Mūlapariyāya Sutta – Die Wurzel aller Dinge

13.4.2024

Die Mūlapariyāya Sutta (MN 1) beschreibt die „Wurzel aller Dinge“ in dieser Welt. Hier wird die erstaunliche Wahrheit über die „eingebaute“ verzerrte Wahrnehmung in verständlicher Weise erklärt (Grundwissen über die notwendigen Konzepte ist jedoch erforderlich).

Einleitung

1. Die Mūlapariyāya Sutta (MN 1) enthält eine der entscheidenden „bisher ungehörten Lehren“ des Buddha.

  • Die wortwörtliche Übersetzung der Sutta lässt diese wie ein Zen-Rätsel erscheinen.
  • In diesem Text betrachten wir das erstaunliche Konzept, was in dieser ersten Sutta des Majjjhima Nikāya im Sutta Pitaka enthalten ist. Zunächst wird das notwendige Hintergrundmaterial mit Referenzen bereitgestellt.
Einteilung der Geburten in verschiedene Reiche – Gati

2. Die Wiedergeburten in den 31 Reichen dieser Welt können auf verschiedene Weise charakterisiert werden. Was für die Wiedergeburt am meisten dabei zählt, ist das Gati eines Wesens (frei übersetzt als moralischer/unmoralischer Charakter).

Es gibt fünf Hauptkategorien von Gati, wie in der Gati Sutta (AN 9.68) genannt:
nirayo, tiracchānayoni, pettivisayo, manussā, devā.

  • Der Hauptpunkt ist, dass drei der fünf Gati zur Wiedergeburt in den Apāyā führen, wo das Leiden „optimal“ ist. Dies sind „unmoralische Gati„.
  • Deva-Gati führt zu Wiedergeburten in allen höheren Reichen (sechs Deva- und 20 Brahma-Reiche). Dazu braucht es „moralische Gati.
  • Das Menschenreich liegt in der Mitte, und Manussa-Gati kann moralisch oder unmoralisch sein. Wir haben die Fähigkeit, beide Gati-Typen zu kultivieren. In den meisten Fällen spielt die Umgebung eine große Rolle. Zum Beispiel kann eine „Familie mit moralischen/unmoralischen Gati“ enormen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes haben. Natürlich bewirkt das Gati einer Person auch entsprechende Geburten in „guten/schlechten Familien“.
Menschenreich – „Die Ausbildungsstätte“

3. Die Fähigkeit, verschiedene Arten von Gati zu kultivieren oder zu vermeiden, ist in den vier unteren Reichen und bestimmten Brahma-Reichen unmöglich.

  • Außerdem besteht in den Deva- und Brahma-Reichen die Tendenz, das Leben weitgehend Leid frei zu genießen. Es gibt keinen Anreiz, „moralisches Gati“ zu kultivieren. Selbst unter den Menschen machen sich viele Zeitgenossen keine Gedanken über dieses Thema.
  • Das Menschenreich ist etwas Besonderes. Da man sowohl Leid als auch Sinnesfreuden sehen kann, ist es möglich, die Notwendigkeit zu erkennen, „moralisches Gati“ zu kultivieren. Außerdem verlangsamt das Vorhandensein eines physischen Körpers mit einem Gehirn die „Reaktionszeit“ und macht es möglich, „achtsam“ zu sein und „sich selbst zu kontrollieren“.
  • Das Menschenreich gleicht einer Ausbildungsstätte, in der man sich auf die nächste Existenz vorbereitet, also auf gute oder schlechte Geburten.
  • Wie in Buddhismus und Evolution – Aggañña Sutta (DN 27) erklärt, werden alle Lebewesen der Reiche unterhalb des Ābhassara Brahmaloka automatisch im Menschenreich wiedergeboren, nachdem die Erde reformiert wurde. Mit der Zeit werden sie in den Apāyā bis zu den höheren Reichen wiedergeboren, je nach dem kultivierten Gati. Am Ende ihres Lebens in den höheren Reichen kehren sie jedoch ins Menschenreich zurück, und nur ein winziger Bruchteil von ihnen wird erneut in höheren Reichen geboren. Die meisten Wesen, die in den Apāyā leben, müssen bis zum Ende dieser Erde und zur Neuformierung einer neuen warten, um als Mensch geboren zu werden.
Kategorisierung von Geburten in verschiedenen Reichen – Drei Arten von Loka

5. Eine andere Einteilung basiert auf der Anzahl der Sinnesfähigkeiten. Dabei werden die 31 Reiche in drei Kategorien eingeteilt: Kāmaloka, Rupaloka und Arupaloka.

