein Yōgi mit dem Manōmaya Kāya eines Brahma tatsächlich die Sonne berühren KANN. Das ist kein Zauberwerk. Ein Manōmaya Kāya ist so feinstofflich, dass er nicht von der Gluthitze der Sonne zerstört werden kann.

6. Dieselbe Sutta (und andere auch) beschreibt die Fähigkeit von Yōgis mit iddhi-Kräften, unter anderem durch Mauern zu gehen und in die Erde einzutauchen oder von einem anderen Ort zurückzukommen. Um dies zu erklären, möchte ich zunächst einige Aspekte von Atomen und Molekülen zeigen, die der Wissenschaft bekannt sind.

Der folgende Vers erscheint in vielen Lehrreden im Iddhipāda Saṃyuttava des Saṃyutta Nikāya (SN 51.11 bis SN 51.32): „Ye hi keci, bhikkhave, etarahi samaṇā vā brāhmaṇā vā anekavihitaṃ iddhividhaṃ paccanubhonti—ekopi hutvā bahudhā honti, bahudhāpi hutvā eko honti; āvibhāvaṃ, tirobhāvaṃ; tirokuṭṭaṃ tiropākāraṃ tiropabbataṃ asajjamānā gacchanti, seyyathāpi ākāse; pathaviyāpi ummuj­jani­mujjaṃ karonti, seyyathāpi udake; udakepi abhijjamāne gacchanti, seyyathāpi pathaviyaṃ; ākāsepi pallaṅkena kamanti, seyyathāpi pakkhī sakuṇo; imepi candimasūriye evaṃmahiddhike evaṃma­hānu­bhāve pāṇinā parimasanti parimajjanti; yāva brahmalokāpi kāyena vasaṃ vattenti, ..

Übersetzt: „Bhikkhus, ein Bhikkhu oder ein Brāhmana, der übernatürliche Kräfte (iddhi) entwickelt hat, verfügt über verschiedene psychische Kräfte: Er kann zu vielen Kopien seiner selbst werden. Er erscheint und verschwindet. Er reist ungehindert durch Mauern, Wälle und Berge und taucht in und aus der Erde auf, als wäre es Wasser. Er geht auf dem Wasser, ohne zu sinken, als wäre es Erde. Er sitzt im Schneidersitz und reist wie ein geflügelter Vogel durch den Raum. Mit seiner Hand berührt und streichelt er die Sonne und den Mond, so mächtig und kraftvoll. Er zeigt Meisterschaft bis in die Brahmā-Reiche.“

  • Aus dem Vers wird klar, dass jeder diese Kräfte kultivieren kann, nicht nur Buddhisten.
  • Klären wir zuerst einige Dinge mit der Wissenschaft, um zu sehen, wie es möglich ist, „durch Mauern zu gehen und in die Erde einzutauchen“.

Ein Atom ist praktisch leer!

7. Hier ist eine vereinfachte Version einiger relevanter Eigenschaften eines Atoms: Ein Atom kann als winziger Kern mit 99,9% der Masse dargestellt werden, der von einer „Elektronenwolke“ umgeben ist, die fast den gesamte Raum eines Atoms ausmacht. Ein Atom entspricht einer miniaturisierten Version des Sonnensystems, in der die massive Sonne im Mittelpunkt steht und sich mehrere Planeten um die Sonne drehen.

  • Der Hauptunterschied zum Sonnensystem besteht darin, dass sich diese Elektronen nicht auf ellipsenförmigen Bahnen bewegen. Sie haben komplizierte „Orbitale“, was man am einfachsten als „Elektronenwolke“ um den Kern herum visualisiert.
  • Der Kern ist winzig, enthält aber fast die gesamte Masse des Atoms. Die Elektronen sind in einem großen Volumen um den Kern herum verteilt.
  • Um eine Vorstellung davon zu bekommen, nehmen wir die folgende Analogie: Wenn ein Senfkorn mit 1 mm Durchmesser den Kern darstellt, würde die „Elektronenwolke“ ein Volumen von 100 m Durchmesser haben! Ein Atomkern wäre wie ein Sandkorn in einer Kathedrale oder einem Fußballstadion.

8. Daher ist ein Atom (oder ein Molekül) fast leer. Das bedeutet, dass unsere Körper, die wir für sehr solide halten, im Grunde auch leer sind. Sogar Stahl oder Diamant ist ähnlich „leer“.

  • Wenn es möglich wäre, den gesamten leeren Raum in unserem Körper zu entfernen (was natürlich nicht möglich ist), könnte die gesamte verbleibende Materie der Körper von 9 Milliarden Menschen in einen Zuckerwürfel passen!
  • Wenn Atome also größtenteils aus Leere bestehen, warum können wir dann nicht wie Gespenster im Film durch Wände gehen? Die elektrische Abstoßung zwischen den Elektronenwolken benachbarter Atome zwingt sie, voneinander fern zu bleiben, ohne sich zu nah zu kommen. Daher können wir mit dem physischen Körper keine Wände oder andere „feste Objekte“ durchqueren.

