Ursprung der Materie – Suddhāṭṭhaka

Revison 30.8.2024

1. Suddhāṭṭhaka wird in vielen Thēravada-Texten nicht einmal erwähnt. Es wird besprochen im Buch Comprehensive  Manual of Abhidhamma von Bhikkhu Bodhi (2000); siehe S. 246, 253-254, aber es enthält nicht die tiefere Erklärung, die in diesem Artikel gegeben wird. Waharaka Thero hat dies in seinem Diskurs erklärt, der unten zitiert wird. Diese Erklärung findet sich in dieser Form nirgendwo sonst, auch nicht im Tipiṭaka. Sie ist natürlich völlig im Einklang mit dem Tipiṭaka. Es ist möglich, „Verbindungen herzustellen“ und solche Fragen zu klären, wenn es mit dem Tipiṭaka vereinbar ist.

  • Bitte lesen Sie den Text nicht, wenn Sie noch nicht über die grundlegenden Konzepte wie san, gati, āsava, paṭicca samuppāda, etc. nachgedacht haben. Es mag nicht viel Sinn ergeben und könnte daher Leute davon abhalten, weiterzumachen.
  • Andererseits kann es denjenigen, die diese Konzepte verstehen, helfen, mehr Einsicht zu gewinnen.
  • Je mehr über dieses Thema zu lesen sein wird, desto klarer wird das Bild. Der Wert des Buddha Dhamma wird auch klarer werden, was der beste Weg ist, saddhā zu kultivieren (Glaube, der auf Verstehen basiert).

Ursprung der Materie – Wissenschaftliche Theorie 

2. Wenn wir annehmen, dass die ganze Materie in dieser Welt auf irgendeine Weise erzeugt wurde, was war die Ursache?

  • Wissenschaftler haben aktuell keine klare Erklärung zu diesem Thema (Stand November 2015). Sie können die Entwicklung des Universums ab einem Sekundenbruchteil nach dem Urknall berechnen, aber die Physik weiß nicht, was vor dem Urknall geschah.
  • Die „Big Bang Theorie“ bestätigte sich bisher auch nicht in vollem Umfang, obwohl die meisten Wissenschaftler daran glauben. Einige Wissenschaftler glauben jedoch nicht, dass beim Urknall plötzlich alles „auftauchte“. Siehe z.B. „Endless Universe – Beyond the Big Bang“ von P.J. Steinhardt und N. Turok (2007).
  • Übrigens hat der englische Astronom Fred Hoyle den Begriff „Big Bang“ geprägt, um das Konzept ins Lächerliche zu ziehen. Siehe Fred Hoyle – Rejection of the Big Bang.

Buddha Dhamma – Das Universum entwickelt sich

3. Der Buddha hat den Menschen davon abgeraten, das Universum im Detail zu erforschen. Er hat jedoch gelehrt, dass im Universum unzählige „Planetensysteme“ wie unseres existieren. In diesem Modell haben Lebewesen irgendwo in den 31 Reichen ihre jeweilige Existenz. Dies wurde in einigen Suttā ausführlich diskutiert, insbesondere in der Aggañña Sutta (DN 27). Siehe Buddhismus und Evolution – Aggañña Sutta (DN 27).

(i). Das Universum hat keinen nachvollziehbaren Anfang, genau wie das Leben.
(ii). Das Universum besteht aus Haufen oder Gruppen von Sternen. Unser Sonnensystem ist eines von 10.000 „Sternensystemen“ (cakkavāla oder Planetensysteme). Es gibt eine unendliche Anzahl von solchen Cakkavāla im Universum.
(iii). Wenn ein Stern in der Nähe unserer Sonne in ein paar Milliarden Jahren explodiert, wird diese Explosion 10.000 weitere Sternensysteme in der Nachbarschaft zerstören. In der modernen Wissenschaft wird eine solche „Sternexplosion“ Supernova genannt.
(iv). Ein solcher Haufen von 10.000 Weltsystemen explodiert von Zeit zu Zeit im Universum. Auch hier beobachten Wissenschaftler jedes Jahr solche Supernovae.
(v). Die Wissenschaft weiß noch nicht, dass sich diese zerstörten Sternensysteme über Milliarden von Jahren neu bilden.