  • Wenn man in Kāmaloka geboren wird, hat man alle sechs Sinne. Die drei Sinnesfähigkeiten Schmecken, Riechen und Berühren erfordern einen dichten physischen Körper. Dieser ermöglicht zwar den Zugang zum Genuss von Essen, Geruch und körperlicher Berührung (einschließlich Sex), macht ihn aber auch anfällig für Leiden durch Verletzung und Krankheit. (Eine Ausnahme ist, dass die Devā in den sechs Devalokā „weniger dichte“ physische Körper haben, die keine Verletzungen oder Krankheiten erleiden können).
  • Manche Menschen werden unzufrieden mit den hiesigen Sinnesfreuden (d.h. sie verlieren Kāmarāga), kultivieren anariya Jhāna und genießen „weniger belastende jhānische Freuden“. Sie geben dafür vorübergehend Vergnügen auf, die auf Essen, Riechen und Berührung basieren. Somit kultivieren sie Deva Gati und werden in Brahma-Reichen wiedergeboren.
  • In Rupa Loka leben Rupavacara Brahmā mit drei Sinnesfähigkeiten: Sehen, Hören, Denken. Sie haben keine physischen Körper und im Wesentlichen zwei pasāda Rupa (cakkhu, sota) und die Hadaya Vatthu, wo Gedanken entstehen. Das sind drei Suddhāṭṭhaka, milliardenfach kleiner als ein Atom!
  • Einige Yogis transzendieren die anariya Jhānā und kultivieren arupa Samāpatti. Sie werden in Arupaloka wiedergeboren, wo nur der Geist (hadaya vatthu) vorhanden ist. Sie können nur denken, und die meiste Zeit über ist ihr Geist auf Raum (akasa) oder Viññāna konzentriert.

6. Der wichtigste Punkt ist: wir wurden in Kāmaloka geboren, weil wir beim Ergreifen dieser Existenz Kāma Gati hatten.

  • Diejenigen mit Kāma Gati, die sich auf höchst unmoralische Taten einlassen, um die Sinne zu befriedigen, werden in den Apāyā wiedergeboren. Sie kultivieren apāyagāmi Gati.
  • Andere sehen die Nachteile von Sinnesfreuden mit dichten Körpern und kultivieren anariya Jhāna/Samāpatti. Sie werden in Brahmaloka wiedergeboren.
  • Jeder von uns wurde in (fast) allen 31 Reichen geboren, außer den für Anagamis vorbehaltenen .
  • Wir alle haben ungebrochene „geistige Bindungen“ bzw. Saṁyojana zum Wiedergeburtsprozess. Die Möglichkeit der Wiedergeburt kann dauerhaft beseitigt werden, indem man diese zehn Saṁyojana einzeln oder gleichzeitig durchbricht.
Kategorisierung von Geburten in verschiedenen Reichen – Saṁyojana

7. Eine weitere hilfreiche Kategorisierung kann auf Basis der Saṁyojana bzw. „Bindungen im Wiedergeburtsprozess“ erfolgen. Es gibt zehn Arten von Saṁyojana.

