Nibbana im großen Bild

1. In den Texten zur großen vereinheitlichten Theorie wird die größere Welt mit 31 Reichen gemäß dem Buddha beschrieben und warum alle Lebewesen seit anfangloser Zeit in Sansara von Wiedergeburt zu Wiedergeburt wandern.

  • In den unteren vier Reichen (Apayas) leiden die Wesen am meisten. Leider sind die Apayas die Heimat aller Wesen, wo wir die meiste Zeit verbringen. Deshalb ist das Leiden in Summe so dominant.
  • Im fünften Reich (Menschen-Reich) ist man am ehesten in der Lage, Buddha Dhamma zu erfassen und die Sotapanna-Stufe zu erreichen. Dies ist das einzige Reich, in dem man Leiden mindestens sehen aber auch Sinnesfreuden genießen kann.
  • Ein Deva in den nächsten sechs Reichen ist auch in der Lage, Sotapanna zu werden. Aber aufgrund des Fehlens von sichtbarem Leiden, gibt es kaum einen Anreiz für das Streben nach der Sotapanna-Stufe (denken Sie bei einem Deva an einen gesunden, wohlhabenden Teenager!).
  • Das gleiche gilt für Rupi und Arupi Brahmas, die jhanische Vergnügen in den höheren Reichen genießen.

2. So wird in höheren Reichen das Leiden stufenweise reduziert. Das schlimmste Leiden findet sich in den untersten vier Reichen (Apayas), und wir können das Leiden der Tiere sehen, wenn wir aufmerksam sind und auch das Leben der Tiere in der freien Natur einbeziehen. Es gibt kaum „alte Tiere“ in der Wildnis. Sobald sie zu schwach oder zu langsam sind, werden sie getötet oder verhungern.

  • Man könnte versuchen, sich von den Apayas  fernzuhalten (in zukünftigen Geburten), indem man unmoralische Taten vermeidet. Aber das Problem mit nur diesem Ansatz ist, dass wir mit ziemlicher Sicherheit solche unmoralischen Taten in früheren Leben getan haben und daher genug Kamma für viele Geburten in den Apayas angesammelt haben.
  • Wir sollten daher die schlimmsten Verunreinigungen aus unserem Geist entfernen, um apayagami Citta zu vermeiden und im Cuti-Patisandhi Moment solche schlechten Kamma-Samen nicht zu ergreifen. Siehe Apayagami Citta vermeiden. Solche Gedanken kann man nicht einfach unterdrücken. Sie entstehen in einer Milliardstel Sekunde. Man muss das Verlangen in Stufen reduzieren. Siehe Der Weg zu Nibbana – Entfernen von Asavas und Gathi (Gati), Anusaya und Asava.
  • Wie oben erwähnt ist die erste Stufe der Reinigung vor allem im Menschen- und Deva-Reich möglich. Aber der Anreiz, das zu tun, existiert praktisch nicht in den Deva-Reichen.

3. Das Menschen-Reich ist auch deshalb einzigartig, weil man weitgehend dort seine zukünftige Existenz bestimmt. Menschen sind die einzigartige Spezies, die alle 89 Arten von Citta generieren kann. Darüber hinaus können Menschen die wichtigen Javana Citta erzeugen, die Kamma  Beeja (Samen) für zukünftige Existenzen (Bhava) formen.

  • Das Menschen-Reich kann als Schule gesehen werden und die anderen Reiche sind die zukünftigen Arbeitsplätze (je nach erworbener Qualifikation in der Schule).
  • Diejenigen, die keine Fortschritte gemacht haben und Probleme für andere verursachten, werden in den Apayas geboren und müssen die Folgen erleiden. Man kann auch sagen, dass diese Schüler Sankhara (oder Gathi oder Gewohnheiten) geeignet für ein Wesen in den Apayas kultiviert haben: grausames und abscheuliches Gathi für die Niraya (Hölle), extreme Gier für das Pretha-Reich; faul und abhängig von anderen für das Asura-Reich, mit verschiedenen Kombinationen dieser schlechten Gathi landen sie im Tierreich.
  • Einmal in den Apayas geboren, agieren sie eher wie programmierte Maschinen. Sie erleiden nur ihr Schicksal, ohne irgendeine Chance auf Reduzierung des Leidens. Im Gegensatz dazu sind Menschen fähig, ihr Leben zu verbessern.

