Das Gesetz der Anziehung, Charakter (Gathi) und Verlangen (Asavas)

1. Das Sprichwort „Gleiches gesellt sich zu Gleichem“ ist wahr, und wir können das um uns herum sehen.

  • Wir können Menschen in verschiedene Kategorien einteilen: Sportler, Diebe, Politiker, Mörder, Kirchenbesucher, Umweltschützer, Liberale, Konservative usw.
  • In einer Schule neigen Kinder auch dazu, sich in verschiedenen Gruppen zu sammeln: Sportler, Partygänger, Nerds, Streber usw.
  • Natürlich kann es Überschneidungen geben, aber wir können deutlich sehen, dass Menschen dazu neigen, sich mit jenen zu treffen, die gemeinsame Interessen, Vorlieben usw. haben.

2. Dies ist ein universelles Prinzip. Eine Grundregel in der Chemie ist, dass „gleiche Moleküle“ zusammenbleiben. Wir alle wissen, dass Öl und Wasser sich nicht vermischen; die zwei Moleküle sind sehr unterschiedlich. Auf der anderen Seite bleiben Wassermoleküle (oder Ölmoleküle) „glücklich“ zusammen.

3. Buddha Dhamma beschreibt Naturgesetze. Es ist also nicht verwunderlich, dass das Gesetz der Anziehung auch im Dhamma vorkommt. Es gibt drei Schlüsselwörter im Dhamma, die relevant sind: Gewohnheiten, Charakter (Gathi) und Verlangen (Asava); siehe Gathi (Gati), Anusaya und Āsava

4. Das Gesetz der Anziehung kann mit Paticca Samuppada, dem Prinzip von Ursache und Wirkung im Dhamma, erklärt werden. Siehe Paticca Samuppada – Überblick.

  • Pati + ichcha“ bedeutet „verbinden mit etwas, was man mag“. Sama + uppada“ bedeutet, was daraus resultiert, ist etwas Ähnliches, d.h. diese Verbindung führt zu einem Ergebnis der gleichen Art.
  • Wenn ein Kind willig und enthusiastisch mit anderen zusammen ist, die gerne hart arbeiten und gute Noten haben, dann wird das Kind auf diesem Weg zum Erfolg fortfahren. Je mehr ein Kind bereitwillig in schlechter Gesellschaft „abhängt“, desto mehr wird seine Mentalität auf kriminelles Verhalten abgestimmt.
  • So heißt es im Dhamma:Gathi zieht ähnliches Gathi an“. Wir werden sehen, dass dies sehr tiefe Bedeutung hat.

5. Jedoch sagt Buddha Dhamma, dass dieses Anziehungsgesetz nicht fatalistisch sein muss, d.h. dass man mit schlechten Gewohnheiten und Verlangen nicht in einer Abwärtsspirale gefangen ist. Man kann diese Gewohnheiten und Verlangen graduell ändern und so seinen Charakter ändern (Gathi).

Ein Kind ist jedoch nicht in der Lage dies selbst zu tun. Deshalb liegt es in der Verantwortung der Eltern das Kind zu leiten:

  • Eltern können einen RIESIGEN Beitrag dazu leisten, bei einem Kind ab der Empfängnis gute Gewohnheiten aufzubauen. Liebe und Fürsorge, welche die Eltern zueinander empfinden, wird vom Fötus gefühlt. Das ist genauso wichtig, vielleicht wichtiger als Nahrung, welche die Mutter konsumiert. Ein Kind, das in einer Umgebung von Missbrauch oder Gewalt geboren wird, kann lebenslange Probleme entwickeln.
  • Wenn das Kind wächst, werden das Verhalten und die Gewohnheiten des Kindes von den Eltern, Freunden und der schulischen Umgebung stark beeinflusst. Es liegt in der Verantwortung der Eltern und Lehrer das Kind zu führen.

Der Grund dafür ist, dass sich der Manomaya Kaya des Kindes bereits in den frühen Entwicklungsstadien der Umgebung bewusst ist, obwohl er keine Kontrolle über die Situation hat. Somit ist das Kind von der „Umwelt“ betroffen. 

