Bhūta und Yathābhūta

4.10.2023

Yathābhūta – Die wahre Natur von Bhūta

1. Yathābhūta wird normalerweise als „wahre Natur“ übersetzt (kommt der wahren Bedeutung nahe, vermittelt aber nicht deren Essenz). Manche Menschen verstehen es so, dass bhūta für „Natur“ stehe; andere übersetzen bhūta mit „werden“. Beides ist falsch.

  • In yathābhūta ñāna steht yathā für „wahre Natur“ und ñāna bedeutet „Weisheit/Wissen“. Somit bedeutet es „Weisheit/Wissen über die wahre Natur dieser Welt, bestehend aus vier Arten von Bhūta: Pathavi, Apo, Tējo, Vāyo“.
  • Alles in dieser Welt (lebendig und leblos) besteht aus Bhūta. Diese haben einen geistigen Ursprung in Javana Citta. Zusammenfassend bedeutet es, dass wir in einer Welt leben, die aus unseren Gedanken gemacht ist, und dass wir immens leiden. Dieses Leiden verschwindet, wenn man es vollständig versteht.

2. Bhuta ist sowohl ein singhalesisches Wort als auch ein Pāli-Wort. Es bedeutet „Geist“,„nicht real“ oder „illusorisch“. Diese tiefere Bedeutung ist mit den vier elementaren Bhūta verbunden: Pathavi, Apo, Tējo, Vāyo. Aus diesem Grund wird eine Gandhabba auch als „Geist“ bezeichnet.

  • Man kann Maha Bhūta niemals einzeln sehen. Die kleinste Einheit der Materie ist ein Suddhāṭṭhaka, das aus den vier elementaren Bhūta UND Varna, Gandha, Rasa, Oja besteht. Somit bedeutet ein Suddhāṭṭhaka (suddha + aṭṭha, mit suddha = „rein“, aṭṭha = „8“) „reine Oktade“ oder „reine Einheit aus acht Komponenten“. Siehe Ursprung der Materie – Suddhāṭṭhaka.
  • Die vier elementaren Bhūta (Pathavi, Apo, Tējo, Vāyo) sind die primären Rūpa. Alle anderen, einschließlich Varna, Gandha, Rasa, Oja, leiten sich von ihnen ab und werden Upādaya Rūpa genannt. Diese entstehen aufgrund von Taṇhā für primäre Rupa.

Der Ursprung von Suddhāṭṭhaka (und damit der Welt) ist der Geist

3. Bhūta hat seinen Ursprung in Gati (Charakter/Gewohnheiten). Wenn man ein bestimmtes Gati kultiviert, führt dies zur Bildung von Bhūta (Suddhāṭṭhaka) durch entsprechende Abhisaṅkhāra in Javana Citta.

  • Um diese Schlüsselwörter zu verstehen, muss man etwas über Gati wissen. Die moderne Wissenschaft hat Schwierigkeiten, zwischen reiner Energie und greifbarer Materie zu unterscheiden. Siehe die Referenz unten. Diese Abgrenzung erfolgt auf der Suddhāṭṭhaka-Stufe.

Von Geistesenergie zur Materie

4. Ein Suddhāṭṭhaka ist viel kleiner als sogar ein Photon (Lichtteilchen), und der Buddha sagte, dass Mahā Bhūta die „kleinste Einheit der Materie“ sind. Deshalb nannte er sie Bhūta.

  • Man kann sie niemals sehen oder einzeln detektieren. Alle acht Arten von Bhūta entstehen in Javana Citta von Lebewesen entsprechend ihrem Gati.

5. Milliarden und Abermilliarden von Suddhāṭṭhaka werden kombiniert, um zur Mahā Bhūta-Stufe von Rūpa zu gelangen. Brahmā haben Körper aus Mahā Bhūta und können solch feine Rūpā sehen.

  • Große Aggregate von Mahā Bhūta bilden zusammen die dichtere Dhātu-Stufe von Rūpa. Die Körper der Devas befinden sich in einem leichteren Dhātu-Stadium. Menschenkörper sind dichter.
  • Forumsteilnehmer Dosakkhayo hat eine Abbildung zusammengestellt, welche die Entstehung von Suddhāṭṭhaka zeigt und wie ihre Verdichtung zu dichteren Objekten führt. Dafür viele Verdienste für ihn!