4. Dieser letzte Punkt kann vertieft werden. Tiere leben ihr Leben ähnlich einem Roboter. Sie sind nicht in der Lage moralisch von unmoralisch zu unterscheiden oder ihr Leben zu verbessern. Vögel bauen seit Millionen Jahren die gleiche Art von Nest. Ameisen errichten die gleiche Art von Ameisenhaufen und Delphine (die mit höherer Intelligenz im Tierreich) schwimmen in gleicher Weise seit Millionen Jahren im Meer.

  • In gleicher Weise leben Rupi oder Arupi Brahmas nur ihr heiteres Leben, bis die Lebensdauer erschöpft ist. Es ist wie ein schöner Urlaub. Dann kommen sie zurück ins Menschen-Reich und beginnen erneut.

5. Die Analogie von oben fortsetzend gehen die guten Schüler in die 27 höheren Reiche. Diejenigen, die Rupa Jhanas kultiviert haben, werden in den 16 Rupa Brahma Reichen wiedergeboren. Diejenigen, die höhere Jhanas erreichten, werden in den 4 Arupa Brahma Reichen wiedergeboren. Die Brahma in diesen 20 Reichen sind wie Wesen, die einen schönen, sehr langen Urlaub erleben. Sie leben einfach nur in jhanischer Glückseligkeit.

  • Natürlich gibt es einige Brahma, die zuvor im Menschen- oder Deva-Reich Magga Phala erreichten und deshalb können sie zu höheren Stufen von Nibbana vorstoßen. Außerdem gibt es ein paar Rupa Reiche nur für Anagamis.
  • Allgemein absolvierten die Rupi und Arupi Brahma die “Schule” mit hohen Qualifikationen und ernten daher die Früchte dieser Bemühungen für lange Zeit. Doch wenn sie zurück im Menschen-Reich sind, können sie in Umgebungen geboren werden, wo sie auf den falschen Weg kommen und scheitern. Dann werden sie wieder in den Apayas geboren.

6. Diejenigen, die Sinnesvergnügen genießen wollen, ohne Probleme für andere zu verursachen, arbeiten daran, indem sie verdienstvolle Taten tun und sich für die 6 Deva-Reiche qualifizieren (entsprechend dem Niveau der Verdienste). Sie kennen vielleicht nicht Buddha Dhamma, können aber unmoralisch von moralisch unterscheiden.

  • Das Leben in einem  Deva-Reich ist eher wie ein Urlaub auf einer „Vergnügungsinsel“. Die mit Deva Gathi (hoher moralischer Charakter, aber mit Anhaftung an Sinnesvergnügen) sind für diese Reiche qualifiziert. Deva sind eher wie Menschen, aber mit feinen Körpern, die nicht altern (bis kurz vor dem Tod), und ohne Krankheiten. Wenn man also wirklich „Vergnügen genießen“ will, sollte man sich mehr auf gute Taten konzentrieren, anstatt “viel Geld zu verdienen”.
  • Doch Deva können extreme Anhaftung an Sinnesfreuden aufbauen und damit ihre Zukunft auf ein Leben im Tierreich ausrichten. Nach dem „angenehmen Urlaub“ können sie daher sogar im Tierreich ankommen, anstatt im Menschen-Reich.

7. Kultiviert man  Menschen-Gathi, wird man im Menschen-Reich wiedergeboren. Diese Gathi gleichen eher den Deva Gathi, enthalten aber mehr Anhaftung an Sinnesvergnügen, insbesondere grober Kontakt (körperliche Nähe, Sex, kraftvoller Körpereinsatz usw.).

  • Menschen, die hohe moralische Werte pflegen und vielleicht sogar eine Ahnung vom sansarischen Leiden haben (durch Buddha Dhamma), kommen wahrscheinlich zurück ins Menschen-Reich, um ihre “Ausbildung abzuschließen“, weil sie sich das wünschen (upadana).