  • Ein Puthujjana (Durchschnittsmensch) hat alle zehn Saṁyojana. Er kann in jedem Reich wiedergeboren werden (außer in den Brahmalokā für Anagamis). Das Ergreifen einer neuen Existenz hängt NUR vom Gati zum Zeitpunkt des Todes ab.
  • Wenn man die Erklärungen zur „größeren Weltsicht des Buddha“ hört, kann man beginnen, die Gefahren des Verbleibs in Samsara zu sehen. Dann wird man zum Sotapanna Anugāmi und kann drei der zehn Saṁyojana entfernen. An diesem Punkt stoppen die Wiedergeburten in den Apāyā dauerhaft. Man wird nicht mehr fähig sein, apāyagāmi Gati bzw. „hochgradig unmoralisches Gati“ aufrechtzuerhalten bzw. zu kultivieren, was Geburten in den unteren vier Reichen verhindert.
  • Saṁyojana sind keine „physischen Bindungen“, sondern „geistige Bindungen“. Das Brechen einer oder mehrerer Saṁyojana geschieht mit Wissen/Weisheit über die grundlegende Natur der Welt. Es ist in etwa so, als würde man den Genuss von Alkohol aufgeben, sobald man die schlimmen Folgen dieser Sucht zweifelsfrei versteht. Aber während so manche Süchtige einen Rückfall erleiden, wird ein Sotapanna Anugāmi niemals zurückfallen.
Brechen der Saṁyojana – Weg zu Nibbāna

8. Es gibt einen schrittweisen Weg zur Beseitigung dieser zehn Saṁyojana.

  • Die ersten Drei (sakkāya diṭṭhi, vicikicchā, silabbata parāmāsa) werden auf der Sotapanna-Stufe entfernt. Das erfordert ein grundlegendes Verständnis der Fruchtlosigkeit und der Gefahren des Verbleibs im Wiedergeburtsprozess und verhindert zukünftige Wiedergeburten in den unteren Reichen von Kāmaloka.
  • Der nächste Schritt besteht darin, Wiedergeburten auf der höheren Ebene zu stoppen (Menschen- und Deva-Reiche). Das erfordert ein tieferes Verständnis der anicca-Natur. Solange wir ein Verlangen nach den in Kāmaloka verfügbaren Sinnesfreuden haben (kāmarāga), werden wir auch in Kāmaloka wiedergeboren. Ein Sotapanna wird entweder im Menschen- oder Deva-Reich wiedergeboren, bis die beiden Saṁyojana Kāmarāga und Patigha entfernt sind.
  • Die höheren fünf Saṁyojanā binden ein Wesen an Rupa- und Arupaloka (20 Reiche in Brahmaloka). Das Verfahren, was wir weiter unten besprechen, gilt für die Beseitigung dieser höheren Saṁyojanā.
  • Die Mūlapariyāya Sutta erklärt einen tieferen Aspekt, warum wir im Wiedergeburtsprozess gefangen sind, daher der Name Mūlapariyāya (die Wurzel aller Dinge).
Die „bisher nicht gehörte“ Lehre des Buddha

9. Gati bestimmt die Geburt in einem passenden Reich.

  • Diese „Geburts-Gati“ sind im Geist eingebettet, bis eine andere Existenz (in einem anderen Reich) erfasst wird. Technisch ausgedrückt, befinden sich diese „Geburts-Gati“ im Bhavaṅga des jeweiligen Wesens.
  • Stellen wir uns ein Auto im Leerlauf vor. Es bewegt sich nicht, ist aber „lebendig“. Wenn das Auto fahren soll, muss man einen Gang einlegen. Das ist analog einem Menschen, der lebt aber inaktiv ist (z. B. im Schlaf). Der Geist  beschäftigt sich nicht mit einem Objekt. Dieser „neutrale Zustand“ ist Bhavaṅga. Wenn ein Sinnesreiz reinkommt, wechselt der Geist in den aktiven Zustand und untersucht das Objekt (und handelt möglicherweise).

10. Es gibt einen detaillierten Prozess, durch den ein Geist vom Bhavaṅga in den aktiven Zustand wechselt.

  • Die folgende Abbildung zeigt einen typischen Gedankenprozess (citta vīthi), wenn die Augen ein Objekt erfassen (rupārammaṇa).

11. Die 17 Begriffe in eckigen Klammern stehen für die 17 Cittā in einem Citta Vithi für ein „Sehereignis“. Dieser Vorgang erfolgt innerhalb eines Wimpernschlags. Nur ein Buddha kann so einen schnellen Vorgang sehen. Der normale Geist wird sich der Sinneseindrücke erst bewusst, nachdem Hunderte solcher Citta Vithi durchlaufen wurden. Siehe Citta Vithi – Verarbeitung von Sinnesreizen.

