Hauptursache von Anicca – Fünf Stufen eines Sankata

1. Anicca ist der Schlüssel zur Sotapanna-Stufe. Sobald man anicca begreift, kann man sehen, wie dukkha entsteht und damit, warum man in diesem Kreislauf der Wiedergeburten total hilflos bzw. anatta ist. Dann „sieht“ man das einzige dauerhafte Glück in der Suche nach Nibbana.

  • „Uppada vayattena anicca“ oder „anicca , weil alles, was in dieser Welt entsteht, nicht zur Zufriedenheit aufrechterhalten werden kann“.
  • Um also anicca besser zu verstehen, müssen wir realisieren, dass alles, was wir in dieser Welt erfahren, Ursachen für sein Entstehen hat und wenn diese Ursachen (kammische Energie) erschöpft sind, wird alles auch zerstört. Während der Zeit seiner Existenz verändern sich viele Dinge unvorhersehbar (dies wird viparinama genannt, im Vergleich zu parinama, wenn Dinge sich geordnet und vorhersehbar ändern). Alles was in dieser Welt entsteht, ist ein Sankata. Siehe Unterschied zwischen Dhamma und Sankhara (Sankata).
  • Sankata kann als etwas definiert werden, das aus Ursachen entsteht, weil nichts ohne Ursachen entsteht. Nibbana ist das einzige, was kein Sankata ist und über die Beseitigung aller Ursachen erreicht wird. 

2. Ein Sankata ist eine Einheit, die durch Sankhara entsteht. Ein Sankhara ist auch ein Sankata, denn genau wie alle anderen Sankata entsteht und vergeht jedes Sankhara. Somit ist mit Sankhara auch beides gemeint. Jedoch ist ein Sankata in der Regel etwas, das aufgrund von Sankhara  entsteht und irgendwann vergeht (z.B. Lebewesen, Haus, Gedanke, Hoffnung, Träume usw.). Nichts in dieser Welt hält ewig.

  • Auf der tiefsten Ebene entsteht alles in dieser Welt aus dem Geist. Es wird mehr Zeit kosten, um das zu verstehen. Aber das meinte der Buddha: „manopubbangama dhamma …“ oder „der Geist geht allem voraus …“.
  • Dies ist ausführlich in der Agganna Sutta beschrieben. Alle vorhandenen Übersetzungen sind aber fehlerhaft. Um die Agganna Sutta zu besprechen, brauchen wir mehr Hintergrundmaterial.

3. In der Zeile „sabbe sankhara anicca …“ sind Sankhara UND Sankata gemeint, also alles in dieser Welt mit Ausnahme von Nama Gotta, was nur Aufzeichnungen von unseren Ereignissen enthält.

  • Alles, was wir erleben, sind Sankata. Alles, was wir erleben, dauert nur einen Augenblick, dann geht es in die „Vergangenheit“ und wird in unseren Pancakkhandha integriert. Somit entsteht alles im Pancakkhandha als Sankata.
  • Es ist leicht zu sehen, was alle Vedana, Sanna, Sankhara, Vinnana sind: nämlich Sankata.

4. Aber hier legen wir das Augenmerk auf materielle Dinge (Rupa), weil unsere Vorstellung von „Wertvollem“ darauf basiert. Bis wir diese Wahrnehmung aus unserem Geist entfernt haben, werden wir absichtlich oder unabsichtlich unmoralische Dinge tun, die zu Geburten in den untersten vier Reichen führen.

  • Jedes Sankata hat eine Lebenszeit: eine Fliege lebt ein paar Tage, ein Mensch lebt vielleicht 100 Jahre, die chinesische Große Mauer überdauert viele 1000 Jahre, ein Universum besteht für Milliarden von Jahren. Sie alle sind Sankata (natürlich entsteht nichts davon direkt aus Sankhara; sie sind das Endergebnis. Dies kann nicht einfach erklärt werden, auch nicht mit vielen Artikeln. Es wird eine Weile dauern, um dahin zu kommen). Wir werden mit ein paar einfachen Beispielen die Grundidee erklären.

