Was ist „Kaya“ in Kayanupassana?

1. Es gibt zwei Bedeutungen für „kaya“: ein ist „kaya“ als „Körper“, die anderen ist „käya“ wie in „sabba käya“. Die erste Bedeutung ist in der zweiten enthalten. Im Allgemeinen bezieht sich „kaya“ auf „sabba kaya“ in Kayanupassana.

Sabba käya“ kann hauptsächlich in zwei Kategorien unterteilt werden: ajjatta und bahijja oder „intern“ und „extern“. „Sabba“ heißt „alles“ und „sabba kaya“ umfasst alles in dieser Welt, was auch als Pancakkhandha zu verstehen ist; siehe Fünf Aggregate – Einführung.

2. Ajjatta oder die Internen steht für die sechs Sinne: fünf physische Sinne und der Geist. Bahijja oder die externe Welt ist das, was wir mit den sechs Sinnen wahrnehmen: Bilder, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker, Berührung und Dhamma (worüber wir nachdenken).

  • Auch wenn „Rupa“ gemeinhin für Bilder verwendet wird (die eigentlich Vanna sind), umfasst Rupa auch Geräusche, Gerüche, Geschmack und Berührung. Um Verwirrung zu vermeiden, verwende ich nur den Begriff „Rupa“ auch für Geräusch, Geruch, Geschmack und Berührung.

3. Etwas ist ein Bild oder ein visuelles Objekt nur dann, wenn man es sieht. Einen Augenblick später ist es nur noch Erinnerung und damit ein „altes Bild“. Wenn wir ein Haus visualisieren, welches wir bauen wollen, dann ist das ein Bild in der Erinnerung, ein „Zukunftsbild“. Wie in Pancakkhandha besprochen, lässt sich Khandha in 11 Kategorien unterteilen: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, nah, fern, sympathisch, unangenehm, fein (nicht stark), grob (stark), intern und extern.

  • Zum Beispiel kann Gefühls-(Vedana)Khandha in jeder der 11 Kategorien sein. Hier bedeuten „nah“ und „fern“ jeweils „vor kurzem“ und „weiter zurück“ in der Vergangenheit. „Intern“ sind die eigenen und „extern“ die Gefühle der Anderen. Man muss sich der Gefühle anderer Wesen bewusst sein und schädliche Handlungen meiden.

4. Man sollte diese Konzepte betrachten und eine Idee haben, wie verschiedene Darstellungen die gleichen Dinge bedeuten: Pancakkhandha ist das gleiche wie „sabba kaya“, beides meint „alles in dieser Welt“. Viele Menschen denken „Kayanupassana“ dreht sich nur um den eigenen Körper und das ist nicht korrekt.

  • Aber wir denken auch nicht über die „ganze Welt“ da draußen nach, sondern nur über einen winzigen Bruchteil. Und wir haften an einem noch kleineren Teil (Tanha).
  • Obwohl die Pancakkhandha (fünf Aggregate) unvorstellbar groß sind, ist der Anteil, mit dem wir interagieren oder worüber wir nachdenken, sehr klein. Und wir haften über Gier oder Hass an einem noch kleineren Anteil an. Das sind die Pancaupadanakkhandha. Upadana bedeutet „dazu hingezogen“, und das ergreift man, weil man Glück davon erhofft.
  • Zum Beispiel wissen wir alle von den Myriaden von Sternen im All oder von den anderen Planeten in unserem Sonnensystem, aber wir erzeugen kein Verlangen oder Hass gegen sie. Wir haften nur an einigen Bildern, Geräuschen, Gerüchen, Geschmäcke und Berührungen, die wir täglich wahrnehmen. Das ist in der Tat ein winziger, winziger Bruchteil der „Welt da draußen“. Der größte Teil unseres „Pancaupadanakkhandha“ ist das Dhamma-Aggregat, die geistigen Konzepte.
  • So sind wir mit nur einem winzigen Bruchteil von „sabba käya“ beschäftigt: wenn wir mit Gier, Hass oder Ignoranz zugreifen. Das entspricht dem Pancaupadanakkhandha, was wiederum ein winziger Bruchteil des Pancakkhandha ist.

5. Wenn wir ein bisschen darüber kontemplieren, erkennen wir, dass die meisten Bilder, Geräusche, Gerüche, Geschmäcke und Berührungen, über die wir nachdenken, zur Dhamma-Kategorie gehören. Eine lange Reihe von Gedanken kann bspw. mit einem „alten Bild“ aus unserer Erinnerung starten (z.B. ein „alter Freund“). Dann beginnen wir mehr Gedanken über die Person zu erzeugen und es wird etwas ganz anderes daraus: Wir interessieren uns vielleicht für die nette Umgebung, in der unser Freund lebt, und kaufen gedanklich schon ein Haus in der Nähe, sitzen im Garten und trinken Kaffee … Letztlich kommen wir mit unseren Gedanken ganz woanders raus. Das gehört alles jetzt zur Dhamma-Kategorie.

  • Später beobachten wir solche Gedanken und Dhamma in der Cittanupassana und Dhammanupassana. Mit der Kayanupassana kontrollieren wir hauptsächlich unsere Sprache und Handlungen. Auf diese Weise ändern wir langsam unser Gathi und die „automatischen Aktionen und Reaktionen“, die wir zuvor noch zwanghaft ausführten.

6. Während wir „moralisch bewusst“ in allen vier Körperhaltungen agieren (Iriyapathapabba), sind wir uns auch bewusst, was mit unseren sechs Sinnen im gegenwärtigen Augenblick geschieht, d.h. wie die sechs internen Rupa (ajjatta) die externen Rupa (bahijja) nutzen.

