Anicca – Unfähigkeit, irgendetwas zu erhalten

1. Es ist am besten, mit den Gegensätzen zu beginnen: nicca, sukha, atta.

  • Das Pali Wort icca (ausgesprochen „ichchä“) bedeutet „mögen“. Wir begegnen diesem Wort auch in der richtigen Erklärung von Paticca Samuppada, der kausalen Theorie von Buddha Dhamma; siehe Paticca Samuppada.
  • Nicca ist die WAHRNEHMUNG, dass man Dinge zur eigenen Zufriedenheit erhalten kann. Wenn dies in der Tat der Fall ist, dann ist man glücklich, d.h. Sukha entsteht, oder zumindest entsteht kein Leiden. In diesem Fall hat man die Kontrolle, und es ist etwas Fruchtbares zu haben, d.h. atta. Also auch wenn man hart arbeiten muss, um etwas zu bekommen, was zur Zufriedenheit gepflegt werden kann, ist man am Ende dauerhaft glücklich und man hat die Kontrolle über das eigene Schicksal.
  • Wenn man etwas nicht mag, ist es anicca (ausgesprochen „anichchä“).

2. Die Realität ist, dass ALLES in „dieser Welt“ in ständigem Fluss ist. Es gibt nichts in „dieser Welt“, dass in einem stabilen Zustand auf Dauer erhalten werden kann. Natürlich können wir ein Auto für eine lange Zeit pflegen (mit regelmäßiger Wartung), aber es kommt ein Punkt, an dem das Auto aufgegeben werden muss. Auch wenn manche Dinge lange andauern, sagen wir ein wertvoller Juwel, so muss der Besitzer es trotzdem aufgeben, wenn er stirbt. Somit ist die Wirklichkeit dieser Welt anicca.

  • In der Dhamma Cakka Pavattaana Sutta (SN 56.11) sagte der Buddha: „yam piccham na labathi tampi dukkham“ (was verkürzt ist, „yam pi iccam na labati tam pi dukkham„) oder „wenn man nicht bekommt, was man mag oder möchte, dann führt das zu Dukkha„. Wenn das „Wollen“ (icca) nicht da ist, gibt es kein Leiden.

3. Deshalb ist die Ursache des Leidens NICHT Unbeständigkeit, sondern die Unfähigkeit, die Konsequenz davon im Geist zu erkennen. In einer Welt, die inhärent vergänglich ist (siehe Die große vereinheitliche Theorie), kann man Leiden vermeiden, indem man anicca versteht und nicht um das Unmögliche kämpft.

  • Unbeständigkeit allein führt nicht zum Leiden. Wenn das der Fall wäre, würde man nie das Leiden beenden und Nibbana erreichen, da niemand den Fakt „Unbeständigkeit“ ändern kann. Aber es ist die falsche Wahrnehmung von nicca, die zum Leiden führt. Die richtige Wahrnehmung von anicca (einmal vom Geist akzeptiert) wird zur Beendigung des Leidens führen.

4. Wenn man nach langem Kampf merkt, dass man eine Sache nicht zur Zufriedenheit regeln kann, wird man verzweifelt, deprimiert, unzufrieden („yam pi iccam na labati tam pi dukkham“, wo „na labati“ bedeutet „nicht bekommen“). So führt die falsche Wahrnehmung von nicca (das Gefühl der möglichen Erfüllung eigener Wünsche) am Ende IMMER zu Dukkha bzw. Leiden.

  • Die Denkweise ist folgende: selbst wenn etwas nicht dauerhaft ist und vergeht, so kann man es immer durch ein Neues ersetzen und die sechs Sinne werden befriedigt. Es ist nicht die Unbeständigkeit, die Sinn für Unbesiegbarkeit gibt, sondern die Einstellung, dass man immer einen Ersatz dafür finden und das Glück behalten kann.
  • Aber wenn man die größere Weltanschauung des Buddha sorgfältig untersucht, kann man leicht sehen, daß diese Denkweise der Möglichkeit des „dauerhaften Glücks in dieser Welt“ eine Illusion ist. Egal was wir in diesem Leben erreichen, wir müssen alles hinter uns lassen, wenn wir sterben. Und im neuen Leben fangen wir wieder neu an und das haben wir seit endlosen Zeiten so getan.
  • Und natürlich machen wir es noch schlimmer, indem wir unmoralische Dinge tun, „um Dinge zu unserer Zufriedenheit aufrechtzuerhalten“ und erzeugen damit schlechtes Kamma Vipaka, was unermessliches Leiden in den vier untersten Reichen (Apayas) bedeutet.

5. Wenn man merkt, dass man seine eigenen Angelegenheiten in „dieser Welt“ nicht dauerhaft unter Kontrolle hat, erkennt man die eigene Hilflosigkeit. Das ist anatta. Damit ist die Wahrnehmung von atta bzw. Zuflucht/Kontrolle eine Illusion, die Realität ist anatta.