4. Welches Modell auch immer die Wissenschaft schließlich klären wird, es wird mit dem Buddha Dhamma übereinstimmen.

  • Das Universum begann nicht mit einem „Urknall“, wie viele Wissenschaftler heute glauben. Erinnern wir uns daran, dass die Wissenschaftler noch vor etwa 100 Jahren glaubten, das Universum befinde sich in einem stabilen Zustand. Wissenschaftliche Theorien ändern sich, um „zu den verfügbaren Daten zu passen“.
  • Noch vor 400 Jahren glaubte die „Wissenschaft“ an das geozentrische Modell des Universums. Die Erde befand sich im Zentrum des Universums und die Sterne waren in eine Himmelssphäre eingebettet, die sie weit oben umgab (geozentrisches Weltbild).
  • Aber das Buddha Dhamma hat sich nicht verändert, seit Buddha Gotama dies vor 2500 Jahren lehrte.

Suddhāṭṭhaka – die kleinste Einheit der Materie

5. Hier besprechen wir nun den Ursprung der kleinsten Einheit der Materie, genannt Suddhāṭṭhaka

  • Diese Einheit der Materie ist Milliarden mal kleiner als ein Atom in der modernen Wissenschaft. Vor einiger Zeit noch nahm die Wissenschaft an, dass ein Atom die kleinste Einheit der Materie sei. Dann zeigte sich, dass auch Atome aus noch kleineren Einheiten bestehen, nämlich aus Elementarteilchen. Sogar viele dieser „Elementarteilchen“ sind auch strukturiert, d.h. noch weiter zerlegbar. Derzeit ist kein Ende in Sicht. Die Wissenschaft tut sich nur zunehmend schwerer, zwischen „Materie“ und „Energie“ zu unterscheiden. Zum Beispiel ist ein Higgs-Boson nur ein Energie-Paket.
  • Materie und Energie stehen natürlich durch die berühmte Gleichung von Einstein in Beziehung, E (Energie) = m (Masse) x c2, wobei c die Lichtgeschwindigkeit ist. Somit unterscheidet sich jede kleine Materieeinheit kaum von einem Energiepaket. Das Licht kommt auch in „Paketen“ daher, genannt Photonen. Photonen sind also Materie in diesem Sinne. Alles in dieser Welt kann auf einer Grundstufe als „Materie“ oder „Energie“ definiert werden. Nur die Unterscheidung zwischen „Materie“ und „Energie“ ist auf dieser fundamentalen Ebene verschwommen.

6. Der Buddha machte jedoch eine klare Trennung zwischen Materie (rupa) und kammischer Energie, die „Dinge trägt“ (dhammā). Dhammā (oder kamma bija/kamma bhava) entstehen via Paṭicca Samuppāda. Siehe Was sind Dhammā?

Ein Suddhāṭṭhaka ist ein Energiepaket und die Grundeinheit, aus der sämtliche Materie besteht. Es ist viel kleiner als die Energie eines Photons. Eine gigantische Zahl von Suddhāṭṭhaka würde die Energie eines Photons ergeben.

  • Ein Suddhāṭṭhaka ist ein Sankata und wird durch den Geist geschaffen. Dies wird für viele überraschend sein und aus diesem Grunde sagte der Buddha: „manō pubbangamā dhammā…“, d.h. „der Geist geht allem voraus…“.
  • Fast alle Materie um uns herum wurde durch diesen „Geist-Prozess“ vor sehr langer Zeit erschaffen. Das ist Inhalt der Agganna Sutta (DN 27). Auch heute erzeugen wir Suddhāṭṭhaka via Javana Citta, aber in sehr geringen Mengen.
  • Jeder mit höheren Abhiññā-Kräften sollte in der Lage sein, erhebliche Mengen an Materie zu erschaffen, z.B. eine Blume oder größere Einheiten. Materie auf Ebene der Suddhāṭṭhaka wird mit Javana Citta geschaffen und mit Abhiññā-Kräften kann man Citta Vithi mit Javana Citta kontinuierlich fließend generieren, was wiederum „erhebliche Mengen an Materie“ erzeugen kann.

7. Suddhāṭṭhaka (suddha = „rein“ oder „fundamental“‚ aṭṭha = „acht“) bedeutet eine „Anordnung aus acht grundlegenden Einheiten“, eine „reine Oktade“.