 

Unterschied zwischen „lebender Materie“ und „lebloser Materie“

6. Hier meine ich mit „lebender Materie“ die Körper fühlender Wesen. Mit „lebloser Materie“ meine ich „geistfreie Objekte“ wie Steine oder Luft. Beide Arten entstehen durch die vom Geist erzeugte kammische Energie in akusala mula Paṭicca Samuppāda (PS).

  • Bisher haben wir das Entstehen von Lebewesen bzw. Bhava/Jāti durch PS besprochen. Jedoch kann das Entstehen von allem in dieser Welt durch PS erklärt werden.
  • Alle für uns sichtbare Materie besteht aus dichten Dhātu. Felsen sind Dhātu  mit überwiegend Pathavi-Qualitäten (Härte/Festigkeit). Wasser hat größtenteils Apo-Qualität. Feuer enthält hauptsächlich Tējo und Wind hauptsächlich Vāyo. Daher die griechischen Namen: Erde, Wasser, Feuer und Wind.

Einige Suddhāṭṭhaka „erwachen zum  Leben“

7. Ein Suddhāṭṭhaka ist leblos. Es „erwacht zum Leben“, wenn es vom Geist mit Energie versorgt wird. Diese Energie besteht aus Rotation (paribramana) und Spin (bramana). Wenn diese eingebettete Energie aufgebraucht ist, stoppen Rotation und Spin. Das Suddhāṭṭhaka ist wieder leblos.

  • Hadaya Vatthu für eine neue Existenz entsteht als Kammaja Rūpa im Cuti-Paṭisandhi. Während des Bhava behält die Hadaya Vatthu Spin und Rotation bei.
  • Erschöpft sich die kammische Energie, stoppt die Bewegung und das Bhava endet. Zu diesem Zeitpunkt wird durch kammische Energie eine neue Hadaya Vatthu für das nächste Bhava gebildet. Somit wird NICHTS von „hier nach dort“ übertragen. Kammische Energie erschafft eine neue Existenz im passenden Reich.

8. Hadaya Vatthu wird auch Vatthu Dasaka genannt, wobei Dasaka für „10 Einheiten“ steht. Das liegt daran, dass ein Vatthu Dasaka zusätzlich zu den 8 Teilen im leblosen Suddhāṭṭhaka zwei weitere Energiemodi hat (Spin und Rotation). Darauf bezieht sich auch die Bezeichnung Nama Dasaka (bestehend aus zehn Einheiten). Ein Navaka hat nur Spin und besteht aus 9 Einheiten.

  • Zusätzlicher Spin und Rotation verleihen einem leblosen Suddhāṭṭhaka den „Lebensaft“. Die Energie stammt von Javana Citta. Ja nach Energiegehalt des Kamma Bīja wird das Bhava länger aufrechterhalten.
  • Das Gleiche gilt für die fünf Pasāda Rūpa (Cakkhu, Sōta, Ghana, Jivha, Kāya), die auch im Cuti-Paṭisandhi gebildet werden. Es gibt zwei Bhava Rūpa (Bhava Dasaka) und Jivitindriya Rūpa (ein Navaka; mit Spin bzw. Bramana).
  • Das Wort kammaja kommt kamma + ja, wobei ja für „Geburt“ steht. Kammische Energie erschafft diese 9 Kammaja Rūpa.

Der physische Körper ist ohne Gandhabba leblos

9. Jetzt wird klar, dass der schwere physische Körper an sich leblos ist. Das eigentliche „Leben“ findet sich in der Gandhabba mit Hadaya Vatthu und den fünf Pasāda Rūpa.

  • Beim Tod des physischen Körpers verlässt die Gandhabba den Körper, der dann leblos zerfällt.
  • Im Falle einer außerkörperlichen Erfahrung (OBE) ist die Gandhabba, auch wenn sie den physischen Körper verlässt, immer noch mit diesem verbunden.

10. Daher befindet sich die Lebensenergie aller Lebensformen in den 31 Reichen im ultrafeinen Manomaya Kāya („vom Geist geschaffener Körper“).

