Sutta – Einführung

1. Buddha Dhamma ist strukturiert, um mit einem Verfahren dargestellt zu werden, d.h. Uddesa, Niddesa, Patiniddesa. Ein grundlegendes Konzept wird zunächst nur genannt (Uddesa oder „Äußerung“). Dann wird es zusammenfassend beschrieben (Niddesa oder „kurze Erklärung“). Dann wird es im Detail beschrieben (Patiniddesa, mit „pati“ = „schwierige Schlüsselstellen”).

  • Zum Beispiel: „anicca, dukkha, anatta“ ist ein Uddesa, wobei die grundlegenden Merkmale „dieser Welt“ nur genannt sind. Die Uddesa von Paticca Samuppada lautet „avijja paccaya sankhara, sankhara paccaya vinnana ,. …… ..“ (alle 11 Stufen).

2. Jedes Konzept wurde im Detail in verschiedenen Suttas beschrieben. Zum Beispiel ist anicca, dukkha, anatta in den ersten Suttas beschrieben (Dhamma Cakka Pavattana Sutta, Anatta Lakkhana Sutta waren die ersten beiden). Doch jede Lehre einer Sutta dauerte viele Stunden und es war nicht möglich, all diese Informationen in einer Sutta zu verdichten für die meist mündliche Weitergabe, die zu der Zeit zur Verfügung stand. Jede Sutta wurde wahrscheinlich durch den Buddha selbst in die verdichtete Form gebracht.

  • Somit ist das Material jeder Sutta im Tipitaka kondensiert, d.h. es sind die Niddesa -Versionen.

3. Während der Zeit des Buddhas erläuterten andere Bhikkhus jede Sutta im Detail vor Zuhörern, wenn sie Diskurse gaben. Dies ist die Patiniddesa-Version. Vor allem nach dem Parinibbana des Buddhas begannen viele Arahants mit der Niederschrift von Attakatha (Kommentare) zu wichtigen Suttas, wenige wurden während der Zeit des Buddhas geschrieben.

  • Drei Original-Bücher mit solchen frühen Kommentaren blieben im Tipitaka erhalten: Patisambidha Magga Prakarana,  Nettipparakana und Petakopadesa. Patisambidha Magga Prakarana besteht aus den Analysen des ehrwürdigen Sariputta, einer der Hauptschüler des Buddha. Nettipparakana stammt vom ehrwürdigen Maha Kaccayana. So haben wir das Glück, diese drei ursprünglichen Kommentare noch zu besitzen.
  • Diese drei Bücher enthalten die Patiniddesa-Versionen vieler wichtiger Suttas und beschreiben im Detail die wichtigsten Wörter und Ausdrücke in einer bestimmten Sutta. Alle anderen großen Kommentare sind verloren gegangen. Siehe Falsche Theravada Interpretationen – Historische Chronologie und Buddhaghosa und Visuddhimagga – Historischer Hintergrund.

4. In diesem Abschnitt betrachten wir Suttas im Patiniddesa-Modus und liefern Erklärungen zu den tieferen Bedeutungen.

  • Während der Zeit des Buddha gab es einige, die schon die Uddesa-Version verstanden, z.B. wurden Upatissa und Kolita (die man dann Sariputta und Moggalana nannte) zu Sotapannas nur durch das Hören eines Verses: „Ye Dhamma hetuppabbava .. … “. Sie hatten in früheren Leben viel getan und brauchten nur einen kleinen Schub, um dorthin zu gelangen. Sie waren Uggatitanna oder „Personen mit großer Weisheit“.
  • Es gab viele, die die Niddesa-Version verstanden. Diese nannte man Vipatitanna und sie brauchten ein wenig mehr Erklärungen, um die Konzepte zu erfassen.
  • Doch heutzutage gehören die meisten Menschen in die unterste Kategorie der Neyya. Sie benötigen detaillierte Erklärungen (d.h. Patiniddesa), um ein Konzept zu begreifen. Das lässt sich nochmal in zwei Kategorien einteilen: die mit Tihetuka Patisandhi (optimale Geburten) erreichen Magga Phala  in diesem Leben, während jene mit Dvihetuka Patisandhi (schlechte Geburten) keinen Magga Phala erreichen können, aber sie können Verdienste erwerben und Magga Phala in künftigen Leben erreichen. Natürlich gibt es keine Möglichkeit für irgendwen herauszufinden (mit Ausnahme eines Buddha), ob man Tihetuka oder Dvihetuka Patisandhi hat.
  • Auch Uggatitanna oder Vipatitanna waren in früheren Leben Neyyas  mit Dvihetuka Patisandhi. Sie strengten sich an, um mehr Weisheit zu erlangen. Deshalb muss man sich nicht sorgen, sondern sollte all sein Streben auf das Erlernen und Verstehen von Buddha Dhamma ausrichten.

5. Im Übrigen gibt es viele fehlerhafte Kommentare, die heute verfügbar sind. Das beste Beispiel ist der Visuddhimagga von Buddhaghosa. Es wurde zu einer Zeit (etwa 400 u.Z.) geschrieben, als das „reine Dhamma“ schon verloren war und die konventionellen Bedeutungen alltäglich waren…so wie jetzt.

  • Eigentlich hatten wir einen langen Zeitraum seit etwa 200 u.Z., in dem das “reine Dhamma“ verloren war; siehe Theravada: Probleme mit aktuellen Interpretationen von Schlüsselbegriffen. Aber die ursprünglichen Suttas überlebten, weil die Menschen sie zumindest bewahrten und weitergaben, wenn auch mit „konventionellen“ („padaparama“ in Pali) Bedeutungen.
  • Wir können langsam erkennen, warum die Menschen Suttas „Wort für Wort“ übersetzten und nur die oberflächlichen Bedeutungen herauskamen. Die Suttas sind nicht zur Übersetzung gedacht, sie sollen im Detail erklärt werden, damit die tiefe Bedeutung erkennbar wird.