  • Vier der acht Einheiten sind auf der  Bhūta-Ebene von Patavi, Apo, Thejo, Vayo. Dies sind wirklich die grundlegendsten Einheiten der Materie, aber sie können nicht einzeln detektiert werden. Es wird zu diesem Zeitpunkt für Viele schwer zu glauben sein, aber diese 4 Einheiten entstehen aus Gati. Siehe Das Gesetz der Anziehung, Charakter (Gati) und Verlangen (Asava). Nibbana wird durch Entfernen von Asava und Gati erreicht, siehe Der Weg zu Nibbāna – Entfernen von Asavas. Daher muss man ein Verständnis für diese Konzepte haben, um die Informationen hier zu erfassen.
  • Diese vier Bhūta werden zuerst vom Geist mit vier grundlegenden Gati des Menschen erschaffen: Thada Gathiya (in Sinhala) bedeutet „Grobheit“ und entspricht Patavi; Bandena Gathiya bedeutet „zusammen halten“ (was zum Fliessen führt) und entspricht Apo; Théjas Gathiya bedeutet „feurig“ oder „energetisch“ und entspricht Tejo; Salena Gathiya“ bedeutet „Bewegung“ und entspricht Vayo. Alle vier werden mit Javana Citta geschaffen.

8. Es gibt eine tiefere Erklärung: Nach den obigen Erklärungen können āpo, pathavi, tejo auf lobha, dosa, moha zurückgeführt werden. Das Schwanken in vāyo stellt Ungewissheit dar – es repräsentiert weltliches alobha, adosa, amoha. Weltliches amoha enthält noch Unwissenheit über die vier edlen Wahrheiten.

  • Wir können also sagen, dass vāyo das „bessere Element“ im Vergleich zu āpo, pathavi, tejo ist. Die drei Letztgenannten können der Kāmaloka“ zugeschrieben werden, und vāyo kann als das Überschreiten von Kāmaloka verstanden werden. Jhānā repräsentieren die geistigen Zustände in Brahmaloka, die über Kāmaloka liegen.
  • So können wir eine Verbindung zu anariya Yogis herstellen, die durch Atemmediation in anariya Jhānā gelangen (durch vorübergehende Überwindung von lobha, dosa, moha, d.h. ohne anusaya zu entfernen).

9. Diese grundlegenden vier Gati entstehen im Geist aufgrund von Avijja. Wir möchten in den Besitz von Dingen kommen, die aus diesen Einheiten gemacht sind, weil wir die „unfruchtbare Natur“ solch vergänglicher Dinge nicht begreifen.

  • Das Verlangen nach diesen materiellen Dingen führt zu vier weiteren Gati aufgrund von Tanha: Aufgrund unserer Tendenz diese Rupa als werthaltig anzusehen (varnanā karanava in Singhalesisch), entsteht ein weiteres Gati, genannt Vanna, als zusätzliche Manifestation der Bhūta pathavi, āpo, tejo, vāyo. In ähnlicher Weise entstehen drei weitere Einheiten, genannt Gandha, Rasa, Oja aufgrund von Tanha entsprechend dem Wunsch, mit diesen in Kontakt zu sein (gandha), sie nah bei sich zu halten (rassa) und sie erneut zu generieren (oja).
  • Es braucht Zeit, diese Details zu erklären, aber ich hoffe, dass die Grundidee rüberkommt. Siehe Bhūta und Yathābhūta.

Suddhāṭṭhaka – Die acht Komponenten entstehen nicht einzeln

10. Vier Basiseinheiten entstehen aufgund von Avijja: Patavi, Apo, Thejo, Vayo. Die anderen vier Basiseinheiten entstehen aufgrund von Tanha: Vanna, Gandha, Rasa, Oja. 

  • Diese acht Basiseinheiten sind nicht isoliert nachzuweisen. Daher werden sie auch avinibbhōga rupa genannt. Sie entstehen immer gemeinsam und bilden zusammen ein Suddhāṭṭhaka Die relativen „Mengen“ jeder Komponente können variieren und somit ein einzelnes Suddhāṭṭhaka dominieren. Aber selbst dann sind alle acht Einheiten in gewissem Maße vorhanden. Dies ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass überall dort, wo Avijja ist, auch Tanha anzutreffen ist. Das gilt auch umgekehrt.
  • Diese sehr grundlegende Stufe wird als Bhūta-Phase bezeichnet. Bhūta bedeutet „Geist“ und das deutet auf die schwer fassbare Natur der Einheiten hin. Sie können nie einzeln detektiert und nur von einem Buddha „gesehen“ werden. Der Buddha erklärte dies Mahā Brahma, der dachte, dass er schon alles über die Welt weiß: Brahmanimantanika Sutta (Majjhima Nikaya 49).
  • Ein Suddhāṭṭhaka kann nicht zerteilt werden, d.h. es ist avinibbhōga rupa kalāpa.
  • Ein Diskurs zum Thema von Waharaka Thero (sinhala): “සුද්ධාෂ්ඨක-කර්ම ශක්තිය සහ භව ශක්තිය”