  • In Kāmaloka hat der Manomaya Kāya eine Hadaya Vatthu (Vatthu Dasaka,) Bhāva Dasaka und fünf Pasāda Rūpa (jeweils ein Dasaka).
  • In Rupāvacara-Brahmaloka gibt es neben Hadaya Vatthu, Kāya Dasaka und Bhāva Dasaka nur Cakkhu und Sōta Pasāda Rūpa, d.h. fünf Einheiten in Suddhāṭṭhaka-Größe. Im Asañña-Reich gibt es Hadaya Vatthu, aber sie wird durch den „physischen Körper“ abgeschirmt, der kein Mana Indriya hat. Daher können die Wesen dort auch nicht mit Dhammā (bzw. Viññāṇa Dhātu) interagieren und es entstehen keine Cittā.
  • Im Arupāvacara-Brahmaloka gibt es nur Hadaya Vatthu.
  • Bezüglich Yathābhūta Ñāna ist wichtig: Alle Lebensformen sind wie Bhūta (Geister). Im Wesentlichen wird das Leben von einem ultrafeinen Geistkörper aufrechterhalten, der unsichtbar ist und eine vorübergehende Existenz hat. Jedes Leben in jedem Reich ist im samsārischen Maßstab von kurzer Dauer, wie ein Wassertropfen im Ozean.

Yathābhūta Ñāna – Ultimative Wahrheit über die Welt

11. Wenn jemand versteht, was oben über die wahre Natur der Materie gesagt wurde, spricht man von Yathābhūta Ñāna. Das ist das „Wissen über die wahre geisterhafte Natur der Materie, aus denen die Welt besteht“.

  • Allerdings ist das bloße Lesen nur der Anfang. Dieses Wissen wächst, wenn man die feineren Details versteht.

12. Deshalb sagte der Buddha den Dhammapada-Vers: „manō pubbangamā dhammā, manō settā manōmayā“ bzw. „Alles in dieser Welt hat seinen Ursprung im Geist. Der Geist geht allem voraus.“

13. Yathābhūta Ñāna hilft auch dabei, ghana saññā über den physischen Körper loszuwerden. Menschen schätzen ihren Körper sehr, weil sie glauben, dass im physischen Körper ein „Selbst“ wohnt.

  • Diejenigen mit Uccēda Diṭṭhi glauben, dass der physische Körper (und sein Gehirn) alles ist, was den Menschen definiert.
  • Diejenigen mit Sāssata Diṭṭhi glauben, dass es einen mentalen Körper gibt, der ewig lebt.

Yathābhūta Ñāna hilft, Sakkāya Diṭṭhi loszuwerden

14. Buddha entdeckte, dass beide Sichtweisen falsch sind. Es gibt einen Mentalkörper, aber er verändert sich drastisch von Bhava zu Bhava.

Ananubhūtam – Unfähigkeit, die wahre Natur der Dinge in der Welt zu erkennen

15. Jetzt sehen wir, dass die Vorläufer aller Materie (bhūta) vom Geist geschaffen sind und eine vergängliche Existenz haben. Sie sind Bhūta bzw. „Geister“. Und da alles andere aus ihnen besteht, sind die für uns „festen, greifbaren Dinge“ in Wirklichkeit auch „geisterhaft“.

  • Mit diesem Wissen betrachtet man die Welt mit der korrekten Sichtweise, die anu bhūtam genannt wird.
  • Wenn man sich dieser wahren Natur nicht bewusst ist, nennt man es na anu bhūtam, was sich auf ananubhūtam reimt. Das Wort kommt in mehreren Lehrreden vor, einschließlich der oben in Nr. 12 erwähnten.

