Beschreibt die erste edle Wahrheit nur Leiden?_

Unterschied zwischen Dukha und Dukkha

1. Buddha Dhamma beschreibt die Naturgesetze. Viele Menschen denken, dass Dukkha Sacca (die erste edle Wahrheit) besagt, dass alles Leiden ist. Das ist nicht wahr. Es gibt eine Menge scheinbaren Glücks, was Menschen daran hindert, das verborgene Leiden zu erkennen.

  • Der Schlüssel zu Nibbana ist, Paññā bzw. Weisheit zu entwickeln, um das verborgene Leiden zu erkennen. Man muss keine physischen oder psychischen Schmerzen haben, um Dukkha Sacca zu verstehen, auch wenn das zur Nachforschung motivieren kann.

2. Es gibt einen Unterschied zwischen Leiden (das Gefühl bzw. Vedanā) und der Fähigkeit, die Ursachen dafür zu verstehen (Paññā), um dadurch zukünftiges Leiden zu vermeiden.

  • Das Pāli-Wort für Schmerzen/Leiden ist dukha. Das ist das Gefühl von Schmerz (vedana). Auf der anderen Seite gibt es dukkha = dukha + kha bzw. das “Entfernen von Dukha“.
  • Dukha (Leiden) ist das Gegenteil von Sukha (Vergnügen/Glück). Das steht in mehreren Suttas. Zum Beispiel Bhāra Sutta (SN 22.22):

Bhārā have pañcakkhandhā,
bhārahāro ca puggalo;
Bhārādānaṃ dukhaṃ loke,
bhāra­nikkhepa­naṃ sukhaṃ”.

„Die fünf Aggregate sind Belastungen,
Der Lastenträger ist die Person;
Die Last zu tragen, ist Leiden in der Welt,
Die Bürde abzulegen, ist Glück“.

3. Wir erkennen nicht, dass die fünf Aggregate Belastungen sind. Wir mögen unseren Körper und geistig ansprechende Objekte in der Welt (Rupakkhandha). Wir sehnen uns nach dem, was wir mit dem Geist erleben können (die Aggregate Vedanā, Saññā, Sankhāra, Viññāna).

  • Es ist offensichtlich, dass es überall Anzeichen von Glück gibt. Wenn alles Leiden wäre, würde jeder Nibbāna suchen. Es ist aber schwer für die Menschen, das wirkliche Leiden dort draußen zu sehen.

4. Scheinbare Freuden maskieren das Leid. Im Menschenreich ist Leiden und Glück zu haben.

  • In den höheren Reichen ist das Leiden relativ gering und deshalb ist es für Devas schwierig, überhaupt an Nibbāna zu denken.
  • Doch selbst diese Devas und Brahmas fallen schließlich in die untersten vier Reiche. Natürlich endet jede Geburt in irgendeinem Reich mit dem Tod, und das ist unvermeidlich, solange man sich im Wiedergeburtsprozess befindet.
  • Wesen in den untersten vier Reichen (apāyā) erfahren viel Dukha. Natürlich haben sie keine Ahnung von Dukkha Sacca. Der entscheidende Punkt ist, dass jedes Lebewesen viel Zeit in den Apāyā verbringt und dass diese Existenzen sehr schwer zu ertragen sind. Siehe Wie der Buddha die Chance der Wiedergeburt im Menschenreich beschrieb.
  • Deshalb ist der Wiedergeburtsprozess voller Leiden. Die gute Nachricht ist, dass man das Leiden stoppen kann.

Was ist die edle Wahrheit über Dukkha?

5. Lassen Sie uns sehen, wie der Buddha die erste edle Wahrheit über das Leiden in der Dhamma Cakka Pavattana Sutta beschrieb:

Idaṃ kho pana, bhikkhave, dukkhaṃ ariyasaccaṃ—

jātipi dukkhā, jarāpi dukkhā, byādhipi dukkho, maraṇampi dukkhaṃ, appiyehi sampayogo dukkho, piyehi vippayogo dukkho, yampicchaṃ na labhati tampi dukkhaṃ—saṃkhittena pañcu­pādā­nak­khan­dhā dukkhā“.

  • Gehen wir Schritt für Schritt durch diese Definition von Dukkha.