Nachdem mehrere Citta Vithi durchlaufen wurden, beginnt sich im Geist „Bewusstsein“ über das Objekt zu formen. Selbst dann können wir nur die „neue (nava) Kamma-Bildung“ nach der Votthapana-Stufe bewusst kontrollieren. Dazu braucht es Achtsamkeit. Allerdings hat der Geist, ohne dass es uns bewusst ist, bereits vor der Votthapana-Stufe mit der Kamma-Anhäufung begonnen. Diese kammischen Energien sind jedoch minimal. Nur starke Vaci oder Kaya Saṅkhāra im Nava Kamma erzeugen Javana Citta. Schauen wir zunächst auf jeden Begriff in der Purāna Kamma-Stufe.

  • Wie oben erwähnt, befindet sich der Geist vor dem Sinnesreiz im neutralen uppatti Bhavaṅga (kein Citta, in der obigen Abbildung mit „B“ bezeichnet). Wenn ein Sinneseindruck reinkommt, muss der Geist aus dem Bhavaṅga ausbrechen, was drei Cittā erfordert: AB, BC, BU. Dann sucht der Geist mit dem PD-Citta nach der spezifischen Sinnestür, an der sich der Sinneseindruck „meldet“. Im obigen Beispiel sieht der Geist das Signal an der „Augen-Tür“ als cakkhu viññāna (CV).
  • CV-Citta generiert eine unverfälschte (aber immer noch verzerrte Version des externen Rupa. Es entspricht der „verzerrten Saññā“ entsprechend dem uppatti Bhavaṅga. Deshalb wird auch ein Arahant eine attraktive Person als solche wahrnehmen, genau wie ein normaler Mensch. Wäre der Sinnesreiz ein Geschmack (z.B. Zucker), würde der Arahant die Süße schmecken. Dies entspricht dem Kama-Dhātu.
  • Der nächste Schritt ist Upaya bzw. Upadhi  und er findet ebenfalls NUR für einen Puthujjana innerhalb dieses CV-Citta statt. Der Geist eines Puthujjana kann automatisch an dieser „attraktiven Person“ oder der „Süße des Zuckers“ anhaften. Ein Arahant wird an keinem Ārammaṇa anhaften. Natürlich wird der Citta Vithi ablaufen, aber das javana Citta wird durch kriya Citta ohne kammische Wirkung ersetzt. Ab hier beschränken wir die Betrachtung auf den Geist eines Puthujjana.
  • Im nächsten Citta (Sam) kann der Geist am „Rupa, was vom Geist mit verzerrter Saññā geschaffen wurde“, anhaften. Hier bedeutet sampaṭiccana (san + paṭicca) „Anhaften mit San„. So erzeugt dieses Citta Sankappa und ist nicht nur verzerrt, sondern verunreinigt! Dieses Rupa ist cakkhuviññeyyā rūpā, was bedeutet, dass es „mit verunreinigtem Cakkhu Viññāna generiert wurde “ und das entspricht auch Samphassa.
  • Samphassa geht im nächsten Citta (San) über zu samphassa-jā-vedanā.

Auf Grundlage dieser „Geist gemachten Vedanā“ wird im Votthapana Citta (V) über die Anhaftung entschieden. Damit beginnt die Nava Kamma-Bildung mit sieben javana Cittā. An diesem Punkt laufen die PS-Stufen „samphassa-jā-vedanā paccayā taṇhā“ und „taṇhā paccayā upādāna„.

  • In den javana Cittā (J) kommt es zur starken Ansammlung von „neuem bzw. Nava Kamma“ mit Mano, Vaci und Kaya Saṅkhāra in den PS-Schritten „avijjā paccayā saṅkhāra“ usw.

