Rechte Rede – Vermeiden von schlechtem Kamma

1. Das vierte der fünf Gebote für ein moralisches Leben ist die rechte Rede. Die meisten Menschen nehmen es wörtlich als „nicht lügen“. Aber da wir wissen, dass die Absicht (cetana) die Wurzel der Entscheidung ist, ob eine Handlung richtig oder falsch ist, müssen wir immer vorsichtig sein und überlegen, was wir mit den Worten erreichen wollen.

2. Wenn man eine falsche Tat begeht, kann man sie in einer Erklärung so formulieren, dass sie der Legalität entspricht. Dies wird jedoch als falsche Rede im eigenen Geist registriert und somit kann man den kammischen Folgen nicht entkommen.

3. Die ehrwürdige Ayya ​​Khema hat in ihrem Buch „Visible Here and Now“ (S. 53) schön zusammengefasst, wie man rechte Rede versteht:

  • Wenn Sie etwas wissen, das nicht hilfreich und unwahr ist, dann sagen Sie es nicht.
  • Wenn Sie etwas wissen, das hilfreich sein könnte, aber nicht wahr ist, sagen Sie es nicht.
  • Wenn Sie etwas wissen, das nicht hilfreich aber wahr ist, sprechen Sie nicht darüber.
  • Wenn Sie etwas wissen, das hilfreich und wahr ist, dann finden Sie den richtigen Zeitpunkt es zu sagen.

4. Wenn Sie die obigen vier Aussagen sorgfältig prüfen, werden Sie feststellen, dass sie vor Lüge, Tratsch, harter und eitler Rede schützen: Dies sind die vier Wege, wie man unmoralisches Kamma mit Rede anhäufen kann (siehe Zehn unmoralische Taten – Dasa Akusala). Betrachten wir einige Beispiele aus dem Tipitaka, wie der Buddha selbst einige Situationen handhabte.

5. Als der Buddha viele Jahre lang in Jetavanaramaya war, lebte ein „Schweinskiller“ Chunda gleich nebenan (ein Fleischer). Als einige Mönche dem Buddha vorschlugen, dass er sein Dhamma Chunda vermitteln solle und Chunda die Konsequenzen seiner Handlungen verstehen müsse, lehnte der Buddha ab. Er sagte, dass Chunda hasserfüllte Gedanken (patigha) gegen den Buddha generieren könnte und sich so noch schlimmeres Kamma einhandeln würde.

6. Auf der anderen Seite ging der Buddha eine lange Strecke um Angulimala zu finden, kurz bevor der seine eigene Mutter töten wollte. Angulimala hatte fast tausend Menschen getötet, aber das geschah durch Aufforderung durch seinen Lehrer, der Angulimala in Schwierigkeiten bringen wollte. An diesem Morgen sah der Buddha, was passieren würde und wusste, dass er Angulimala von den schlechten Konsequenzen seiner Handlungen überzeugen konnte. Angulimala wurde in wenigen Wochen ein Arahant.

7. Im Falle des Wanderers Vacchagotta, der den Buddha fragt, ob es ein „Selbst“ oder „kein Selbst“ gibt, blieb der Buddha einfach still.

  • Nachdem Vacchagotta abgereist war, fragte Buddhas persönlicher Begleiter, der ehrwürdige Ananda, warum Buddha das Konzept nicht erklärte: es sei nicht richtig zu sagen „Es gibt keine Seele“ oder „Es gibt eine Seele“ (weil es nur einen sich ständig ändernden Lebensstrom gibt). Der Buddha sagte Ananda, dass er nicht glaube, dass Vacchagotta zu dieser Zeit mental fähig sei, das Konzept zu verstehen und dass er ihn nicht verwirren wollte. Siehe den Beitrag Was reinkarniert? – Konzept eines Lebensstroms.

8. Der Buddha hatte die Fähigkeit den geistigen Status anderer Menschen zu sehen. Wir haben diese Fähigkeit nicht. Also müssen wir unser eigenes Urteilsvermögen verwenden.

9. Einen anderen Menschen anzulügen kann (je nach Fall) schlimmere Konsequenzen haben, als ein Wesen eines niederen Reiches zu töten. Die kammischen Folgen hängen vom Status des Wesens und den Konsequenzen der jeweiligen Handlung ab. Zum Beispiel ist das Töten eines Arahants oder der eigenen Eltern ein viel schlimmeres Verbrechen, als einen normalen Menschen zu töten. Einen Menschen zu töten ist viel schlimmer als ein Tier zu töten; siehe Gewichtung von verschiedenem Kamma.

10. Während der Nazi-Zeit in Deutschland belogen viele Deutsche die Nazis, dass sie keine Juden in ihrem Haus verstecken. Natürlich war die Absicht Menschenleben zu retten und das war richtig. Sie erwarben damit gutes Kamma.

 

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