  • Der Buddha sagte: „asarattena anatta“ bzw. „anatta bedeutet, dass es keine Essenz gibt, nichts Fruchtbares zu haben ist“, was bedeutet, dass alle Lebenskämpfe innerhalb dieser „Welt“ am Ende umsonst sind. Dann beginnen wir ein neues Leben und machen es noch einmal, und so weiter …

6. Schauen wir nun auf die Beziehung zwischen Anicca, Dukkha, Anatta mit den richtigen Interpretationen:

„Yadaniccam tam dukkham, tam dukkham tadanatta“ (erweitert auf „yad aniccam tam dukkham, tam dukkham tad anatta„), oder,

Wenn etwas nicht beibehalten werden kann, um Zufriedenheit zu erlangen, entsteht Leiden, daher ist man am Ende hilflos„.

  • Und umgekehrt:

Wenn etwas zur Zufriedenheit erhalten/gepflegt/verwaltet werden kann, entsteht kein Leiden, deshalb hat man die Kontrolle„.

7. Betrachten wir die gleichen Beispiele, die wir in der Aufzählung # 6 des vorherigen Abschnitts Anicca, Dukkha, Anatta – falsche Deutungen betrachteten.

  • Wenn wir „Kopfschmerzen“ als „etwas“ nehmen, lautet die erste Aussage nun: „Wenn Kopfschmerzen nicht zur Zufriedenheit gepflegt/verwaltet werden können (d.h. wenn man die Kopfschmerzen nicht los wird) entsteht Leiden und man ist hilflos“.
  • Ebenso kann man alles einsetzen, was wir im vorherigen Abschnitt betrachteten, und sehen, dass es logisch ist.

8. Nun wollen wir die umgekehrte Aussage betrachten: „Wenn etwas zur Zufriedenheit erhalten/gepflegt/verwaltet werden kann, entsteht kein Leiden, deshalb hat man die Kontrolle„.

  • Dann lautet es: „Wenn Kopfschmerzen zur Zufriedenheit gepflegt/verwaltet werden kann (d.h. man wird die Kopfschmerzen los), entsteht kein Leiden und man hat die Kontrolle“.
  • Alles in dieser Welt, das man zur Zufriedenheit erhalten/verwalten kann, wird nicht zum Leiden führen: Reichtum, Krankheit, Armut, Verbindung mit einer geliebten Person usw.
  • Doch auf lange Sicht kann NICHTS zur Zufriedenheit gepflegt werden. So ist das Nettoergebnis des Wiedergeburtsprozesses (Sansara) in Form der ersten Aussage richtig.

9. In einigen Fällen hängt die Aussage davon ab, wer die Bewertung durchführt. Zum Beispiel, als Bin Laden getötet wurde, war die zweite Aussage für viele Menschen wahr und sie waren zufrieden. Aber für die Anhänger von Bin Laden war die erste Aussage wahr.

10. Beständigkeit/Unbeständigkeit sind EIGENSCHAFTEN von „Dingen“ (Lebewesen und physischen Dingen) oder „Ereignisse“. Auf der anderen Seite sind nicca/anicca Wahrnehmungen im Geist über diese „Dinge“ und „Ereignisse“.

  • Hier ist ein interessanter Link zu Bildern, die das Konzept von anicca eindeutig beschreiben: Ranker
  • Wir müssen erkennen, dass wir alle diese unvermeidlichen Veränderungen durchmachen werden, wenn wir alt werden. Egal wie hart wir kämpfen, es ist nicht möglich, irgendetwas dauerhaft zu erhalten. Das ist die Anicca-Natur dieser Welt.
  • Natürlich wird jeder dieser Prominenten (oder ihre Fans) traurig sein, den Vergleich zu sehen. Sie waren nicht in der Lage, den eigenen Körper zur Zufriedenheit zu erhalten. Jedoch könnte eine Person, die einem dieser Prominenten feindlich gesonnnen ist, glücklich sein das Bild zu sehen.
  • So ist „Unbeständigkeit“ etwas, das unvermeidlich ist. Es ist eine Eigenschaft von allem in dieser Welt. Aber anicca ist die Wahrnehmung im Geist. Im obigen Fall sind Körper von Berühmtheiten unbeständig, aber das muss nicht zwangsläufig zu Leiden bei anderen führen.
  • Diese Bilder liefern die visuelle Wirkung, die wir normalerweise nicht bekommen. Wir sehen keine Veränderungen an uns selbst, weil die Veränderung allmählich ist.

11. Der Schlüssel zur Erreichung der Sotapanna-Stufe besteht darin, diese Konzepte mit echten Beispielen aus dem Leben zu kontemplieren. Das ist wahre Meditation. Wenn der Geist akzeptiert, dass es in den 31 Reichen dieser „Welt“ kein dauerhaftes Glück gibt, verliert man den Wunsch nach „Dingen“ zu suchen. Man wird entschlossen, so schnell wie möglich aus „dieser Welt“ herauszukommen und dauerhaftes Glück zu erlangen (Nibbana).

12. Niemand in „dieser Welt“ ist von diesen drei Merkmalen befreit. Auch wenn man in gewissen Zeiten Glück finden kann, können wir uns nicht aus den Realitäten herausholen, alt und krank zu werden und schließlich zu sterben. Dann wiederholt sich der Zyklus im nächsten Leben, dann das nächste Leben … Darüber hinaus sind solche „glücklichen Zeiten“ in der sansarischen Zeitskala unwesentlich klein.

 

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