6. Im ersten Teil heißt es: “jātipi dukkhā, jarāpi dukkhā, byādhipi dukkho, maraṇampi dukkhaṃ..”.

Übersetzt: „Geburt ist Leiden (das überwunden werden kann). Altern ist Leiden (das überwunden werden kann). Krankheit ist Leiden (das überwunden werden kann). Tod ist Leiden (das überwunden werden kann).

  • Außer „Geburt“ sind die anderen Teile (Altern, Krankheit, Tod) eindeutig mit Leiden verbunden. Jedoch stehen diese nachfolgenden Teile unvermeidliche mit jeder Geburt im Zusammenhang.
  • Zudem können die anderen drei Arten von Leiden nicht beseitigt werden, ohne die Geburt zu stoppen, d.h. den Wiedergeburtsprozess.
  • Auch wenn dies logisch leicht zu erkennen ist, erfordert es viel mehr Nachdenken, um es tatsächlich zu verstehen.

7. Der Buddha erklärt Dukkha weiter im nächsten Vers: “appiyehi sampayogo dukkho, piyehi vippayogo dukkho.” bzw. “Es bringt Sorgen, wenn man mit Menschen/Dingen zusammen ist, die man nicht mag. Es bringt auch Sorgen, wenn man sich von Menschen/Dingen trennen muss, die man mag.“

  • Wir alle kennen diese Wahrheit aus erster Hand. Es ist unangenehm, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die man nicht mag, oder einen Job zu haben, den man nicht mag, usw.
  • Natürlich ist auch das Gegenteil wahr: Es ist traurig, wenn ein geliebter Mensch stirbt oder wenn man seinen Job verliert, den man mag.

Dukkha entsteht aufgrund der Anicca-Natur

8. Dann kommt „yampicchaṃ na labhati tampi dukkhaṃ“, was abgekürzt steht für „yam pi icchaṃ na labhati tampi dukkhaṃ“.

Hier sehen wir “iccha” (dasselbe wie icca), was wir sowohl von anicca, dukkha, anatta als auch von Paticca Samuppāda kennen. Das “labhati” bedeutet “bekommen” und “na labhati” bedeutet “nicht bekommen”.

  • Übersetzt: „Wenn man nicht bekommt, was man will oder mag, führt das zu Leiden.“
  • Anicca kommt von na + icca oder “nicht bekommen, was man will”. Daher ist dies eine Aussage zur Anicca-Natur, d.h. es ist ein Naturgesetz. Auf lange Sicht bekommt man NICHT das, was man will. Deshalb ist es nicht möglich, das Leiden in Sansara langfristig zu verhindern und dauerhaft glücklich in dieser Welt zu leben (im Kreislauf der Wiedergeburten). Das Leiden endet erst mit dem Ende des Wiedergeburtsprozesses.

9. Dasselbe Konzept findet sich in der Yadanicca Sutta (SN 22.15) als “yadaniccam tam dukkham, yam dukkham tadanattā.“. Das ist die verkürzte Version von “yad aniccam tam dukkham, yam dukkham tad anattā“. Übersetzt: Wenn etwas anicca ist, entsteht dukkha und man wird hilflos (anatta).“

10. Wie schon gesagt, es ist dieses „scheinbare Glück“, was das wahre Leiden verborgen hält. Wir versuchen immer, die helle Seite zu sehen und optimistisch zu bleiben. Auch die Gesellschaft als Ganzes versucht den meisten Schmerz zu vertuschen und nicht hinzusehen.

  • Leiden und Glück sind da draußen. Der Schlüssel besteht darin, das Leiden im scheinbaren Glück zu erkennen.
  • Wenn ein Fisch den Köder beißt, sieht er nur ein leckeres Fressen, aber nicht den Haken, die Schnur und den Mann, der die Angel hält. Der Fisch kennt nicht das „ganze Bild“ mit dem verborgenen Leiden. In gleicher Weise können Menschen den Schmerz und das Leiden, was sich in scheinbaren Sinnesfreuden verbirgt, nicht sehen, bis ein Buddha in der Welt erscheint und es offenbart.

Anicca und Wiedergeburt

11. Die Verse oben in Nr. 8 bis 10 beschreiben die Anicca-Natur. Auf lange Sicht „können wir die Dinge nicht zu unserer Zufriedenheit aufrechterhalten, und das führt zu Leiden“; Dies ist “ya da niccam tam dukkaham“.