6. Von Zeit zu Zeit werden Jati Sotapannas geboren. Sie hatten die Sotapanna-Stufe in einem früheren Leben erreicht, möglicherweise schon während der Zeit des Buddha und wurden dann in den Deva Loka wiedergeboren, bevor sie wieder im Menschen-Reich auftauchten. Einige von ihnen haben die besondere Fähigkeit, die Schlüsselwörter / Schlüsselkonzepte der Suttas zu interpretieren. Diese spezielle Fähigkeit nennt man Patisambidha Nana.

  • Es gab mindestens einen weiteren Zeitpunkt, an dem die wirklichen Bedeutungen von Theros mit dem Patisambidha Nana erklärt wurden. Jetzt ist aber nicht die Zeit das zu diskutieren.
  • Aktuell haben wir ein paar Theros, die diese Fähigkeit haben. Ich werde es Ihnen überlassen, selbst zu entscheiden, ob das wahr ist oder nicht. Ich habe die Vorteile dieser Klarstellungen selbst erfahren und möchte diese für jedermann zugänglich machen, der davon profitieren möchte.

7. Hier ist meine persönliche Überzeugung von dem, was passierte: Der Buddha wusste, dass Buddha Dhamma durch die Zeiten einen Verfall erfahren würde und nicht immer Bhikkhus in der Lage sein würden, die Suttas korrekt zu interpretieren. Deshalb wurden die Suttas in einer Weise zusammengesetzt, dass nur die „klassischen“ Bedeutungen offensichtlich sind. Und das war ein notwendiger Schritt, um die Suttas zu erhalten, vor allem bevor die Niederschrift allgemein üblich wurde.

  • Der ehrenwerte Ananda hatte alle Suttas auswendig gelernt, die er dann auf dem ersten buddhistischen Rat rezitiert, nur 3 Monate nach dem Parinibbana des Buddha.
  • Ananda war Buddhas persönlicher Assistent in den letzten Jahrzehnten von Buddhas Leben. Ich glaube, dass der Buddha jede Sutta kondensierte und Ananda diese dann auswendig lernte. Der Buddha synthetisierte jede Sutta mit einer „Doppelbedeutung”, damit sie die „dunklen Zeiten“ überstehen.
  • Auf dem ersten buddhistischen Rat wurden alle Suttas rezitiert und in verschiedene Kategorien unterteilt (Nikāyas). Das ist eine Theorie und ich glaube, dass sich das in der Zukunft als wahr erweisen wird.

8. Während der Zeiten, in denen keine Bhikkhus mit dem Patisambidha Nana geboren werden, wird die konventionelle Interpretation von den Menschen angenommen. Das dient dem Zweck, die Suttas intakt zu halten.

  • Ein sehr gutes Beispiel ist die Anapanasati Sutta (ein Teil davon ist auch in der Satipatthana Sutta). Wie im Artikel Was ist Anapana? besprochen, wird in der herkömmlichen Bedeutung ana mit “Einatmen” und pana mit “Ausatmen” in Verbindung gebracht, was im Einklang mit der traditionellen Atemmeditation steht, die es zu jeder Zeit gab (praktiziert von Yogis  zu Lebzeiten des Buddha).
  • Ein anderer Begriff ist “majjima patipada”  in der Dhamma Cakka Pavattana Sutta. Es wird leicht als „Mittelweg“ interpretiert, da die Sutta die beiden Extreme beschreibt: kamasukallikanu Yoga und attakilamatanu Yoga . Man ging davon aus, dass „majjima“ für “Mitte” steht und es machte Sinn. Wir müssen beachten, dass Pali eine gesprochene Sprache war und bis heute kein Alphabet hat. So war es leicht, die Bedeutung der Pali-Wörter zu ändern. Das Pali-Wort für Mitte ist nicht Majjima, sondern Madhayama.
  • Majji“ bedeutet “berauscht” zu werden (nicht nur mit Alkohol/Drogen, sondern auch mit Macht, Schönheit, Reichtum, Position usw.) und „ma“ bedeutet “frei zu werden”. Damit bedeutet „majjima patipada“ sich von Extremen fern zu halten und einen gereinigten Geist zu erhalten.

9. Unabhängig von der Richtigkeit meiner Behauptungen zur Absicht Buddhas absichtlich die Suttas mit „Doppeldeutigkeiten“ zu versehen, möchte ich die wichtigsten Punkte hervorheben:

  • Die Suttas scheinen entworfen zu sein, um „konventionelle“ Bedeutungen zu vermitteln, während die „tiefe Bedeutung“ eingebettet ist. Diese „tiefe Bedeutung“ macht die Einzigartigkeit von Buddha Dhamma aus.
  • “Wort für Wort” Übersetzungen der Suttas (mit falschen Interpretationen wesentlicher Pali-Wörter wie anicca und majjima) vermitteln nicht die Botschaft des Buddha.
  • Die überlieferten drei ursprünglichen Kommentare im Tipitaka können die tiefen Bedeutungen der wichtigsten Wörter und Konzepte hervorbringen.

10. Es hat Vorteile Suttas zu rezitieren und dieser Effekt verstärkt sich, wenn man mit Verständnis und einer passenden Melodie rezitiert.

Eine gute Quelle für die Suche nach Pali Suttas ist SuttaCentral.net . Natürlich sind die Übersetzungen der Schlüsselbegriffe häufig falsch, wie auch auf anderen Webseiten. Zumindest kann man die korrekte Pali-Version sehen.

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