Panca Indriya / Panca Bala – Fünf Fähigkeiten / Fünf Mächte

1. Panca Indriya und Panca Bala sind in den 37 Faktoren der Erleuchtung enthalten. Siehe 37 Faktoren der Erleuchtung.

2. Indriya bedeutet Führer. Ein Führer hat Macht bzw. Bala. Diese 2 x 5 Faktoren sind sehr wichtig, um dem Edlen Achtfachen Pfad zu folgen.

  • Die fünf geistigen Fähigkeiten (Panca Indriya) sind Saddha (Glaube), Viriya (Anstrengung), Sati (Achtsamkeit), Samadhi (Konzentration) und Paññā (Weisheit). Es gibt fünf entsprechende Mächte (Bala).
  • Auge, Ohr, Nase, Zunge und Körper sind die fünf physischen Fähigkeiten (Indriya). Sie sind die Führer beim Zugang zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Berühren. Die Panca Indriya sind die geistigen Führer zum Verstehen von Dhamma.

3. Betrachten wir zuerst die fünf geistigen Fakultäten.

  • Saddha kommt zuerst. Ohne Glauben hat man nicht die Überzeugung, dem Pfad zu folgen. Doch Glaube muss auf Weisheit (Panna) ruhen, d.h. man muss die Wahrheit im Buddha Dhamma zumindest teilweise sehen.
  • Saddha  kommt von sath (Wahrheit) und dha (dhāranaya = erfassen). Man hat Saddha, wenn man die wahre Natur dieser Welt zu einem gewissen Grad begreift (Tilakkhana).
  • Blinder Glaube ist tatsächlich ein Hindernis für den Fortschritt, da man auch dem falschen Pfad folgen kann. Darüberhinaus ist blinder Glaube nicht dauerhaft, da er auf einem wackeligen Fundament steht. Saddha eines Sotapanna ist unerschütterlich und verringert sich nicht. Saddha und Panna sind für den Fortschritt auf dem Pfad unerlässlich.

4. Wenn Saddha und Panna zu einem gewissen Grad entwickelt sind (vor der Sotapanna-Stufe), erkennt man die Fruchtlosigkeit und die Gefahren der sansarischen Reise. Das motiviert zur Anstrengung (Viriya).

  • Des Weiteren erkennt man, dass man sich seiner Handlungen bewusst sein muss und Sati (Achtsamkeit) beginnt zu wachsen. Man muss mit Yoniso Manasikara handeln.
  • Zur gleichen Zeit erkennt man, dass der unruhige Geist schlechte Entscheidungen trifft. Somit arbeitet man auf einen ruhigen Geist hin und sammelt sich in Konzentration (Samadhi). Konzentration ist nicht wirklich eine gute Übersetzung für Samadhi. Man braucht sich nicht zur Konzentration zwingen. Vielmehr entsteht Samādhi, wenn man Vorsichtsmaßnahmen trifft, um „schlechte Situationen“ zu vermeiden. Siehe Was ist Samadhi? – Drei Arten von Achtsamkeit.

5. Unterschiedliche Menschen haben die fünf Fakultäten in unterschiedlichem Maße entwickelt (in diesem Leben und auch in früheren). In der Regel sticht eine Fähigkeit hervor. Der Buddha zeigte, wie man die Dominanz einer Fähigkeiten in einer Person identifiziert.

  • Wenn jemand Saddha relativ weit entwickelt hat, ist diese Person wahrscheinlich friedfertig und hilfsbereit. Sie wird das erste Gebot leicht befolgen (kein anderes Wesen zu schädigen).
  • Dann gibt es Menschen, die Strapazen mit Leichtigkeit ertragen können und sehr entschlossen sind. Sie haben den Viriya Indriya entwickelt. Sie können das zweite Gebot leicht befolgen (nicht nehmen, was nicht gegeben wurde) und sind zufrieden mit den eigenen hart erarbeiteten Dingen.
  • Diejenigen, die Sinnesfreuden nicht aggressiv verfolgen, haben weniger Kamachanda und damit weniger Probleme mit dem dritten Gebot (sexuelles Fehlverhalten). Sie haben wahrscheinlich eine besser entwickelte moralische Achtsamkeit (Sati).
  • Wenn Samadhi Indriya stark ist, ist diese Person wahrscheinlich ruhig und ergeht sich nicht in Geschwätz, d.h. das vierte Gebot der „rechten Rede“ wird leichter eingehalten.
  • Jemand mit starkem Panna Indriya wird anicca, dukkha, anatta leichter erfassen und damit die Fruchtlosigkeit und Gefahren der sansarischen Reise realisieren. Eine solche Person wird in der Lage sein, das härteste fünfte Gebot einzuhalten, nämlich den Geist zu kontrollieren. Siehe Die fünf Gebote – Was der Buddha damit meinte.

6. Sobald man die eigene starke Fähigkeit identifiziert hat, sollte man diese nutzen und sich so weiterentwickeln. Die anderen Fakultäten helfen und wachsen mit. Es ist wichtig, alle fünf Fakultäten zu kultivieren, bis sie zu Mächten (Bala) reifen. Jedoch muss man die dominate Fähigkeit zuerst dafür nutzen.