  • Weiter heißt es in der Sutta: “……dukkhō anariyō anatta samhitō“. Man wird dadurch anatta bzw. hilflos. Das entspricht “tam dukkham tad anatta” im Vers von Nr. 9.
  • In der Anatta Lakkhana Sutta wurden diese Konzepte weiter ausgeführt. Siehe Anatta – keine Zuflucht in dieser Welt.
  • Anicca, dukkha, anatta sind somit die grundlegende „Sichtweise“, die nur ein Buddha erreichen kann. Es ist “pubbe ananussutesu dhammesu …”.

12. Es ist damit unerlässlich, das „Gesamtbild“ dieser Welt mit 31 Reichen, dem Prozess der Wiedergeburt, dem Kamma-Gesetz und Paticca Samuppāda zu verstehen. Dann erkennen wir, dass die meisten Wesen aufgrund ihrer Unwissenheit in den unteren vier Reichen gefangen sind.

  • Es gibt ungefähr 7 Milliarden Menschen auf dieser Erde, aber jeder von uns hat Millionen Lebewesen in und auf seinem Körper.
  • Ein Haushalt hat vielleicht 4 bis 6 Personen, aber wieviele Lebewesen gibt es in diesem Haus und im Garten? Millionen, möglicherweise Milliarden. In einem einzigen Erdklumpen aus dem Garten gibt es Tausende winziger Kreaturen.

13. Das Konzept von Dukkha (“Dukha, das gestoppt werden kann”) wird nur im Kontext mit dem Wiedergeburtsprozess verstanden. Es geht darum, das mit zukünftigen Geburten verbundene Leiden zu beseitigen.

  • Das gegenwärtige Leben eines Menschen hat bereits begonnen (was ein Ergebnis vergangener Taten/Kamma ist). Dieses aktuelle Leben wird durchlaufen, bis die kammische Energie für den physischen Körper aufgebraucht ist. Wir können nur alle Leiden, die mit schlechten Bedingungen, Krankheit, Unfall usw. verbunden sind, VERWALTEN. Diese Leiden sind mit dem Leben verbunden, das bereits begann.
  • Das zukünftige Leiden lässt sich aber stoppen, indem man aus dem Kreislauf von Sansara aussteigt. Das ist Dukkha Sacca.

Fünf Aggregate – Was wir gerne pflegen

14. Schließlich fasst die letzte Zeile vom Vers alles zusammen: “saṃkhittena pañcu­pādā­nak­khan­dhā dukkha.”

Übersetzt: „Das Leiden, das gestoppt werden kann, entsteht aufgrund des Verlangens nach den fünf Aggregaten.“

  • Was wir uns in dieser Welt wünschen, kann in fünf Gruppen unterteilt werden: Rupa, Vedanā, Saññā, Sankhāra, Viññāna. Wir möchten unseren eigenen Körper und andere leblose Dinge sowie Lebewesen zu unserer Zufriedenheit erhalten. Wir möchten auch unser Vedanā, Saññā, Sankhāra, Viññāna (unsere Gedanken) zu unserer Zufriedenheit erhalten.
  • Wonach wir uns sehnen (icca) und wofür wir daher upādāna haben, sind die fünf Aggregate (pancakkhandha). Der Teil vom Pancakkhandha, den wir uns wünschen, ist Pancupadanakkhandha (panca + upādāna + khandha).

15. Darum entsteht Dukha (Leiden bzw. Vedanā), WEIL wir uns nach Dingen in dieser Welt sehnen und San tun, um solche Dinge zu erlangen. Wir binden uns auch über Dosa (Hass, Abneigung …), d.h. wir tun auch San, um Dinge zu vermeiden oder loszuwerden.

  • Wieder sehnen wir uns nur deshalb nach Rupa, Vedanā, Saññā, Sankhāra, Viññāna, weil wir glauben, dass es Glück bringt. Die Realität ist jedoch, dass dieses Verlangen unweigerlich zu Leiden führt. Wir arbeiten einfach gegen die Natur und die Natur merkt sich das in Form von Kammasamen, die später Vipaka einbringen.
  • Wir können das Leiden stoppen, indem wir dieses Verlangen stoppen, was wir wiederum durch Verstehen der wahren Natur dieser Welt erreichen.

16.  Der Geist muss den Nutzen im Loslassen erkennen. Dabei kann man ein besseres Glück erreichen. Siehe Drei Arten von Glück – Was ist Niramisa Sukha?.

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