Durch Wände gehen und in die Erde eintauchen?

9. Auch wenn der physische Körper keine „festen Objekte“ durchdringen kann, so kann es der Manōmaya Kāya (Gandhabba) aus sehr feinen Suddhāshtaka schon!

  • Diese Ebene der „Materie“ ist viel feiner und subtiler als selbst Elektronen. Darüber hinaus sind diese „Partikel“ auf Suddhāshtaka-Ebene nicht elektrisch geladen. Sie haben also kein Problem damit, die Elektronenwolke zu durchdringen.

10. Objekte, die „stark kondensiert“ scheinen, wie Wände oder Stahl, sind auf atomarer Ebene fast leer. Ein Atom hat einen winzigen Kern, der von einer „Elektronenwolke“ umgeben ist. Die Größe des Atoms wird durch die Elektronenwolke definiert, die über ein relativ großes Volumen verteilt ist. Zwei benachbarte Atome können sich wegen der gegenseitigen Abstoßung zwischen ihren Elektronenwolken nicht zu nahe kommen.

  • Daher ist ein Atom „praktisch leer“. Der dichte Kernmasse nimmt nur wenig Volumen ein und die Elektronenwolke ist weit ausgedehnt. Daher kann sich ein aus nur wenigen Suddhāshtaka bestehender Manōmaya Kāya frei durch „feste Materie“ aus Atomen und Molekülen bewegen.
  • Ein Yōgi mit Abhiññā-Kräften kann den Manōmaya Kāya verwenden, um durch „feste Objekte“ zu reisen.
  • Eine Person mit noch weiter entwickelten Fähigkeiten ist möglicherweise in der Lage, ihren physischen Körper auf Suddhāshtaka-Niveau zu reduzieren, den „festen Gegenstand“ zu durchlaufen und ihn am anderen Ende wieder zusammenzusetzen. Das klingt nach Science Fiction („Teleportation“), aber genau so kann es in Zukunft mit weiteren Fortschritten in der Wissenschaft geschehen. Natürlich ist jemand mit entsprechenden Abhiññā-Kräften schon jetzt in der Lage dazu.
  • Ein Bericht aus dem Tipitaka über „Teleportation“: Ananda erlangte die Arahantschaft nur einen Tag vor dem ersten buddhistischen Konzil, das drei Monate nach dem Parinibbāna des Buddha abgehalten wurde. Nur Arahants durften teilnehmen. Alle warteten auf die Ankunft von Ananda. Um alle Zweifel der Anwesenden zu beseitigen, dass er tatsächlich die Arahantschaft erlangt hatte (komplett mit iddhi-Kräften), soll Ananda den Raum durch das Schlüsselloch in der Tür betreten haben.

Zusammenfassung und andere Implikationen

11. Andere „mysteriöse Phänomene“ in Nr. 6 oben können ebenfalls mit der Wissenschaft erklärt werden. Wenn die Wissenschaft weiter Fortschritte macht, werden diese Erklärungen noch mehr Unterstützung bekommen.

12. Diese Klarstellung hilft auch zu verstehen, dass die Vorstellung „jemanden zu berühren“, gar nicht so intim ist, wie wir denken. Es sind nur die äußeren Elektronen der Atome (Moleküle) auf unserem Körper, die wiederum dasselbe auf dem anderen Objekt (der Person) „berühren“.

  • Das meine ich sehr ernst. Angenommen, man hat die Augen verbunden und berührt jemand anderen am Arm. Wenn man glaubt, dass sei der/die Partner(in), wird man vielleicht sinnliche Gefühle erzeugen. Wenn man dagegen den Eindruck hat, es seien die Eltern, wird man vielleicht liebevolle Gefühle anderer Art erzeugen. Wenn man aber glaubt, es sei ein total Fremder, wird man vielleicht kaum reagieren.

13. Der Buddha ermutigte nicht zur Nutzung von übernatürlichen Fähigkeiten, in den meisten Fällen verbot er es sogar. Der Hauptgrund dafür wurde Kevatta vom Buddha in der Kevaṭṭa Sutta (DN 11) erklärt.

  • Zur Zeit des Buddha gab es Menschen, die solche „Wunder“ mit speziellen Techniken wie dem „Gandhāra-Zaubertrick“ (gandhārī nāma vijjā) vollbringen konnten. Einige andere kultivierten übernatürliche Kräfte über anariya Jhāna. Damit könnten solche Menschen Buddha Dhamma abtun und sagen: „Ich kann diese Dinge auch ohne Buddhas Lehren tun.“
  • Nur mit Buddha Dhamma kann man jedoch zukünftiges Leiden stoppen, was mit Zaubertricks nicht möglich ist!

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