16. Ein gutes Beispiel ist die berühmte Brahmanimantanika Sutta (MN 49): „Viññāṇaṃ  anidassanaṃ anantaṃ sabbato pabhaṃ, taṃ pathaviyā pathavattena ananubhūtaṃ,  āpassa āpattena ananubhūtaṃ,  tejassa tejattena ananubhūtaṃ,  vāyassavāyattena ananubhūtaṃ,  bhūtānaṃ bhūtattena ananubhūtaṃ, devānaṃ devattena ananubhūtaṃ, pajāpatissa pajāpatittena ananubhūtaṃ, brahmānaṃ brahmattena ananubhūtaṃ, ābhassarānaṃ ābhassarattena ananubhūtaṃ, subhakiṇhānaṃ subhakiṇhānaṃ subha­kiṇ­hattena ananubhūtaṃ, vehapphalānaṃ vehap­phalat­tena ananubhūtaṃ, abhibhussa abhibhuttena ananubhūtaṃsabbassa sabbattena ananubhūtaṃ…“

Übersetzt: „Viññāna ist unsichtbar, unendlich und führt zum Wiedergeburtsprozess für alle. Mit Viññāna kann man die wahre Natur von Pathavi, Apo, Tējo, Vāyo, Bhūta, Deva, Pajapti Brahma, Abhassara Brahma, Subhakinha Brahma, Vehapphala Brahma usw. und allem in dieser Welt (sabba) nicht verstehen.“

  • Viññāna ist da, bis man die Arahantschaft erreicht. Bis dahin kann man die wahre „geisterhafte“ Natur von allem in dieser Welt nicht vollständig verstehen, d.h. Yathābhūta ñāna ist nicht vollständig.

17. Eine weitere wichtige Sutta ist Saḷāya­tana­ Vibhaṅ­ga Sutta (MN 137): „Rūpānaṃ tveva aniccataṃ viditvā vipari­ṇāma­virāga­nirodham, ‘pubbe ceva rūpā etarahi ca sabbe te rūpā aniccā dukkhā vipari­ṇāma­dhammā’ti evametaṃ yathābhūtaṃ sammappaññāya passato uppajjāti somanassaṃ“.

  • Frei übersetzt: „Jedes Rūpa, das existiert hat oder jetzt existiert, hat eine geisterhafte, vergängliche Natur. Deshalb verändert sich Rūpa unerwartet (viparināma) und hat die anicca-Natur. Das Verstehen dieser wahren Natur bereitet dem Geist Freude (somanassa).“

Referenz (wissenschaftliche Theorien zur Materie)

A. Wissenschaftler haben die illusorische Natur der Materie im kleinen Maßstab bestätigt. Anfangs dachten sie, das Atom sei die kleinstmögliche Unterteilung der Materie, bis J.J. Thomson das Elektron entdeckte. Ein Atom besteht aus Protonen, Neutronen und Elektronen. Später stellte sich heraus, dass auch Protonen und Neutronen eine Struktur haben. Ihre Untereinheiten (Quarks etc.) können jedoch nicht einzeln nachgewiesen werden.

  • Mit dem Aufkommen der Quantenmechanik ist die Unterscheidung zwischen Materie und Energie verwischt. Die Masse eines Teilchens hängt von seiner Geschwindigkeit ab. Photonen oder „Lichtteilchen“ haben im Ruhezustand eine Masse von Null, also eine Ruhemasse von Null. Typischerweise wird die Masse eines Elementarteilchens in Energieeinheiten angegeben.
  • All dies steht im Einklang mit der schwer fassbaren Bhuta-Natur der Rupa laut Buddha Dhamma.

B. Darüber hinaus ist es unmöglich, die genaue Position eines Elementarteilchens zu bestimmen (Heisenbergsche Unschärferelation). Beispielsweise kann man nur sagen, dass sich ein Elektron innerhalb eines bestimmten Raumbereichs befinden kann. Schon ein Elektron ist also wie ein Geist. Wissenschaftler können seinen Standort zu keinem Zeitpunkt genau bestimmen.

  • Bei einem Photon ist die Situation noch schwieriger. Wenn ein Photon freigesetzt wird, kann man es später nur noch finden, indem man es an einem Detektor stoppt. Es ist unmöglich, den genauen Weg des Photons von der Quelle zum Sensor anzugeben. Das Gleiche gilt für ein Elektron, auch wenn es eine Ruhemasse ungleich Null hat.
  • Manche bezeichnen die obigen Beobachtungen als „Quantenverrücktheit“. Subatomare Partikel sind so schwer zu fassen wie Geister!

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