Revision 27.8.2024
Die Texte in diesem Abschnitt beschreiben einen Weg der Meditation, um dem edlen Pfad zu folgen und die Sotapanna-Stufe von Nibbāna zu erreichen. Der Rest befasst sich mit möglichen Meditationsthemen und kann zusammen mit anderen Texten auf der Seite verwendet werden, um ungelöste Fragen zu klären und Samadhi zu erlangen. Es wird empfohlen, die ersten 11 Texte zumindest in dieser Reihenfolge zu lesen.
1. Wir können eine Vorstellung davon bekommen, was „buddhistische Meditation“ ist, indem wir uns den Weg ansehen, der vom Buddha beschrieben wurde, um verschiedene Stufen von Nibbāna zu erreichen. Nibbāna ist kein esoterisches Konzept, wie viele glauben. Deshalb mag ich die Synonyme „niveema“ oder „Abkühlung“, denn diese Begriffe vermitteln Nibbāna als etwas, was systematisch angegangen wird und bereits in der frühen Phase noch vor der Sotapanna-Stufe ERFAHREN werden kann.
2. „Rāgakkhayō Nibbānan, Dōsakkhayō Nibbānan, Mōhakkhayō Nibbānan.„ benennt den Kern, wie diese „Abkühlung“ erreicht wird.
- Je mehr man Gier, Hass und Unwissen beseitigt, desto mehr erlebt man Nibbāna oder „Niveema“.
- Man kann und wird nicht in wenigen Tagen Gier, Hass und Ignoranz loswerden. Es ist ein allmählicher Prozess. Man kann das „Abkühlen“ im Gleichschritt mit der Reinigung des Geistes erfahren. Und es wird Höhen und Tiefen geben, vor allem in den frühen Tagen. MAN MUSS DIE ENTSCHLOSSENHEIT haben, auf dem Pfad zu bleiben.
- Manche Menschen bleiben nur bei der Atemmeditation zur „Stressreduzierung“ und vermeiden eigentlich alles, was mit Nibbana zu tun hat. Sie setzen Nibbāna mit „Aussterben“ gleich, aber es gibt keinen Grund zur Sorge: diese Denkweise bedeutet nur, dass man nicht mal in der Nähe von Nibbana ist. Ich sage das nicht abwertend, sondern nur als Tatsache. Bis man ein „Abkühlen“ erlebt und eine Idee von anicca, dukkha, anatta hat, ist es sehr schwierig eine Ahnung davon zu bekommen, was Nibbāna ist.
3. Meditation bietet Möglichkeiten diese „Abkühlung“ zu erreichen:
- Viele Menschen wollen einfach eine grundlegende Meditation praktizieren, die der Buddha für die Erlangung eines „inneren Friedens“ befürwortete.
- Manche sind von dem Wiedergeburtsprozess überzeugt, sind aber hauptsächlich besorgt um eine „gute Geburt“ im nächsten Leben.
- Das Hauptziel dieser Seite ist es, genügend Material zur Verfügung zu stellen, um die erste Stufe von Nibbāna zu erreichen (Sotapanna). Danach braucht man keine Hilfe von außen, um den Rest der Reise abzuschließen. Es gibt jedoch viele Menschen, die entweder noch nicht bereit sind, diese Aufgabe zu übernehmen oder noch nicht von der Existenz der 31 Reiche, dem Wiedergeburtsprozess oder von Nibbāna überzeugt sind.
Nibbāna ist Abkühlung des Geistes
4. In mehreren Texten auf dieser Webseite wird versucht eine Vorstellung davon zu geben, was diese „Abkühlung“ ist. Sie variieren von einer grundlegenden Beschreibung bis hin zu tieferen Details. Doch sie alle beschäftigen sich damit, Gier, Hass und Ignoranz aus unserem Geist zu reduzieren und schließlich zu entfernen.
- Die Worte Gier und Hass sind klar, aber viele verstehen nicht, was mit Ignoranz gemeint ist. Der Text Was ist Avijja (Ignoranz)? gibt eine tiefere Beschreibung.
- Die „traditionelle Methode“, um ein „Abkühlen“ oder „ruhigen Geist“ zu erreichen, ist Atemmeditation oder Kasina-Meditation. Wie kann man Gier, Hass oder Unwissenheit durch Konzentration auf den Atem oder ein Kasina-Objekt entfernen? Solche Meditationstechniken entfernen NICHT Unwissenheit, und UNTERDRÜCKEN nur Gier und Hass.
