Anuloma Khanti und Sammattaniyāma – Voraussetzung für Sotapanna

Um die Sotapanna-Stufe zu erreichen, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Man muss Anuloma Khanti erreichen, d.h. man muss erkennen, dass Leiden den Wiedergeburtsprozess dominiert. Man muss auch zu Sammattaniyāma gelangen, d.h. erkennen, dass die höchste Glückseligkeit in Nibbāna liegt (den Wiedergeburtsprozess stoppen).

Anuloma Khanti und Sammattaniyāma

1. Hier werden zwei neue Begriffe eingeführt – Anuloma Khanti und Sammattaniyāma. Beide findet man im Tipiṭaka. Sie deuten auf die Notwendigkeit hin, die Tilakkhana zu verstehen, um Magga Phala zu erlangen.

  • Leiden kann man nicht stoppen, wenn man im Wiedergeburtsprozess bleibt. Auch wenn einige Geburten weniger Leiden einbringen, so ist der Tod bei JEDER Geburt unvermeidlich.
  • Das Verstehen der Tilakkhana ist wesentlich, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Dieses Erkennen kommt mit dem gleichzeitigen Verstehen von Paṭicca Samuppāda (was das Entstehen neuer Geburten und daraus folgendes Leiden erklärt). Daraus folgt Anuloma Khanti.
  • Aus dem Erkennen der Gefahren im Wiedergeburtsprozess folgt, dass Nibbāna die einzige Zuflucht ist. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus dem Verständnis der vier edlen Wahrheiten, d.h. Befreiung vom Leiden über den edlen achtfachen Pfad. Damit gelangt man zu Sammattaniyāma und zur Sotapanna-Stufe.

2. Das Verlangen nach weltlichen Vergnügungen bringt UNVERMEIDLICH Leiden.

  • Wie schon oft erwähnt, ist es unmöglich, dieses Verlangen mit bloßer Willenskraft zu stoppen. Man muss verstehen, WARUM und WIE das Verlangen nach weltlichen Vergnügungen zu künftigem Leiden führt.
  • Ein Alkoholiker kann seine Sucht nicht allein durch Willenskraft loswerden. Er muss die schlimmen Folgen des Trinkens erforschen und ohne jeden Zweifel begreifen, dass Trinken schlecht für die Gesundheit ist und zum Tod führen kann!
  • In gleicher Weise muss man zuerst die Gefahren im Wiedergeburtsprozess erkennen. Mit diesem Verständnis stoppt man die schlimmsten Saṅkhāra (die Wiedergeburt in den Apāyās einbringen). Aber der Geist eines Sotapanna wird immer noch sinnliche Vergnügungen suchen. Diese Verlangen werden in drei weiteren Stufen allmählich verloren gehen.
  • Somit hat ein Sotapanna den „Fahrplan“ (sammā diṭṭhi) zur Arahant-Stufe. Er/sie kann damit wirklich mit der Kultivierung von Satipaṭṭhāna/Ānāpāna/Satta Bojjhaṅga und edlem Pfad beginnen.

Für Anuloma Khanti  muss man die Anicca/Dukkha-Natur aller Saṅkhāra begreifen.

3. Die Anicca Sutta (AN 6.98) sagt: “..saṅkhāraṁ niccato samanupassanto anulomikāya khantiyā samannāgato bhavissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati‘Anulomikāya khantiyā asamannāgato sammattaniyāmaṁ okkamissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati. ‘Sammattaniyāmaṁ anokkamamāno sotāpattiphalaṁ vā sakadāgāmiphalaṁ vā anāgāmiphalaṁ vā arahattaṁ vā sacchikarissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati.”

Übersetzt: “ …wer Saṅkhāra als nicca betrachtet, kann nicht zu Anuloma Khanti gelangen. Ohne Anuloma Khanti ist es unmöglich, zu Sammattaniyāma zu gelangen. Ohne Sammattaniyāma ist es unmöglich, irgendeinen Magga Phala zu realisieren (sotāpatti, sakadāgāmi, anāgāmi, arahatta).

  • Die Dukkha Sutta (AN 6.99) macht eine ähnliche Aussage, „…jeder, der Saṅkhāra als sukha betrachtet, kann nicht zu Anuloma Khanti gelangen.“ Der Rest des Verses ist identisch, d.h., ohne Anuloma Khanti sind Sammattaniyāma und Magga Phala unmöglich.

Für Anuloma Khanti muss man auch die Anatta-Natur aller Dhammā begreifen (erschaffen via Saṅkhāra)

4. In der Anatta Sutta (AN 6.100) heißt es dann: „..  dhammaṁ attato samanupassanto anulomikāya khantiyā samannāgato bhavissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjatiAnulomikāya khantiyā asamannāgato sammattaniyāmaṁ okkamissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati. ‘Sammattaniyāmaṁ anokkamamāno sotāpattiphalaṁ vā sakadāgāmiphalaṁ vā anāgāmiphalaṁ vā arahattaṁ vā sacchikarissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati.

Übersetzt:“…wer Dhammā als atta betrachtet, kann nicht zu Anuloma Khanti gelangen. Ohne Anuloma Khanti ist es unmöglich, zu Sammattaniyāma zu gelangen. Ohne Sammattaniyāma ist es unmöglich, irgendeinen Magga Phala zu realisieren (sotāpatti, sakadāgāmi, anāgāmi, arahatta).