12. Den Unterschied zwischen Upaya und Upādāna kann man recht einfach mit einem Citta Vithi im Abhidhamma zeigen, wie obig in Nr. 10 und 11. Die kritische Verbindung zum Gati wird hier offensichtlich. Uppatti Bhavaṅga, mit dem man geboren wird, bleibt erhalten bis zum Ende des Menschen-Bhava. Daher beginnt ein Gedankenprozess bzw. ein Citta Vithi  mit dem Auftauchen eines neuen Ārammaṇa und immer ab uppatti Bhavaṅga. Mit anderen Worten, es beginnt mit der „verzerrten Saññā„, die Kāmaloka innewohnt. Innerhalb des allerersten CV-Citta geht es für einen Puthujjana über zur „verunreinigten Saññā“ (und damit zu „verunreinigtem Viññāna„), aber NICHT für einen Arahant (oder einen Anāgāmi).

  • Anders gesagt: Der Geist eines Puthujjana sieht und nimmt die Welt IMMER mit „verunreinigter Saññā“ wahr , d.h. mit sañjānāti. Der Geist eines Arahants hingegen hat erkannt, dass „verzerrte Saññā“ eine Illusion ist. Ein Arahant sieht die Welt mit vollkommener Weisheit (abhijānāti). Wenn man zum Sotapanna Anugāmi wird, beginnt man die „anicca-Natur“ zu verstehen, indem man Diṭṭhi Vipallāsa entfernt, was pajānāti entspricht.
  • Der Übergang von pajānāti zu abhijānāti kann nicht ohne das Verständnis von Saññā Vipallāsa geschehen.
  • Der Sutta Piṭaka zeigt die UpayaStufe auch in anderen Suttā.

13. Es ist nicht notwendig, Saññā Vipallāsa zu verstehen, um Sotapanna Anugāmi zu werden. Ich denke jedoch, dass das Verstehen hilft, Sotapanna Anugāmi zu erreichen.

  • Der Buddha verglich die verzerrte Saññā mit einer Fata Morgana oder einer Illusion in der Pheṇapiṇḍūpama Sutta (SN 22.95). Der Geist eines Arahants wird davon aber nicht getäuscht.
  • Ein Puthujjana sieht Objekte als wertvoll an, die als „schön“, „geschmackvoll“ usw. wahrgenommen werden. Er erkennt nicht, dass Schönheit oder Geschmack keine intrinsische Eigenschaften des Objekts sind.
  • Es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, dass Wahrnehmungen über „schöne Dinge/Personen, Musik, köstliche Speisen, Sex, etc.“ entsprechend dem Bhava und dem Gati vom Geist gemacht sind. Sie führen zu samphassa-jā-vedanā, was aus Saññā Vipallāsa entsteht.
Zusammenhang zwischen Gati und Geburt

14. Tiere und Menschen bestehen aus den gleichen Atomen und Molekülen (bzw. aus Suddhāṭṭhaka). Materiell gesehen gibt es keinen Grund, warum Schweine gerne verfaulte Dinge fressen, Kühe gerne Gras, Löwen gerne andere Tiere töten und deren Fleisch fressen, usw. Der Grund liegt in der spezifischen Art der kammischen Energie, die für die Existenz/Geburt verantwortlich ist.

  • Die Geburt eines jeden Tieres hat ihren Ursprung in einem früheren Menschenleben. Ein Mensch, der regelmäßig „geistlos“ und für andere schädlich agiert, kann als Kuh wiedergeboren werden. Gewalttäter werden wahrscheinlich als bösartige Tiere wie Löwen, Tiger usw. wiedergeboren. Die meisten singhalesischen Wörter für Tiere haben solche „eingebauten“ Erklärungen.
  • Der einzige Grund, warum Schweine den Geruch von Gammelfleisch/Fäkalien mögen, ist demnach, weil sie als Menschen minderwertige Gati kultivierten, die für Schweine geeignet sind. Jedes Schwein war ein Mensch, der solche „geschmacklosen Gati“ kultivierte.
  • Es funktioniert auch andersherum. Die Menschen, die verdienstvoll handeln (z.B. spenden) und moralisch leben, werden wahrscheinlich im Menschenreich oder im Deva-Reich wiedergeboren. Kultiviert man anariya Jhāna oder Samāpatti, folgen daraus Geburten in Brahmaloka.
„Wurzel aller Dinge“ – Mūlapariyāya Sutta

15. Die Mūlapariyāya Sutta weist darauf hin, dass es Saññā Vipallāsa bzw. verzerrte Saññā ist, die das Anhaften (taṇhā) an weltlichen Dingen entstehen lässt. Nichts in dieser Welt ist von Natur aus schön/hässlich oder lecker/unappetitlich.