5. Wir müssen allmählich beginnen, Gier und Hass aus unserem Geist zu entfernen; d.h. Sila bzw. moralisches Leben kultivieren. Dann wird der Geist klar, man fängt an Niramisa Sukha zu fühlen und es wird leichter, Dhamma-Konzepte zu verstehen und Avijja loszuwerden.
- Buddha Dhamma ist für die Weisen; es ist nicht durch blinden Glauben, sondern durch Verstehen zu erfassen. Man muss zuerst Dhamma lernen und „sehen“. Ein anhaltendes „Abkühlen“ kann nicht erreicht werden, wenn man einem festgelegten Verfahren wie dem Beobachten des Atems folgt.
- Tatsächlich könnte man einen langen Weg gehen (bis zur Sotapanna-Stufe), indem man einfach Dhamma lernt und die Schlüsselbegriffe versteht. Wenn man die Schlüsselbegriffe erfasst, dämmert es einem, dass es keinen Sinn macht gierig zu sein oder jemandem mit Hass zu begegnen, was das Herz dazu bringt, sich auf ein unangenehmes Niveau „aufzuheizen“.
- Somit wird man durch ein besseres Verständnis des Dhamma automatisch „abgekühlt“. Unwissen durch das Erlernen von Dhamma zu entfernen, führt automatisch zur Reduzierung von Gier und Hass.
Die korrekte Sichtweise ist entscheidend
6. Deshalb kommt Samma Ditthi oder „korrekte Sicht“ im edlen achtfachen Pfad an erster Stelle. Eigentlich bedeutet sammā san+mā bzw. „frei von Verunreinigungen“. Der Kürze wegen werden wir das Wort „richtig“ verwenden. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist Dhamma zu lernen. Dies ist der erste große Schritt. Wie kann man dem Pfad des Buddha folgen, ohne die Botschaft zu verstehen?
- Wenn man anfängt die wichtigsten Dhamma-Konzepte zu verstehen, neigt man dazu, über solche Konzepte ständig nachzudenken und diese bei der täglichen Arbeit im Auge zu behalten. Dies ist sammā saṅkappa oder „richtige Konzepte/Denkweise“. Dies führt automatisch zu sammā vācā (richtige Rede), sammā kammaṃta (richtige Taten), sammā ājiva (richtiger Lebensunterhalt).
- Wenn diese fünf Schritte befolgt werden, stellt sich die richtige Achtsamkeit ein (sammā sati). Es gibt auch eine „falsche Achtsamkeit“ (micchā sati), z.B. wenn ein Meisterdieb einen Raub plant. Man muss „engagiert“ oder voll konzentriert sein, um irgendeine Aufgabe entweder gut oder schlecht zu erfüllen.
7. Mit kultiviertem sammā Sati wird man in der Lage sein, die Konsequenzen einer Tat sehr schnell zu „sehen“ und zu entscheiden, ob man weitermachen kann (wenn nur Gutes aus dieser Handlung herauskommt) oder es aufgibt (weil es nicht gut für sich selbst oder für andere ist).
- Wenn man die Vorteile dieser Schritte sieht, wird man motiviert sein, bei all diesen Schritten härter zu arbeiten, d.h. man kultiviert sammā vāyāma (richtige Anstrengung).
- Der Höhepunkt ist sammā samādhi (der richtige ruhige Geisteszustand). Es gibt auch micchā samādhi: Wenn der Meisterdieb einen Raub plant, kommt er auch in eine Art samādhi. Er fühlt sich auch ruhig, aber das wird sehr schlechte Konsequenzen haben.
- Tatsächlich entwickeln sich letztere Drei gleichzeitig. Man kommt zu sammā samādhi nur mit sammā diṭṭhi. Wenn man einem Dhamma-Gespräch aufmerksam zuhört oder beim Lesen über ein Dhamma-Konzept absorbiert wird, ist es möglich, dass man zu samādhi gelangt. Ein Jhāna ist ein tieferer Samadhi-Zustand.
Nur über die Konzepte lesen ist nicht genug
8. Deshalb empfehle ich jedem, diese Texte während einer ruhigen Zeit zu lesen. Man wird mehr aufnehmen, und indem man einfach beim Lesen nachdenkt, kann man leicht zu Samādhi gelangen. Darum geht es bei Meditation. „Das Gute aufsaugen“ wird automatisch „das Schlechte“ rausdrängen, und man kommt automatisch zu Samādhi. Wir werden in den folgenden Texten über diesen Ānāpāna-Prozess sprechen.
- Das geht soweit, dass man sich hinsetzt und innerhalb von ein bis zwei Minuten in ein Jhāna einsteigen kann. Aber das wird Zeit brauchen.