  • Wenn jemand einem Kind sagt, „das ist nicht deine Mutter, die ist irgendwo anders“, wird das Kind das nicht glauben und zur Mutter rennen und sie umarmen. Es zeigt damit die Zuversicht. In gleicher Weise wird auf Panna basierender Saddha durch Hindernisse nur gestärkt.
  • Wenn jemand kein Saddha hat, wird man leicht vom Kurs abkommen, wenn neue Einflüsse auftauchen. Aber Saddha basierend auf Panna wird unerschütterlich, egal was im Weg steht.
  • Der Buddha gab ein Gleichnis zur Entwicklung von Bala: Wenn ein Fluss auf ein Hinderniss trifft (z.B. ein großer Felsbrocken), teilt er sich, fließt drumherum und vereint sich hinter dem Hindernis erneut. Aber die Indriya müssen stark genug dafür sein.
  • Wenn die Indriya (Fakultäten) stark genug sind, werden sie zu Bala (Mächten).

7. Wenn die Indriya kultiviert werden, sollte man sie ausbalancieren und dabei die dominate Fakultät nutzen.

  • Einige mit Panna könnten sagen, „Es ist nutzlos, Gebote einzuhalten oder die Tisarana zu sprechen oder Suttas zu lesen. Es ist besser, das Dhamma zu lernen.“ Aber diese Aktivitäten machen den Geist empfänglich für Buddha Dhamma.
  • Auf der anderen Seite reichen das Rezitieren von Suttas oder das Einhalten der Gebote nicht aus, um Nibbana zu erreichen.  Man muss auch das Dhamma lernen und Panna entwickeln.
  • Normalerweise gehen Saddha und Panna zusammen und müssen ausgeglichen werden. In ähnlicher Weise müssen Viriya und Samādhi ausgeglichen werden. Während der formalen Meditation kann zuviel Viriya hinderlich sein und Samadhi blockieren. Wie der Buddha zu Sona dem Musiker sagte, müssen die Saiten einer Geige genau richtig gespannt werden, nicht zu fest, nicht zu locker.
  • Sati (Achtsamkeit) ist führend und muss immer da sein.
  • Sati ist wie das Lenkrad beim Auto. Saddha und Panna sind zwei Räder auf einer Achse, Viriya und Samadhi sind zwei andere Räder auf einer Achse. Die Räder müssen im Gleichtakt laufen und das Lenkrad gibt die Richtung vor. Sind die Räder nicht ausgeglichen, fährt das Auto im Kreis. Wird das Lenkrad nicht gehalten, kommt man von der Straße ab.

8. Diese fünf Fakultäten sind Cetasika (Saddha, Viriya, Sati, Samadhi, Panna). Sie definieren den Charakter (Gathi) zum Besseren und helfen beim Hereinholen des Guten („ana“ in Anapana Sati).

9. Die fünf Fakultäten üben die Kontrolle auf ihrem jeweiligen Gebiet aus:

Saddha im Bereich von Adhimokkha (Entschluss oder Lösung),

Viriya im Bereich von Paggaha (Anstrengung),

Sati im Bereich von Upatthäna (Achtsamkeit),

Samadhi im Bereich von Avikkhepa (Nicht-Ablenkung) und

Panna im Bereich von Dassana (Sicht oder Vision).

Wenn sie zu Bala (Mächten) reifen, können sie von ihrem jeweiligen Gegenteil nicht erschüttert werden: Unentschlossenheit, Faulheit, Nachlässigkeit, Ablenkung und Ignoranz.

  • Aus Saddha resultieren Citta Pasada (ruhiger Geist) und Adhimokkha (Entschlossenheit): Adhimokkha ist ein Zwischenschritt in Kusala-Mula Paticca Samuppada auf dem Weg zu Nibbana. Siehe Kusala-Mula Paticca Samuppada.
  • Citta Pasada und Adhimokkha entstehen bei verdienstvollen Handlungen mit Freude im Herzen. Sie sind der Schlüssel, um Verdienste zu optimieren. Siehe Javana eines Citta – Wurzel der geistigen Kraft.

10. Die fünf Indriya reifen zu fünf Bala und sind nur bei einem Arahant ausgeglichen. Wir können jedoch viele Vorteile nutzen, noch bevor das ultimative Ziel erreicht ist.

  • Selbst ein Arahant hat noch ein paar „Unvollkommenheiten“, obwohl das keine Verunreinigungen sind. Dies können hartnäckige Macken im persönlichen Verhalten sein. Zum Beispiel gibt es die Geschichte eines sehr jungen Arahants, der die Gewohnheit hatte, über Pfützen zu springen anstatt drumherum zu gehen. Er war in füheren Leben ein Affe und brachte diese Gewohnheit mit.
  • Nur ein Samma Sambuddha (wie Buddha Gotama) ist in jeder Hinsicht perfekt. Aus diesem Grund wird er auch Tathagata genannt (thatha = „was sein sollte“ bzw. die „wahre Natur“).

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