  • Basierend auf Saññā Vipallāsa (sañjānāti), gelangen die Menschen zu verschiedenen falschen Sichtweisen über diese Welt. Das sind Diṭṭhi Vipallāsa, was man aus dem Geist entfernen kann, ohne vorher Saññā Vipallāsa zu entfernen.
  • Das geht aus dem Anfang der Mūlapariyāya Sutta (MN 1) hervor: „Nimm einen ungelehrten gewöhnlichen Menschen, der nicht von einer edlen Person über die wahre Natur gehört hat und die Lehren des Buddha nicht begriffen hat – er nimmt pathavi als fest wahr (wie in einer festen Substanz, z.B. Diamant).“ Unsere Wahrnehmungen von „festen physischen Körpern“ oder „extrem harten Diamanten“ sind Illusionen. Beide bestehen aus Suddhāṭṭhakā, die wiederum vom Geist gemacht wurden, und beide sind größtenteils frei von jeglicher Substanz. Siehe Ursprung der Materie – Suddhāṭṭhaka.
  • Saññā Vipallāsa führt zu falschen Schlussfolgerungen (@ Markierung 3.3): „Da sie die Erde als fest wahrnehmen, halten sie Dinge aus pathavi für ‚geeignet‘, erfreuen sich daran und loben solche Dinge.“ („pathaviṁ pathavito saññatvā pathaviṁ maññati, pathaviyā maññati, pathavito maññati, pathaviṁ meti maññati, pathaviṁ abhinandati.)
  • Dann sagt die Sutta dasselbe über die anderen Drei: āpo, tejo, vāyo.

16. Dann weist die Sutta darauf hin, dass die Lebewesen in jedem der 31 Reiche „vom Geist geschaffen“ werden, weil sie ihren Ursprung in Paṭicca Smauppada haben, was wiederum auf der Grundlage von Saññā Vipallāsa funktioniert, d.h. der Hauptgrund für das Entstehen von Taṇhā im Votthapana Citta (V) ist Saññā Vipallāsa. Natürlich bedarf es tiefer Kontemplation (und des erneuten Lesens mit ruhigem Geist), um diese Konzepte zu verinnerlichen.

  • In der Sutta heißt es unter Punkt 7.1: „Sie (puthujjana) nehmen Lebewesen als wirkliche Lebewesen mit eigener Identität wahr.“ („Bhūte bhūtato sañjānāti.„)
  • Der Buddha nannte Lebewesen „Bhutā“ bzw.  „Geister“, weil diese spezifische Identität nur für eine bestimmte Dauer besteht (d.h. bis die kammische Energie erschöpft ist). Dann wird eine andere Form angenommen. Es gibt keine „ewig lebenden Devā, Menschen oder Tiere“. Sie alle haben vergängliche Existenzen. Viele Menschen verehren jedoch diverse Devā und gehen davon aus, dass sie eine besondere Existenz haben, doch auch Devā sind dem Prozess der Wiedergeburt hilflos ausgeliefert. Sie haben auch keine Kontrolle darüber, wo sie wiedergeboren werden!
  • Die Sutta geht dann die Wesen in verschiedenen Reichen durch bis hin zum höchsten Brahmaloka, genannt Nevasaññānāsaññāyatana bei Markierung 18.1. Sie alle sind Bhūta-Existenzen. Siehe die Verbindung zu yathābhūta ñāna („Wissen über die wahre Natur der Dinge“) im Text Bhūta und Yathābhūta.