Anicca, Dukkha, Anatta sind Merkmale dieser Welt – aber wir müssen uns auf Saṅkhāra und Dhammā konzentrieren

5. Klären wir zuerst, was in den obigen Versen auffällt.

  • Die ersten beiden Sutta in Nr. 3 beziehen sich ausdrücklich auf die anicca-, dukkha-Natur von Saṅkhāra. Die dritte Sutta in Nr. 4 bezieht sich auf die anatta-Natur von DhammāDie Eigenschaften anicca, dukkha, anatta beziehen sich jedoch auf ALLES in der Welt.
  • Warum also speziell der Bezug von anicca, dukkha auf Saṅkhāra und anatta auf Dhammā?

6. Die Gründe werden klar, wenn wir auf Paṭicca-Samuppāda schauen.

  • Der akusala PS beginnt mit „avijjā paccayā saṅkhāra„, und zwar wegen der nicca-Erwartung, d.h. weil man nicht weiß, dass anicca ein „eingebautes“ Merkmal der Welt ist!
  • Dhammā (mit einem langen-a) sind die Samen, die entstehen, wenn man Saṅkhāra kultiviert. Dhammā bedeutet „das was man trägt (bzw. was man verfolgt)“. Aber alles, was auf diese Weise entsteht, wird kein nicca-Ergebnis einbringen und all diese Bemühungen sind fruchtlos. Daher sind alle Dhammā von anatta-Natur.

7. Die drei obigen Suttas sagen dasselbe aus, wie die berühmten Verse im Dhammapada, 277 bis 279:

Sabbe saṅkhārā aniccā”ti, yadā paññāya passati; Atha nibbindati dukkhe, esa maggo visuddhiyā.”

Sabbe saṅkhārā dukkhā”ti, yadā paññāya passati; Atha nibbindati dukkhe, esa maggo visuddhiyā.”

Sabbe dhammā anattā”ti, yadā paññāya passati; Atha nibbindati dukkhe, esa maggo visuddhiyā.”

  • Diese drei Verse besagen, dass man zur endgültigen Befreiung vom Leiden (nibbindati dukkhe) durch Reinigung des Geistes (visuddhi) die Vergeblichkeit und Gefahren der (Abhi)Saṅkhāra erkennen muss, weil das zu Dhammā führt, die weitere zukünftige leiderfüllte Existenzen mit sich bringen.

Nur Nibbāna hat die Eigenschaften nicca, sukha, atta!

8. Die Nibbāna Sutta (AN 6.101) vervollständigt die Beschreibung. Es folgt der erste Vers der Sutta:

„‚So vata, bhikkhave, bhikkhu nibbānaṁ dukkhato samanupassanto anulomikāya khantiyā samannāgato bhavissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati. ‘Anulomikāya khantiyā asamannāgato sammattaniyāmaṁ okkamissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati. ‘Sammattaniyāmaṁ anokkamamāno sotāpattiphalaṁ vā sakadāgāmiphalaṁ vā anāgāmiphalaṁ vā arahattaṁ vā sacchikarissatī’ti netaṁ ṭhānaṁ vijjati.“

Übersetzt:

Bhikkhus, jeder, der Nibbāna als Leiden betrachtet, kann nicht zu Anuloma Khanti gelangen. Ohne Anuloma Khanti ist es unmöglich, zu Sammattaniyāma zu gelangen. Ohne Sammattaniyāma ist es unmöglich, irgendeinen Magga Phala zu realisieren (sotāpatti, sakadāgāmi, anāgāmi, arahatta).

  • Die meisten Menschen denken, dass Nibbāna bedeutet, „alle Vergnügungen dieser Welt aufzugeben“. Sie können sich nicht einmal vorstellen, dass man den Prozess der Wiedergeburt stoppen sollte. Dabei denken sie: „Das Leben ist doch so gut; wie kann jemand überhaupt daran denken, nicht in dieser Welt zu leben?“
  • Das liegt daran, dass sie „Leben“ mit dem Leben eines Menschen gleichsetzen. Aber der Buddha erklärte, dass auch alle Tiere in der Vergangenheit Menschen waren und dass die MEISTEN Menschen am Ende ihrer Menschen-Existenz in den elenden Reichen geboren werden.

9. Dann sagt der zweite Vers der Sutta: „‚So vata, bhikkhave, bhikkhu nibbānaṁ sukhato samanupassanto anulomikāya khantiyā samannāgato bhavissatī’ti ṭhānametaṁ vijjati. ‘Anulomikāya khantiyā samannāgato sammattaniyāmaṁ okkamissatī’ti ṭhānametaṁ vijjati. ‘Sammattaniyāmaṁ okkamamāno sotāpattiphalaṁ vā sakadāgāmiphalaṁ vā anāgāmiphalaṁ vā arahattaṁ vā sacchikarissatī’ti ṭhānametaṁ vijjatī”ti.

Übersetzt:

„Bhikkhus, jeder, der Nibbāna als glückselig ansieht, kann zu Anuloma Khanti gelangen. Mit Anuloma Khanti gelangt man auch zu Sammattaniyāma. Mit Sammattaniyāma ist es möglich, Magga Phala zu realisieren (sotāpatti, sakadāgāmi, anāgāmi, arahatta).

  • Hier erkennt man also, dass letztendliche Glückseligkeit nicht in sporadischen sinnlichen Vergnügungen liegt. Vielmehr besteht sie nur darin, jedes zukünftige Leiden zu beenden, indem man den Wiedergeburtsprozess stoppt.

Referenz

10. Eine vollständige Analyse von Anuloma Khanti und Sammattaniyāma bezüglich Tilakkhana findet sich in einem der Originalkommentare (Paṭisambhidāmagga), was im Tipiṭaka enthalten ist. Siehe, 3.9. Vipassanākathā. Es gibt keine deutsche oder englische Übersetzung bei Sutta Central.

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