6. Wenn man erwachsen wird, hat man mehr Einfluss auf die eigenen Entscheidungen. Selbst wenn die Kinderjahre nicht gut waren und wenn man eine Reihe von schlechten Gewohnheiten erworben hat, ist es MÖGLICH dies zu ändern.

  • Man kann das gleiche Paticca-Samuppada-Prinzip verwenden, um die Richtung zu ändern. Man muss nur den „pati + ichcha“-Teil ändern, d.h. seine Vorlieben oder Gewohnheiten. Dann wird „sama + uppada“ automatisch geschehen. Das ist das Gesetz der Natur.

7. Zuerst muss man jedoch den eigenen Geist davon überzeugen, dass der aktuelle Weg zu schlechten Ergebnissen führen wird. Man muss über die schlechten Konsequenzen nachdenken, wenn man auf dem falschen Weg bleibt. UND man muss auch über die Vorteile der Kultivierung guter Gewohnheiten nachdenken.

  • Zum Beispiel kann ein Raucher nicht nur ein Versprechen zu Silvester machen, mit dem Rauchen aufzuhören (ein paar schaffen das, aber die meisten nicht). Stattdessen ist es besser, medizinische Hinweise zu betrachten, die frühe Sterblichkeit oder Lungenprobleme belegen. Man könnte mit jemandem sprechen, der das Rauchen aufgegeben hat und der „Erfolgsgeschichte“ dieser Person zuhören usw.

8. Wenn man „gute Gewohnheiten“ (zunächst langsam und mit Mühe) erwirbt, wird man von Menschen, Einstellungen, Arbeitsplätzen, Umgebungen angezogen, die diese Gewohnheiten weiter pflegen und ausbauen, was wiederum den Charakter verändert. Damit wird der Prozess nach dem Start ein Selbst-Läufer. Dies ist das in Paticca Samuppada eingebettete Anziehungsgesetz: pati + ichcha führt zu sama + uppada. Daher ist es wichtig, Sympathie (chanda) und Entschluss (citta) für das zu entwickeln, was man erreichen möchte, die Situation kritisch zu analysieren (vimansa) und sich anzustrengen (viriya). Siehe Die vier Grundlagen der geistigen Kraft (Satara Iddhipada).

  • Wenn man bestimmte Dinge und Aktivitäten (gut oder schlecht) mag, werden diese zu Gewohnheiten. In Singhalesisch heißt es „ganna deya gathi venava„. Wenn man dies immer wieder und möglicherweise über zahlreiche Wiedergeburten macht, werden sie als tief sitzende Verlangen (Asava) eingebettet. Diese Gathi (Charakter) werden auch zu Bhava. Was immer man mag, es wird zu Existenz (Bhava) bzw. zur Wirklichkeit (in Sinhala: thibena bhava).
  • Wenn man einen bestimmten Charakter hat (Gathi), ist es leicht, in den entsprechenden „Zustand“ oder die Existenz zu gelangen. Das ist eine Bedeutung von Bhava. Zum Beispiel kann eine Person mit einer „Trinkgewohnheit“ leicht in diesen Zustand „geboren“ werden, d.h. nur der Anblick einer Bar kann diese Person dazu verleiten, sich zu betrinken. Dies ist das im Buddha-Dhamma erweiterte Konzept: Es ist einfach, mit diesen Eigenschaften in einer neuen Geburt (uppatti bhava) oder sogar in täglichen Aktivitäten (pavutti bhava) „geboren“ zu werden. Dieses etwas tiefere Konzept wird im Abschnitt Paticca Samuppada diskutiert.

9. Viele Menschen wollen sich schnell ändern, was normalerweise nicht geschieht. Erste Fortschritte könnten langsam sein. Wenn man jedoch in Gang kommt, beschleunigt sich der Prozess. Es ist, als würde man versuchen, die Richtung eines sich bewegenden Autos umzukehren: Man muss zuerst stoppen. Wenn man dann das Auto in die richtige Richtung fährt, dauert es eine Weile, bis es beschleunigt und sich die Geschwindigkeit erhöht. Siehe Sansarische Gewohnheiten, Charakter (Gathi) und Verlangen (Asava). Betrachten wir zwei Beispiele:

  • Wenn man ein erfolgreicher Geschäftsmann sein will, dann sollte man versuchen, Gewohnheiten von Geschäftsleuten „aufzubauen“: Wissen über das jeweilige Geschäft, das Erlernen relevanter Fähigkeiten, harte Arbeit usw. DANN beginnt das Anziehungsgesetz zu wirken und zieht einen automatisch zu anderen Personen mit ähnlichen Interessen oder Umgebungen.
  • Wenn ein Gymnasiast auf die Universität gehen möchte, sollte er/sie sich bemühen, in diese Denkweise zu kommen: welche Fächer können studiert werden, die Inhalte des Studiums durchgehen etc. Eltern und Lehrer können einen großen Unterschied machen, indem sie zum richtigen Weg ermutigen und anleiten.
  • Wenn jemand Niramisa Sukha erreichen möchte, muss man etwas Zeit verbringen und zuerst das wahre Dhamma lernen. Wenn man lernt, wird man motiviert mehr zu lernen, weil man anfängt, die Veränderung im eigenen Charakter (Gathi) zu spüren.
  • In jedem Fall wird man automatisch von äußeren Einflüssen (Freunde, andere Interessen etc.) angezogen. Und man wird auch einige der alten Einflüsse verlieren. Offensichtlich könnten die idealen Einstellungen für die obigen Beispiele voneinander abweichen, aber nicht widersprüchlich sein. Vor dem Versuch Nibbana zu erreichen, muss eine Person mit familiären Verpflichtungen diese erfüllen, indem sie ein Einkommen zur Unterstützung der Familie leistet. Ein Kind muss fleißig studieren und gute Arbeit finden. Wenn man nicht die Notwendigkeiten des Lebens erfüllt (Essen, Wohnen, Kleidung und Medizin), kann man nicht nachdenken, geschweige denn meditieren.

10. Schließlich wirkt das Gesetz der Anziehung auch im sansarischen Wiedergeburtsprozess.

  • Viele werden zu denselben Familien, gleichen geographischen Orten usw. wiedergeboren.
  • Im Moment des Todes wird man automatisch zu einer „passenden Geburt“ entsprechend dem eigenen Kamma Vipaka „gezogen“ und auch entsprechend den eigenen Gewohnheiten und Tendenzen. Wer ein unmoralisches Leben gelebt hat, wird wahrscheinlich im nächsten Leben ein ähnliches Ergebnis bekommen: Wer „wie ein Tier lebt“, wird wahrscheinlich ein Tier. Einer, der wie ein Deva (ein Wesen ohne Hass) oder ein Brahma (ein Wesen ohne Gier und Hass) lebt, wird wahrscheinlich als Deva bzw. Brahma wiedergeboren.
  • Indem man gute Gewohnheiten kultiviert und schlechte Gewohnheiten los wird, kann man die Richtung des gegenwärtigen Lebens (Charakter) und der zukünftigen Leben verändern.
  • Der beste Weg dies zu tun, ist die ganze Zeit achtsam zu sein. Erkennen Sie die schlechten Folgen von schlechten Taten/Gewohnheiten und vermeiden Sie diese. Sehen Sie die guten Konsequenzen guter Taten/Gewohnheiten und pflegen sie diese. Auf der grundlegenden Ebene ist es das, was in der Anapanasati-, Satipattana- und Sabbasava-Sutta gesagt wird (das Gute hereinnehmen, das Schlechte verwerfen).

11. Gegenwärtig gibt es mehrere Bücher zum Thema Anziehungsgesetz und wie man bestimmte Verfahren anwenden kann, um Ziele zu erreichen, Beziehungen aufzubauen usw. Der Buddha beschrieb dies und mehr vor 2500 Jahren.

12. Viele Menschen denken, dass Kamma deterministisch ist. Wenn man z.B. arm geboren wird, sei das unabwendbares Schicksal, aber das ist NICHT der Fall. Kamma ist nicht deterministisch. Der menschliche Geist ist sehr mächtig und wenn er richtig eingesetzt wird (indem man ihn reinigt und dann bewusst verwendet), sind die Möglichkeiten endlos: siehe Die Macht des menschlichen Geistes – Einführung.

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s