Tiparivattaya und 12 Arten von Nana (Ñāna / Wissen)

1. Die Tiparivattaya (drei Runden der Bindung) wurden schon im Artikel Dhammacakkappavattana Sutta – Einführung angesprochen. Hier gehen wir etwas mehr in die Tiefe.

  • Der Buddha lehrte diese Sutta den fünf Asketen direkt nach dem Erreichen der Buddhaschaft. Es ist allgemein bekannt, dass die fünf Asketen zunächst nur ungern glaubten, dass der Asket Siddhattha tatsächlich die Erleuchtung erlangt hatte.
  • Wenn diese fünf Asketen, die fünf Jahre lang mit Siddhattha zusammen lebten, nicht einmal den Worten Buddhas Glauben schenken wollten, wie kann dann jemand von uns herausfinden, ob eine andere Person Magga Phala erreicht hat? Man kann es nicht wissen, außer die Person erklärt es selbst. Selbst dann gibt es keine Möglichkeit, das zu überprüfen.

2. Zu jeder der vier Edlen Wahrheiten gibt es drei Arten von Wissen, die Siddhattha mit der Buddhaschaft erlangte (Abschnitt 4 bis 7 in der Sutta), somit 12 Arten von Wissen. Wir folgen dem Text der SuttaDhammacakkappavattana-Sutta

  • Während der Buddha alle 12 Arten von Wissen gleichzeitig erlangte, erreichen wir als normale Menschen dies nur in Stufen.

3. Zunächst ist da das Wissen über das Leiden in der weiteren Welt mit 31 Reichen, wie in Vers 4 (i) angegeben (Idam dukkhan ariyasaccan’ti me). Das ist das Dhamma, was der Welt zuvor nicht bekannt war. Und das ist, was ein normaler Mensch erfasst, wenn er/sie die Sotapanna-Stufe erreicht und damit die erste Runde der Bindung überwindet (Tiparivattaya), d.h. er/sie wird frei von Wiedergeburten in den Apayas.

  • Dann wird dieses Wissen noch deutlicher, wenn man anfängt, die Anhaftung an diese Welt zu verlieren; Vers 4 (ii). Das ist die zweite Runde der Tiparivattaya, die man auf der Sakadagami-Stufe erfasst und auf der Anagami-Stufe verstärkt. Das Schlüsselwort ist pariññeyyan’ti, was “Sehen mit weniger Anhaftung an Sinnesvergnügen” bedeutet. Also wird man auf der Anagami-Stufe frei von Wiedergeburt in Kama Loka, d.h. man überwindet die zweite Runde der Tiparivattaya.
  • In der letzten Runde endet das „Sehen“ mit dem Entfernen aller Anhaftung an die Sinne, wie erklärt mit pariññātan’ti. Dies geschieht mit dem Erreichen der Arahant-Stufe. Hier sagt der Buddha pariññātan’ti mé, wobei “ich” bedeutet; Vers 4 (iii). Das wird deutlicher in Abschnitt 8.
  • Diese drei Arten von Wissen umfassen die Erste Edle Wahrheit, Dukkha Sacca.

4. Abschnitt 5 beschreibt die drei Erkenntnisse für die Zweite Edle Wahrheit, die Ursachen für Leiden (Dukkha Samudhaya Sacca). Übrigens sind die Vier Edlen Wahrheiten in Abschnitt 3 kurz genannt.

  • Die Hauptursache für Leiden ist Tanha bzw. Anhaftung. Das wird in der ersten Runde der Tiparivattaya verstanden; Vers 5 (i): Idam dukkhasamudayan ariyasaccan’ti me. Dies ist das Wissen, was ein Sotapanna in Runde 1 gleichzeitig mit Dukkha Sacca erwirbt. Siehe Tanha – Wie wir via Gier, Hass und Ignoranz anhaften.
  • In der zweiten Runde wird eine tiefere Ebene der Grundursachen realisiert, indem man „mit weniger Verlangen nach Sinnesvergnügen sieht“  oder pahātabban’ti,  mit paha = „entfernen“. Für einen normalen Menschen geschieht das in zwei Stufen, Sakadagami und Anagami; Vers 5 (ii).
  • In der dritten Runde, wenn man die Arahant-Stufe erreicht, erkennt man zweifelsfrei, dass jede Art von Tanha eine Ursache für Leiden ist: pahīnan’ti; Vers 5 (iii).
  • Diese drei Arten von Wissen umfassen die Zweite Edle Wahrheit, Dukkha Samudhaya Sacca.

5. Abschnitt 6 beschreibt die drei Erkenntnisse für die Dritte Edle Wahrheit, das Entfernen der Ursachen für Leiden bzw. Dukkha Nirodhaya Sacca.

  • Die Ursachen für Leiden müssen entfernt werden, um Befreiung zu erlangen.  Dies wird in der ersten Runde der Tiparivattaya erfasst; Idaṃ dukkhanirodhan ariyasaccan’ti me. In Abschnitt 3 heißt es: „.. Yo tassā yeva taṇhāya asesa-virāga-nirodho, chāgo, paṭinissaggo, mutti, anālayo ..“. Dies wurde im vorigen Artikel besprochen: Majjima Patipada – Ein Weg die Anhaftung an diese Welt aufzugeben. In der ersten Runde wird das auf einem Basisniveau vom Sotapanna erfasst; Vers 6 (i).
  • In der zweiten Runde erfasst man dieses Wissen auf einer tieferen Ebene, d.h. „mit weniger Verlangen nach Sinnesvergnügen“: sacchikātabban’ti.  Für einen normalen Menschen geschieht das in zwei Stufen, Sakadagami und Anagami, wenn man beginnt, tatsächlich die Gefahren von Kama Raga zu erfassen; Vers 6 (ii).
  • In der dritten Runde erkennt man zweifelsfrei, dass jede Art von Tanha  entfernt werden muss: sacchikatan’ti; Vers 6 (iii).