17. In Markierung 19.1 heißt es: „Sie (puthujjana) nehmen das Gesehene als etwas Reales wahr. („Diṭṭhaṁ diṭṭhato sañjānāti.“)

  • Ein Puthujjana „nimmt fälschlicherweise (sañjānāti)“ ein Objekt oder eine Person als attraktiv (oder hässlich) wahr. Aber es gibt nichts an sich Attraktives oder Hässliches in Form (rupa). Alles ist aus den gleichen Elementen gemacht (pathavi, āpo , tejo, vāyo).
  • Jedoch macht der Geist, basierend auf der verzerrten/unreinen Wahrnehmung bzw. sañjānāti eigene cakkhuviññeyyā rūpā bzw. „eine irreführende Version der äußeren Rupa, die vom unreinen Geist geschaffen wird.“ In den meisten Suttā bezieht sich „rupa“ auf diese „vom Geist geschaffene Version“ anstelle des äußeren Rupa. So ist das, was der Geist als „schöne Person“ erzeugt und wahrnimmt, nur ein physischer Körper, der aus pathavi, āpo , tejo, vāyo besteht. Ein Löwe, der dieselbe Person sieht, denkt vielleicht nicht über ihre Schönheit nach, sondern über die Eignung als Beute! Selbst Menschen haben über dieselbe Person verschiedene Meinungen nur aufgrund der äußerlichen Erscheinung.
  • Dann wiederholt sich dieser Vers für das, was man hört, riecht, usw. All dies sind „vom Geist geschaffene Impressionen“, die auf sañjānāti beruhen.

18. Ein neuer Abschnitt der Sutta beginnt bei Markierung 27.1 und wiederholt die oben besprochenen Verse für einen Sekha („Schüler“ bzw. eine edle Person, die danach strebt, ein Arahant zu werden“): „Ein Bhikkhu, der ein Schüler ist, der die Arahantschaft nicht erreicht hat, aber danach strebt, einer zu sein, kennt die wahre Natur von pathavi und Dingen, die aus pathavi gemacht sind (abhijānāti).

  • Sie haben verstanden (abhijānāti), wie alles in dieser Welt im Geist entsteht, basierend auf Saññā Vipallāsa.
  • Deshalb, @ Marker 27.4, „versuchen sie, sich sowohl des Genusses als auch des Lobes solcher Dinge zu enthalten.“ („pathaviṁ pathavito abhiññāya pathaviṁ mā maññi, pathaviyā mā maññi, pathavito mā maññi, pathaviṁ meti mā maññi, pathaviṁ mābhinandi.“) Hier wird „mābhinandi“ zu „mā abhinandi“ oder „sich bemühen, sich des Lobes zu enthalten“.
  • Der Rest der Verse geht in die gleiche Richtung und erklärt, dass ein Sekha sich bemühen wird, vollständig zu verstehen, dass das Leben eines jeden Lebewesens auf der Grundlage von Saññā Vipallāsa entsteht.

19. Wenn dieses Verständnis vollständig ist, hat man die Arahanthschaft erlangt, wie ab Markierung 75.1 erklärt wird. Ein Arahant hat vollständig begriffen (abhijānāti), wie alles in dieser Welt im Geist auf der Grundlage von Saññā Vipallāsa entsteht.

  • Deshalb, @ Markierung 75.2, „erfreuen sie sich nicht an solchen Dingen oder loben sie.“ („pathaviṁ pathavito abhiññāya pathaviṁ na maññi, pathaviyā na maññi, pathavito na maññi, pathaviṁ meti na maññi, pathaviṁ nābhinandi.“) Hier wird „nābhinandi“ zu „na abhinandi“ oder „sich niemals an solchen Dingen erfreuen oder sie loben.“
  • Dann, bei Markierung 75.4, heißt es, der Grund dafür sei, dass ein Arahant keine Gier mehr im Geist hat („Khayā rāgassa, vītarāgattā„).
  • Diese Sequenz wird zweimal wiederholt und besagt, dass Arahants auch frei von Hass (@ Markierung 99.4) und Verblendung/Moha (@ Markierung 123.4.) sind.

20. Schließlich, bei Markierung 147.1, wird die Sequenz von Nr. 19 oben für einen Buddha (Sammāsambuddha) wiederholt.

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