  • Sehen wir bspw. ein angenehmes Bild (eine Person oder einen Gegenstand), müssen wir sofort darüber nachdenken, ob es angebracht ist, diese automatische Handlung in „alter Gewohnheit“ auszuführen. Beim Warten am Flughafen könnten wir eine Bar erspähen und anstatt dorthinzugehen, könnten wir produktiver sein und im Internet eine Sutta lesen.
  • In einem anderen Beispiel kommt jemand und macht Ihnen Vorwürfe zu irgendeinem Thema. Statt nur zurückzuschlagen, sollte man sich zuerst beruhigen, die Argumente überdenken und ohne Aggression antworten.

7. Anupassana bedeutet „nach gelernten Prinzipen verwerfen“ (anu = „wie gelernt“ und passana = „loswerden“). Siehe Was bedeuten all diese verschiedenen Meditationstechniken?. Wir müssen logisch bedenken, welche Konsequenzen eine bestimmte Handlung hat. Führt es zu einem „schlechten Ende“, müssen wir die Handlung vermeiden. Das ist mit Kayanupassana in den Abschnitten Iriyapatapabba und Sampajanapabba gemeint.

8. In der Kayanupassana gibt es drei Abschnitte, wo man speziell den physischen Körper betrachtet (Patikulamanasikarapabba, Dhatumanasikarapabba, Navasivathikapabba). Diese Abschnitte beinhalten die Kontemplation über die Natur des physischen Körpers.

  • Im Patikulamanasikarapabba werden die 32 Teile des Körpers diskutiert. Es ist erstaunlich, wie die Wahrnehmung eines Haares in einem Teller Suppe so anders ist, im Vergleich zur Anbetung unserer Haarpracht auf dem Kopf. Das Haar in der Suppe kann auch unser eigenes sein, dennoch mögen wir soetwas gar nicht.
  • Den Fingernagel bewundern manche auch, pflegen ihn und malen ihn an. Aber sobald man ihn abschneidet, wird der Fingernagel zu Abfall und gehört auch nicht mehr zu unserer Persönlichkeit.

9. Wir haben einen Anhaftung für das „Komplettpaket“ mit allen 32 Teilen, die in „gutem Zustand“ sein sollen. Wir sind enttäuscht, wenn unser Haar vergraut oder die Haut schlaff wird. Eine schöne Person kann augenblicklich hässlich werden, wenn das Gesicht durch einen Unfall entstellt wird.

In der Realität wird uns all das oben in der Zukunft passieren. Solange es Geburt gibt, gibt es Verfall und Tod.

10. Der Abschnitt Dhatumanasikarapabba  betrachtet die Tatsache, dass unser Körper aus nur vier Teilchen besteht: Patavi (Festigkeit), Apo (Flüssigkeit), Tejo (Hitze), Vayo (Bewegung). Von den sechs Dhatus ist auch Akasa (Raum) dabei, aber Vinnana (Bewusstsein) gehört nicht zum physischen Körper.

  • Der physische Körper, ob schön oder hässlich, besteht aus diesen vier Teilchen. Da ist nichts Besonderes.

11. Der dritte Abschnitt zum physischen Körper (Navasivathikapabba) betrachtet den Verfall des toten Körpers über viele Monate, wenn er auf dem Erdboden liegen bleibt (wie üblicherweise zur Zeit des Buddhas getan).

  • Ob es der Körper eines Obdachlosen oder eines Königs ist, der gleiche Zerfallsprozess läuft ab und schließlich werden alle Körperteile vom Boden absorbiert oder von der Luft aufgenommen.

12. Alle drei Abschnitte helfen, die Anhaftung zum physischen Körper zu verlieren. Der Zweck ist nicht, traurig zu werden, sondern Weisheit zu entwickeln und zu erkennen, dass wir das nicht vermeiden können.

  • Ein wesentlicher Bestandteil unseres Leidens entsteht, wenn wir schließlich erkennen, dass wir Dinge nicht zu unserer Zufriedenheit beibehalten können. Die meisten Menschen vermeiden diese Überlegung und schauen einfach weg.
  • Natürlich sollten wir einen gesunden Körper möglichst lange erhalten, indem wir gesund essen und uns fit halten. Es zählt nicht das gute Aussehen, sondern die Vermeidung von Krankheit und körperlichen Beschwerden. Der Zerfall wird damit verlangsamt. Man wird damit auch weiter auf dem Pfad kommen und den Geist möglichst tiefgehend reinigen.

13. In allen Anupassana müssen wir die drei Merkmale der Natur einbeziehen (anicca, dukkha, anatta), wenn wir die Fruchtlosigkeit der Anhaftung an Dinge und Konzepte sehen wollen.

  • Außerdem ist es wichtig, die potenziell „schlechten Ergebnisse“ von unmoralischen und unklugen Taten zu realisieren. Das gleiche tut man bei der Kontemplation über den anstrengenden und stressigen Versuch alle Dinge im optimalen Zustand zu erhalten. Je früher wir das erkennen, desto weniger stressig wird es sein.

14. Schließlich wird man in diesen drei Abschnitten zum Körper (Patikulamanasikarapabba, Dhatumanasikarapabba, Navasivathikapabba) nicht nur den eigenen Körper betrachten, sondern auch andere Körper (das ist mit bahijja gemeint).

  • Man kontempliert über andere Menschen (berühmt, arm, reich, jung, alt, usw.) und über Tiere. Es spielt keine Rolle, wer oder was es ist. Wir alle werden schließlich zu Staub. Doch für viele kommt diese Erkenntnis erst nach vergeblichen Mühen, den Körper „schön“ zu erhalten.

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