6. Wie man dieses Entfernen der Ursachen tut (Nirodhaya), erfasst man in der letzten Runde,  Abschnitt 7.

  • Der Edle Achtfache Pfad wird zuerst in der ersten Runde erfasst. Ein normaler Mensch gewinnt dieses Wissen mit der Sotapanna-Stufe: Idaṃ dukkha nirodhagāmini paṭipadā ariyasaccan’ti me. Man „sieht“ den Pfad mit dem „Dhamma-Auge“; Vers 7 (i). Eine enorme Menge an Verunreinigungen wird nur mit dieser „klaren Sicht“ entfernt (Samma Ditthi).
  • Dann realisiert man in der zweiten Runde, dass man den Edlen Achtfachen Pfad kultivieren muss (Bhavana), um die Ursachen zu beseitigen;  Vers 7 (ii)): bhāvetabban’ti.
  • In der dritten Runde wird klar, dass man diese Aufgabe abgeschlossen hat und es nichts mehr zu tun gibt; Vers 7 (iii): bhāvitan’ti.
  • Aber wie oben erwähnt, erlangte der Buddha während seiner Erleuchtung alle 12 Arten von Wissen gleichzeitig.

7. In Abschnitt 8 sagt der Buddha: „Ich hatte die Buddhaschaft zuvor nicht erklärt, da ich nicht alle Arten von Wissen hatte …“. Hier bedeutet na suvisuddhaṃ ahosi “hatte es nicht vollständig erreicht“.

  • Im nächsten Satz erklärt der Buddha, dass er das jetzt getan hat (suvisuddhan ahosi), und er gibt bekannt „.. der Welt der Menschen, Devas, Brahmas , ..“ , dass er die Erleuchtung erlangt hat.
  • Im nächsten Satz sagt er: „die Vision ist in mir entstanden (dassanan udapādi), ein unbeweglicher ruhiger Geisteszustand entstand in mir (akuppā me chetovimutti), das ist meine letzte Geburt (ayaṃantimā jati), und es gibt kein weiteres Bhava mehr für mich (natthi’ dāni punabbhavo)”.
  • Dann sagt er: „Ida ma vo ca Bhagava“ bzw.Somit erklärt der Buddha…”. Dann folgen die nächsten Seiten der Sutta mit allgemeinen Aussagen.

8. In Abschnitt 9 wird festgestellt, dass einer der fünf Asketen, Kondanna, die Sotapanna-Stufe am Ende der Desana erreicht hat.

9. Die wichtige Sache ist, dass man der Reihe nach durch diese Phasen gehen muss (nur ein Buddha geht da in einem Schritt durch). Manche Leute versuchen, die Wahrnehmung des “Selbst” loszuwerden, noch bevor die Sotapanna-Stufe erreicht wird. Doch solange man irgendeine Art von Gathi hat, wird man auch ein Selbst wahrnehmen. Wenn man Apaya Gathi auf der Sotapanna-Stufe entfernt, überwindet man die erste Runde. Kama Gathi wird auf der Sakadagami-Stufe reduziert und auf der Anagami-Stufe entfernt. Damit wird die zweite Runde der Bindung an die Welt überwunden.

  • Die beiden Sanyojana Mana (die Wahrnehmung von “ich” oder “mein” oder “ich muss gut behandelt werden, denn ich bin was besonderes” oder schlicht Eitelkeit) und Uddacca (Ruhelosigkeit oder die Tendenz zumindest irritiert zu sein, wenn man nicht wie erwartet behandelt wird) verschwinden erst auf der Arahant-Stufe zusammen mit den drei anderen Sanyojana: Rupa Raga, Arupa Raga und Avijja.
  • Das Niveau von Mana, Uddacca, Avijja ist aber schon auf den anderen Stufen reduziert, insbesondere ab der Anagami-Stufe.
  • Damit bleibt als entscheidender Schritt das Verstehen der wahren Natur dieser größeren Welt mit 31 Reichen, womit man die erste Runde der Bindung löst. Geburten in den Apaya werden ab dann verhindert. Der einzige Weg besteht im Lernen und Verstehen des wahren und reinen Buddha Dhamma. Der freiwillige Verzicht auf Sinnesfreuden kommt erst mit der Zeit.

10. Ein normaler Mensch, egal wie intelligent, kann die Gefahren der Existenz in den 31 Reichen nicht erfassen, weil jede Person verschiedene Formen von falschen Sichtweisen bzw. Micca Ditthi hat. Ein Buddha entdeckt die Existenz dieser Reiche und das unerträgliche Leiden (vor allem in den Apayas).

11. Jetzt können wir auch sehen, warum eine Sutta nicht Wort für Wort übersetzt werden sollte. Nur die wichtigsten Ideen sind in einer Sutta genannt, die dann im Detail erklärt werden müssen, um den Inhalt zu erfassen. Eine Sutta wurde über einen langen Abend erklärt, aber nur auf wenigen Seiten zusammengefasst.

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