5. Was ist der Unterschied zwischen einem „materiellen Sankata“, das leblos ist, und einem, das „lebt“?

  • Zum Beispiel ist ein Baum ein Sankata. Die Pflanze wächst aus einem Samen  und stirbt irgendwann. Das ist das Ende des Baumes. Die Ursachen, die zum Entstehen des Baums führten (der Samen) werden erschöpft und der Baum stirbt.
  • Aber wenn ein Mensch stirbt, zerfällt natürlich der physische Körper, aber der Tod ist nicht das Ende des Wesens, weil ein Lebewesen Ursachen (Kamma Beeja) für die „Fortsetzung“ nach dem Tod geschaffen hat und eine neue Existenz ergreift. Ein Arahant hat bei seinem Tod vielleicht auch noch viele Kamma-Samen aus alten Abhisankhara übrig, aber keiner davon wird mehr ergriffen. So endet der Lebenstrom eines Arahant.
  • Alle leblosen Dinge in dieser Welt entstanden vor langer Zeit. Ihre ursprüngliche Entstehung aus Sankhara beinhaltet Dhamma auf einem sehr tiefen Verständnisniveau. Das ganze physische Universum inklusive aller leblosen Materie kommt zu einem Ende, wenn das Universum in Milliarden von Jahren vergeht.
  • Doch die Lebewesen existieren seit anfangloser Zeit. Jedes Mal, wenn wir sterben, kommen wir mit einer neuen Existenz zurück (Bhava).

6. Während der Lebensdauer geht ein Sankata durch fünf grob definierte Stufen. Es gibt keine klaren Abgrenzungen zwischen benachbarten Stufen. Dies liegt daran, dass sich ein Sankata jeden Moment ändert.

  • Ein guter Vergleich ist der Aufgang der Sonne und ihr Untergang am Tagesende. Lassen Sie uns den Zyklus in einem Land nahe am Äquator betrachten. Von etwa 4 bis 7 Uhr geht die Sonne auf. Ab dann wächst der Sonnenschein bis um die Mittagszeit. Die „volle Sonne“ gibt es ab etwa 11 bis 16 Uhr, wo die Kraft der Sonne optimal ist. Dann geht es nach unten und spätestens um 19 Uhr beginnt es zu dämmern. Dann geht es in den letzten Teil über, die Nacht. In jedem Augenblick bewegt sich die Sonne und ihr Status ändern sich ständig.

7. In gleicher Weise geht ein Sankata durch fünf Stufen: udayangama (steigend), asthangama (wachsend), asvada (optimal), adeenava (Verfall beginnt) und nissarana (letzte Stufe hin zum Tod).

  • Diese fünf Stufen eines Sankata zu verstehen ist der Schlüssel zum Anuloma Nana, ohne das man nicht zu Sammatta Nana kommen kann, und schließlich zu Nibbana.
  • Zum Beispiel keimt ein Samen und bildet eine Knospe: dies ist die Stufe des Enstehens (udayangama). Dann wächst die Pflanze zu einem gesunden jungen Baum: dies ist die Wachstums-Stufe (asthangama), in dem es noch keine Blüten oder Früchte gibt. Dann kommt die Stufe des Optimums (asvada), wo der Baum blüht und Früchte trägt. Mit der Zeit trägt der Baum weniger Früchte und der Weg nach unten beginnt: dies ist Stufe des Verfalls (adeenava), in der auch vermehrt Krankheiten auftauchen. Dieser Prozess setzt sich fort bis zum Tod des Baums (nissarana).
  • Ein Mensch oder Tier geht durch den gleichen Zyklus. Ein menschliches Leben beginnt als einzelne Zelle in der Gebärmutter (udayangama). Von dort wächst das Wesen bis etwa 15 Jahre (asthangama). Das Leben erreicht dann einen Höhepunkt bis etwa 30…35 Jahre (asvada). Das ist die Zeit, wo man wirklich das Leben genießt. Dann beginnt zwangsläufig der Zerfallsprozess und man erleidet vermehrt Schmerzen und Krankheiten (adeenava). Diese Stufe wird fortgesetzt bis zum Tod (nissarana).
  • Hier folgt ein Video über das Diamanten-Jubiläum von Queen Elizabeth II. Es zeigt vier Stadien ihres Lebens. Jeder von uns kann das gleiche tun (aber wir haben vielleicht nicht ausreichend Fotos …):

Diamond Jubilee Queen (engl.)