Kritische Rolle von Gati

11. Somit führt Gati zu Bhūta, der ersten Stufe von Rupa, was nur ein Buddha sehen kann. Das ist die Suddhāṭṭhaka Stufe, wo mentale Energie zu Materie umgewandelt wird.

  • Es mag für viele Leser schwer zu glauben sein, aber diese entstehen durch unsere Gati.

Stufen der Materie – Bhūta, Mahā Bhūta, Dhātu

12. Wenn eine enorme Zahl dieser Suddhāṭṭhaka zusammenkommen, ensteht ein mehr kondensierter Zustand, genannt mahā bhūta. Die feinen Körper von Brahmas und einige Gandhabbas bestehen daraus. Rupa mit dieser höheren Dichte können von Brahmas gesehen werden. Dieses Niveau der „Verfestigung“ kann mit dem energetischen Niveau von elektromagnetischer Strahlung mit Bereich langer Wellenlängen verglichen werden. Das können wir als Mensch mit den Augen nicht sehen.

  • Nur wenn große Mengen dieser Mahā Bhūta zusammenkommen und sich verdichten, können wir sie sehen. Dieser hochverdichtete Zustand der Materie wird dhātu genannt. Körper von Devas bestehen aus sehr feinen Dhātu. Daher können wir Devas nicht sehen, aber Brahmas können sie sehen.
  • Unsere Körper bestehen aus dichteren Dhātu, die wir natürlich sehen. Das nennt man daher auch pathavi dhātu.  Suddhāṭṭhaka in solch groben Objekten werden von Patavi dominiert. In Flüssigkeiten sind die Dinge miteinander verbunden und fließen zusammen, weil apo dhātu überwiegt. Nicht nur Feuer, sondern auch Objekte, die ein „energetisches Aussehen“ haben, enthalten überwiegend Tejo. Nicht nur der Wind, sondern auch Dinge, die sich leicht bewegen, enthalten mehr Vayo.

Implikationen

13. Es wird wohl klar, dass Patavi, Apo, Tejo, Vayo viel tiefere Bedeutung haben als nur Erde, Wasser, Feuer, Wind. Warum haben aber die alten Griechen die gleichen Begriffe verwendet? Der Grund ist der gleiche, weshalb auch die Hindu-Religion Begriffe wie Karma (Sanskrit für Kamma) oder Nirvana (Sanskrit für Nibbana) oder Anapana usw. verwendet.

  • In diesem Mahā Kappa gab es bereits drei Buddhas vor Buddha Gotama (d.h. während des Bestehens des aktuellen Sonnensystems). So wurden diese Begriffe schon vor Buddha Gotama benutzt. Die Konzepte der früheren Buddhas wurden durch die aufeinanderfolgenden Generationen übertragen, aber die wahre Bedeutung ging verloren.
  • Die Geschichte der Menschheit ist viel länger als Zehntausende von Jahren, wie heute oft geglaubt. Ganze Kontinente können untergehen und Völker auslöschen. Das wird nicht ernsthaft in Betracht gezogen, aber es gibt Hinweise: https://en.wikipedia.org/wiki/Submerged_continent. Es wird sich zeigen, dass sich eine Region seit Entstehung der Erde definitiv nicht geändert hat und das sind die Gebiete von Sri Lanka, Indien und China. Archäologen sollten in dieser Region mehr Forschung betreiben anstatt in Afrika, wo die Wiege der Menscheit vermutet wird. Siehe Ancient teeth found in China.
  • Die wahre Bedeutung der Begriffe des Tipitaka ging zumindest ein paar Mal auch während dieses Buddha Sasana innerhalb der letzten 2500 Jahre verloren. Beispiele sind die Fehlinterpretation von San, SansaraAnicca und Anatta während der letzten hundert Jahre. Siehe Was ist ‚San‘? und Anicca, Dukkha, Anatta – Falsche Deutungen.

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