Die unaufhörliche Not (Pilana) – Schlüssel zu Dukkha Sacca

Dieser Beitrag ist vielleicht nicht für alle geeignet, die auf der Webseite neu sind. Es kann sehr hilfreich für jemanden sein, der ein gewisses Verständnis von anicca, dukkha, anatta hat.

Die meisten Leute denken, dass die Erste Edle Wahrheit das körperliche Leiden betrifft, d.h. sie assoziieren das mit dem Vedana Cetasika. Allerdings sagte der Buddha: „Mein Dhamma ist anders als alles, was die Welt je gesehen hat“. Die wirkliche Wahrheit über das Leiden ist das versteckte Leiden in dem, was normale Menschen als Glück empfinden. Es muss mit dem Panna (Weisheit) Cetasika gesehen werden.

  • In der Tat ist es schwierig, die Erste Edle Wahrheit zu verstehen, wenn man das Leiden fühlt. Wenn jemand krank oder verletzt ist oder wenn der Geist im Alter zu schwach ist, dann ist es nicht möglich die tiefe Botschaft des Buddhas zu betrachten.

Dukkha Sacca ist die Wahrheit über das Leiden; Sacca ist Wahrheit.

  • Pilana ist das Pali-Wort für Not oder Härte (Peleema in Sinhala). Dies ist Teil des Leidens, das wir erleben auch ohne es zu merken.

Darüber sollte man meditieren noch bevor man mit Ariya Anapanasati Bhavana beginnt. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, zuerst die wahre Botschaft des Buddhas zu verstehen.

1. Auch wenn wir es nicht erkennen, wir sind die ganze Zeit gestresst, aufgrund unseres Wunsches unsere sechs Sinne zu befriedigen. Jeder, der vorübergehende Erholung durch gute Meditation erlebt, kennt Pilana und das Gegenteil als Niramisa Sukha. Es wird noch deutlicher, wenn man Erfahrung mit Jhanas macht. Nur wenn man in einen Jhana-Zustand gelangt, erkennt man, dass man unter unaufhörlichem Stress leidet.

  • Wir realisieren das nicht, denn das ist die Basis unserer Existenz (unsere „Komfortzone“) und wir leben damit seit unzähligen Wiedergeburten.
  • Um eine gewisse Erleichterung von dieser unaufhörlichen Not zu bekommen, denken wir ständig über Möglichkeiten nach, wie wir Zeiten des Glücks generieren können. Wir suchen ständig Verbesserungen, um diese Komfortzone zu schaffen oder zu erhalten (ein schönes Haus, ein neues Auto, gute Unterhaltung, einen neuen Partner …).
  • Wenn wir ein wenig unter das aktuelle „Komfortniveau“ abrutschen, müssen wir Arbeit und Zeit aufwenden (sankhara), um das Problem zu beheben. Haben wir Hunger, müssen wir eine Mahlzeit zubereiten oder zur Pizzeria fahren und Essen kaufen.
  • Sitzen wir zufrieden nach einer Mahlzeit auf dem Sofa, rutschen wir ohne ersichtlichen Grund nach einer Weile wieder unter das „Komfortniveau“: wir langweilen uns, denken darüber nach ins Kino zu gehen… Das geht endlos weiter.

2. Dieser endlose „Drang“ ist eine Art  von Dukkha: Dukkha Dukkha. Das ist der wiederholte, endlose Kampf um die Befriedigung der sechs Sinne:

  • Unsere Sinne fragen ständig nach Genüssen: Das Auge will schöne Dinge sehen, das Ohr will angenehme Geräusche hören, die Nase will schöne Düfte riechen, die Zunge will üppige Speisen probieren, der Körper will angenehmen Körperkontakt und der Geist mag angenehme Gedanken. Wir müssen arbeiten (sankhara), um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Dies ist eine zweite Art von Dukkha: Sankhara Dukkha.
  • Zusätzlich zur Arbeit der Essenszubereitung, des Einkaufens, des Kinobesuchs usw. müssen wir auch einen Arbeitsplatz haben, um Geld für all diese Aktivitäten zu verdienen. Dies muss man konstant tun, nur um die Sachen am Laufen zu halten.
  • Meistens folgt ein Drang auf den nächsten: Wir möchten essen und trinken,  wir möchten einen Film sehen, wir möchten Freunde treffen und den nächsten Urlaub planen.
  • Wir realisieren dieses Leiden nicht, weil unser Geist auf das Endergebnis fokussiert ist, d.h. die erwartete Freude und der Genuss nach all der Arbeit.
  • Sie denken vielleicht: „Über was redet der eigentlich? Ist das nicht immer so im Leben?“. Genau! Wir erkennen das nicht einmal, weil dies unsere Basis der Existenz ist und wir das als „normal“ wahrnehmen.

3. Was wir als Glück empfinden stammt tatsächlich aus der Erholung, die wir erfahren, wenn die Not durch unsere Anstrengungen gedämpft wird. Wir unterdrücken die unaufhörlichen „Ungleichgewichte“. Dies wird durch das folgende Beispiel verdeutlicht:

  • Angenommen, ein Mensch hat seine Hände gefesselt auf dem Rücken. Dann schlägt ihn jemand hart mit einem Stock. Er fühlt den Schmerz. Dies ist analog zu Dukkha Dukkha, die unaufhörlichen Prügel von der Natur.
  • Wenn jemand diese schmerzende Stelle massiert, die von den Schlägen getroffen wurde, fühlt sich der Mensch besser und möchte mehr massiert werden. Aber Arbeit muss getan werden, um dieses Glück zu erhalten. Das ist Sankhara Dukkha. In diesem Beispiel tut jemand anders diese Arbeit. Im wirklichen Leben tut jeder selbst diese zusätzliche Arbeit.
  • Wenn wir nun diese Person fragen, ob wir nochmal zuschlagen sollen, damit sie danach das Vergnügen der Massage haben kann, wird diese Person natürlich ablehnen. Die Person kennt jetzt den Schmerz in Verbindung mit den Schlägen.
  • Wir wollen Glück finden, indem wir die sechs Sinne befriedigen, weil wir nicht die Ursache für die unaufhörliche Not kennen. Zudem sind wir uns der Not durch ständiges Abrutschen unter die Komfortzone nicht bewusst, bis ein Buddha es entdeckt. Dies kann direkt auf das obige Beispiel übertragen werden. Wenn wir der Person einen Schlag verpassen während sie unter Narkose ist, wird sie nach dem Erwachen den Schmerz fühlen, aber nicht wissen, was die Ursache ist.

4. Die Realität ist, dass diese erfreulichen Momente begrenzt sind, egal wie hoch wir den Aufwand zur Befriedigung der Sinne treiben. Selbst wenn wir den Sinneseindruck für lange Zeit aufrechterhalten können, werden die Sinne nach einer Weile müde und gelangweilt. Sie fragen nach einer anderen Art von Erfahrung. Lassen Sie uns einige Beispiele betrachten:

  • Wir können im bequemsten Bett liegen, aber früher oder später rollen wir uns hin und her und suchen eine bessere Körperhaltung zu finden. Schließlich halten wir es nicht mehr aus und stehen auf.
  • Auch das köstlichste Essen können wir nur einmal essen und auch nicht endlos viel davon. Essen wir die gleiche Speise für eine Woche, können wir das nicht mehr sehen und wollen eine andere Speise probieren.
  • Dies nennt man Viparinama Dukkha, eine dritte Art von Dukkha. Diese ergibt sich daraus, dass wir nichts tun können um den Status quo zu erhalten. Alles verändert sich und wird schließlich vergehen.
  • Viele Menschen denken, Viparinama Dukkha entsteht aufgrund von Veränderung oder Anitya. Aber „Veränderung“ ist „Parinama“; „Viparinäma“ ist die „unerwartete Veränderung“. Wenn sich etwas wie erwartet verändert, ist das leichter geistig zu handhaben. Aber wegen der Anicca-Natur passieren die Dinge unerwartet und das verursacht Viparinama Dukkha.

5. Zusammengefasst (i) leiden wir unter ständiger Belastung aufgrund allgegenwärtiger Anforderungen zur Befriedigung der sechs Sinne (Dukkha Dukkha), hauptsächlich aufgrund von Kamma Vipaka, (ii) wir leiden mehr durch die aufzuwendende Arbeit um Befreiung von solchen Anforderungen zu haben (Sankhara Dukkha) und (iii) jede Zufriedenheit endet, entweder weil die Sinnes-Befriedigung unerwartet nicht mehr funkioniert oder weil uns das langweilt (Viparinama Dukkha).

  • Allerdings hält die Sehnsucht nach diesen vorübergehenden Glücksmomenten alle drei Arten von Leiden verborgen. Der Buddha gab folgendes Gleichnis: Wenn man einen Ballen Stroh vor einem Ochsen aufhängt, der einen Wagen zieht, wird der Ochse eifrig weitergehen um das Stroh zu fassen. Er fühlt nicht einmal die Anstrengung, weil er nur an die Belohnung denkt.
  • Das ist unsere Ignoranz. Wir wissen nicht, dass es nicht möglich ist, irgendetwas langfristig zu unserer Zufriedenheit aufrechtzuerhalten (anicca).

6. Der schlimmste Teil des Leidens findet sich in den untersten vier Reichen, wo die Wesen wirklich hilflos sind. Es gibt sehr wenig, was ein Wesen dort tun kann (sankhara), um das unaufhörliche Dukkha Dukkha zu mildern. Zum Beispiel hat ein wildes Tier nur sehr wenige Optionen, wenn es hungrig ist. Wenn kein Essen zu finden ist, wird es vielleicht für Tage Hunger leiden und schließlich Beute eines stärkeren Tieres werden. In der freien Natur sehen Sie keine alten, kranken Tiere. Sind sie zu schwach, werden sie von anderen Tieren gefressen. Dies ist die wahre Bedeutung von anatta; man wird wirklich hilflos, vor allem in den unteren Reichen.

7. Dukkha ist nirgendwo in den 31 Reichen abwesend. Die drei Arten von Dukkha sind in den Reichen in unterschiedlichem Maße präsent:

  • Im untersten Reich (Niraya) dominiert Dukkha Dukkha. Es gibt dort nur Leiden und keine Möglichkeit Erleichterung durch Sankhara zu bekommen. Auch im Tierreich gibt es relativ wenig Sankhara Dukkha; sie leiden meist direkt (Dukkha Dukkha).
  • In den höheren Reichen (über dem Menschen-Reich), gibt es sehr wenig Dukkha Dukkha, weil dies „gute Geburten“ sind, die durch verdienstvolles Kamma entstanden. In diesen höheren Reichen dominiert Viparinama Dukkha. Auch kein Brahma hat das Leiden in den untersten vier Reichen überwunden, außer er hat die Sotapanna-Stufe erreicht.
  • Im Menschen-Reich sind alle drei Arten von Dukkha im signifikanten Maß vorhanden. Sankhara Dukkha ist im Vergleich zu allen Reichen am höchsten.

8. Dies ist die Erste Edle Wahrheit, Dukkha Sacca. Es gibt verstecktes Dukkha auch im größten scheinbaren Glück und da ist kein Ort in den 31 Reichen, wo Dukkha dauerhaft abwesend ist.

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