8. Wenn man nun die Sotapanna-Stufe im Menschen-Reich erlangt, wird die Anzahl der möglichen “Reiseziele” geringer und besser. In den Absätzen Nr. 7 und 8 sehen wir, wie ein Sotapanna durch höhere Reiche geht und sich der Arahantschaft nähert.

  • Natürlich wird diese Person nicht mehr in den Apayas geboren, denn Apaya Gathi ist dauerhaft entfernt und Samma Ditthi ist mit einem gewissen Verständnis der Anicca-Natur dieser Welt etabliert.
  • Ein Sotapanna beginnt die Sinnlosigkeit des Strebens innerhalb dieser Welt zu verstehen und erkennt auch die Gefahren der Sinnesfreuden (Kama Raga).
  • Dann verliert man zunächst den Wunsch, Sinnesobjekte zu besitzen (Vatthu Kama), die Sinnesfreuden bieten. Es reicht, diese nur zu genießen. So hat man Kama Raga nicht völlig aufgegeben, nur Vatthu Kama. Damit wird man Sakadagami, was Geburten nur noch in Deva-Reichen und darüber erlaubt. Auf diese Weise wird man frei von Krankheit und es wird als „gesund für immer“ bezeichnet.

9. Wenn ein Sakadagami mehr über die Anicca-Natur kontempliert (während des Daseins im Menschen- oder Deva-Reich) kann er/sie Klesha Kama entfernen und auch Patigha, was Freiheit von allen Kama Loka Reichen bedeutet. Dann wird man Anagami, d.h. Nicht-Wiederkehrer nach Kama Loka.

  • Ein Angami hat die Vorliebe für Dhamma noch nicht entfernt und wird damit in einem der fünf Rupa-Reiche wiedergeboren, die nur für Anagami reserviert sind. Er/sie wird von dort aus Nibbana erreichen.
  • Ein Anagami wird zum Arahant durch Entfernen von Rupa Raga, Arupa Raga, Mana, Uddacca und Avijja.
  • Natürlich kann man den ganzen Weg bis zur Arahantschaft auch im Menschen-Reich gehen. Ein Arahant wird nirgends in den 31 Reichen wiedergeboren. Der Geist wird frei von jeder Anhaftung an Materie (Rupa), die Verfall und Zerstörung unterliegt. Siehe Was sind Rupa? (Beziehung zu Nibbana).

10. Das war eine kurze Darstellung, wie ein Lebewesen von Reich zu Reich wandert, bis die Arahantschaft erreicht wird. Es ist kein zufälliger Prozess. Alles geschieht aufgrund von Ursachen. Hier sind zwei verwandte Möglichkeiten, diesen Prozess zu analysieren.

11. Es wird auch klar, warum es sinnlos ist, Glück in den 31 Reichen zu suchen.

  • Man könnte für Millionen Jahre im Deva-Reich mit vielen Sinnesfreuden und ohne Krankheiten leben. Aber dann muss man zurück ins Menschen-Reich oder in die Apayas.
  • Selbst wenn man in der höchsten Brahma-Welt (Reich Nr. 31) geboren wird und 84.000 Äonen in jhanischer Seligkeit dort lebt (ein Äon ist etwa 10.000.000.000 Jahre!), kommt man schließlich zurück zum Menschen-Reich und beginnt wieder von vorn. Dann irgendwann danach ist eine Geburt in den Apayas unvermeidlich. Aus diesem Grund ist das Konzept der anfanglosen Zeit für den Geist kaum zu erfassen. Siehe Unendlichkeit – Wie groß ist das? und Sansarische Zeitskala.
  • So muss man darüber nachdenken, ob es sich lohnt, Glück in einem 100 Jahre dauernden Menschenleben zu suchen! Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dies nicht leicht zu erfassen ist, auch wenn es logisch erwiesen ist. Der Geist ist  entzückt und geblendet von Sinnesfreuden. Diese Wahrheit beginnt zu dämmern, wenn der Geist mehr und mehr Verunreinigungen (Gier, Hass und Unwissenheit) los wird und die Gefahren von Sinnesfreuden zu einem gewissen Grad sieht.

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