9. In diesem Leben fühlen wir zwei Arten von Leiden: körperliche Schmerzen inklusive verschiedener Krankheiten und seelisches Leiden (Enttäuschungen bis hin zu Depressionen).
- Körperliche Beschwerden brauchen Zeit zum Auskurieren. Diese können auch durch sorgfältige Planung und Achtsamkeit reduziert werden. Wenn man sich körperlich betätigt (das reicht vom Spazierengehen bis zur anstrengenden Übung) und sich bewusst gesund isst, können viele solcher Beschwerden im Laufe der Zeit reduziert werden.
- Geistiges Leiden könnte direkte Ursachen in Gier, Hass und Ignoranz haben. Während manche auf vergangenes Kamma zurückzuführen sind, können die meisten vermieden oder reduziert werden, indem man sich dessen bewusst ist, was man denkt, spricht und tut. Jeder Gedanke, jede Rede oder körperliche Handlung, die sich aus einem gierigen, hasserfüllten oder unwissenden Gedanken ergibt, wird früher oder später geistige Qualen verursachen.
- Der einfachste Weg um festzustellen, ob eine Handlung schlecht ist, besteht darin, über die Konsequenzen nachzudenken: Wenn man sich selbst oder einem anderen Wesen schaden wird, dann ist diese Handlung in Gier, Hass oder Ignoranz verwurzelt.
Buddhistische Meditation ist der edle Pfad
10. So ist buddhistische Meditation im Grunde die Kultivierung des edlen achtfachen Pfades.
- Durch das Verhindern von Töten, Stehlen, verbalen Fehltritten etc. löschen wir letztlich „Feuer in unserem Geist“ und verhindern „zukünftige Feuer“. Das ist Abkühlung oder Nibbana.
- Wir sollten auch Dinge tun, die zu moralischem Verhalten verhelfen: sich mit Gleichgesinnten und Umgebungen assoziieren, sich aktiv mit entgegengesetztem moralischen Verhalten beschäftigen, welches das Herz freudig macht usw.
- Das Wichtigste ist Dhamma zu lernen, so dass man „sehen“ kann, wie all das den Geist dauerhaft befreien wird. Die Änderung wird nur dann „permanent“, wenn dieser Schritt erreicht ist.
11. Wenn das perfektioniert ist, wird man den ganzen Tag lang meditieren, während man tägliche Aufgaben erledigt. Der Buddha beschrieb das als „āsevitāya, bhāvithāya, bahuleekathāya“ oder „assoziieren und nutzen, was gut ist, und tue das so viel wie möglich“.
- In einer formellen Meditationssitzung tut man das Gleiche. Das Beste ist, ein Dhamma-Konzept kurz vor (oder während der Sitzung) zu lesen und dann über diese Ideen zu kontemplieren. Es ist wichtig, diese Konzepte mit den eigenen Lebenserfahrungen zu vergleichen und die Dinge werden mit der Zeit klar werden: z.B. warum es sinnlos ist, „verschwenderisch zu leben, besonders wenn man sich selbst oder andere verletzt“.
- Sie werden überrascht sein, dass dieser Prozess zu Samādhi und sogar zu Jhānā langfristig führen wird. Aber wir werden auch einige andere Variationen besprechen.
- Wie schon in mehreren Texten erwähnt, könnte man sogar zur Sotapanna-Stufe gelangen, indem man die Schlüsselbegriffe der Dhamma-Konzepte einigermaßen versteht.
Der Geist geht voraus
12. Im Buddha Dhamma dreht sich alles um den Geist. Alles, was wir sagen oder tun beginnt mit einem Gedanken. Der Buddha sagte, „manopubbangama dhamma …“ oder „der Geist geht allen Dingen voraus …“.
- Aus der obigen Diskussion sollte klar werden, dass Buddhas Meditationstechniken auf die Gesetze der Natur abgestimmt sind. Sie können von einem Menschen mit religiösem Hintergrund oder von einem Atheisten verfolgt werden.
- Man wird im Geist ein „Bhauddhaya“ oder ein „Buddhist“. Wenn man einige grundlegende Dhamma-Konzepte versteht und danach lebt, ist man automatisch ein Buddhist. Nachdem man mit einer festen Entschlossenheit auf dem Pfad begonnen hat, gilt: “dhammō havē rakkathi dhammacāriṃ” oder „Das Dhamma wird einen auf dem richtigen Pfad führen“.
- Das wichtigste Ziel ist, ein moralisches Leben zu führen, ohne sich selbst oder anderen zu schaden und „Seelenfrieden“ vom hektischen Leben zu suchen. Das ist der Ausgangspunkt.