  • Selbst ein lebloses Objekt wie ein Haus, ein Stern oder sogar ein ganzes Universum geht durch den gleichen Prozess.

8. Dies ist die zugrunde liegende Natur dieses Welt und darum ist sie anicca: wir sind nicht in der Lage, die Dinge über lange Zeiten zu unserer Zufriedenheit aufrechtzuerhalten.

  • Dieser Prozess stoppt nicht für ein Lebewesen, da es während eines Lebens mehr als genug Ursachen generiert, um diesen Prozess des Entstehens und Vergehens immer weiter laufen zu lassen.
  • Einige dieser Ursachen sind gut und führen zu „guten Existenzen“, wo es relativ viel Freude und Glück gibt. Aber häufiger sind die Ursachen schlecht (aus Ignoranz dieser Bedingung) und führen zu Existenzen mit viel Leiden.
  • Wir können sehen, wie Dukkha (Leiden) aus der vergänglichen Natur aller Sankata entsteht. Das wiederum führt zum Schluss, dass man in diesem Kreislauf der Wiedergeburten wirklich hilflos ist (anatta). Wenn man diese Tatsache wirklich versteht, führt das zur Sotapanna Magga Stufe von Nibbana (eines der „atta purisa puggala“).

9. Diese fünf Stufen zwischen dem Entstehen und Vergehen kann man in allen Dingen, allen Angelegenheiten, allen Ereignissen usw. sehen. Um die sich ständig verändernde Natur von allem zu verstehen, müssen wir das in allen Dingen und Handlungen erkennen.

  • Man hat vielleicht den Drang Musik zu hören und startet den Player (uadayangama); man beginnt die Musik zu hören (asthangama) und zu genießen (asvada). Aber nach einer Weile wechselt die Freude darüber hin zur „Sättigung“ (adeenava) und schließlich stoppt man den Player (nissarana).
  • Je mehr wir das verstehen, umso mehr werden wir die beiden Extreme los: „es gibt da etwas im Sinne von langanhaltend“ und „es gibt da überhaupt nichts“. Dinge haben eine vorübergehende Existenz; sie existieren für eine endliche Dauer bis die zugrunde liegenden Ursachen verschwinden. Dabei ändern sich die Dinge unerwartet und nicht vorhersehbar.

10. Diese obige Analyse wurde vom Buddha gegeben, damit wir erkennen, dass es keine „permanenten“ oder „existierenden“ Entitäten „in dieser Welt“ gibt. Aber wir können nicht sagen, dass „nichts existiert“ oder alles Illusion ist. Der Buddha lehnte beides ab: „existiert“ und „existiert nicht“. Genauso verneinte er  „Selbst“ und „Nicht-Selbst“. Dinge und Lebewesen existieren nicht dauerhaft, sondern als sich ständig verändernde Entitäten. Das Leiden ist real.

  • Menschen, die die Botschaft des Buddhas nicht verstehen, machen „schlaue Aussagen“ über die Existenz, das Leiden und Nibbana.
  • Die Botschaft des Buddha war tiefgründig (weil sie bis dahin nicht bekannt war), aber einfach erklärt: Es gibt keinen Grund arrogant zu sein, weil wir als Menschen geboren sind (vielleicht mit viel Reichtum, Ansehen, Position …). Man braucht auch nicht deprimiert zu sein, wenn man in Armut lebt. Dieses Leben dauert nur einen kurzen Moment in der sansarischen Zeitskala. Wir sollten unverzüglich versuchen, diesen Leid erfüllten Kreislauf der Wiedergeburten zu beenden, denn niemand weiß, wann der Tod kommt und schon im nächsten Leben könnten wir in einer wirklich hilflosen Existenz sein.

11. Es gibt Gründe für das Entstehen von Sankata: das Wissen steckt im Udayavaya Nana; siehe Udayavaya Nana – Einführung.

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