Dukkha ist eine Eigenschaft, kein Gefühl (Dukkha Vedanā)

Dukkha – ein inhärentes Merkmal dieser Welt und nicht Dukkha Vedana

1. Der am meisten missverstandene Aspekt der Tilakkhana ist die Vorstellung, Dukkha bedeute das physische Leiden. Die meisten Meditationsprogramme konzentrieren sich auf körperliche Unannehmlichkeiten während einer Sitzung. Das ist ein Missverständnis. Wir müssen uns stattdessen auf die dukkha-Natur dieser Welt konzentrieren.

  • Lakkhana bedeutet inhärente „Eigenschaft“ oder „Qualität“. Zum Beispiel beschreibt die Lakkhaṇa Sutta (DN 30) die 31 einzigartigen Qualitäten/Merkmale eines Buddhas.
  • Man kann viele Jahre lang ein glückliches Leben führen. Dennoch sind Alter und Tod ein inhärentes Lakkhana des Lebens. Auch wenn eine Person im Moment vielleicht nicht leidet, wird sie in der Zukunft zweifelsohne Leid erfahren. Daher bezieht sich dukkha lakkhana auf eine der drei inhärenten Eigenschaften der Natur.
  • Der Buddha erklärt auch, wie man dem Kreislauf des Leidens entkommt. Aber zuerst muss die dukkha-Natur dieser Welt erkannt werden. Bevor man ein Problem lösen kann, muss man erkennen, dass es ein Problem gibt, und dann die Ursachen dafür finden. Erst dann löst man das Problem durch Beseitigen der Ursachen!

2. ALLES in dieser Welt hat diese drei Eigenschaften. JEDOCH werden wir nur dann leiden, WENN wir an diesen Dingen hängen. Mit anderen Worten, pañcakkhandha enthält dukkha lakkhana, aber wir erleben Leiden nur aufgrund des pañcupādānakhandhā, einem winzigen Bruchteil des pañcakkhandha.

  • Viele Suttas erklären das auf unterschiedliche Weise. Siehe Referenzen 1 und 2 unten.

3. Denken Sie sorgfältig darüber nach! Alles in dieser Welt hat dukkha lakkhana „eingebaut“ (natürlich auch anicca und anatta).

  • Es gibt keine Möglichkeit, zukünftiges Leiden zu vermeiden, solange man die 6 internen Sinnesfähigkeiten benutzt, um die 6 äußeren Rupa-Typen mit Lobha, Dosa, Moha zu „genießen“! (In den Suttas ist das synonym zu den 6 internen und 6 externen Ayatana.)
  • Das Verlangen nach weltlichen Dingen ist jedoch schwer zu stoppen. Es wäre sogar unmöglich, ohne zu wissen, WIE und WARUM Leiden die Konsequenz für das Bleiben in Samsara ist.
  • Ein Alkoholiker wird nicht in der Lage sein, das Trinken aufzugeben, ohne zu verstehen, WIE und WARUM Alkoholkonsum zu Leiden führt.

Die Welt ist „verankert im Leiden“

4. Die Hauptbotschaft des Buddha ist, dass der Prozess der Wiedergeburt in den 31 Reichen unvorstellbares Leid mit sich bringt. Die meisten Geburten finden in den vier unteren Reichen statt (apāyā), wo das Leiden jede vorübergehende Erleichterung dominiert.

  • Solange es Existenz in dieser Welt gibt, wird diese Existenz sowohl sukha als auch dukkha begegnen.
  • Da die Lebewesen jedoch versucht sind, sich auf akusala/pāpa kamma einzulassen, erfolgen die meisten Wiedergeburten in den Apāyās. Wir haben dieses „große Ungleichgewicht“ besprochen, auf das der Buddha hinwies. Siehe u.a. Einführung – Was ist Leiden?.

5. Deshalb sagte der Buddha: „Maccunā pihito loko, dukkhe loko patiṭṭhito; Taṇhāya uḍḍito loko,jarāya parivārito“ti“. Siehe Pihita Sutta (SN 1.68).

Übersetzt: „Die Welt ist vom Tod bewohnt, die Welt ist im Leiden verankert; Begierde/Anhaftung hat die Welt gefangen, sie ist von Verfall und Alter umhüllt.“

  • Eine Reihe von kurzen Suttas (SN 1.61 bis SN 1.81) bildet die Grundlage für die tieferen Suttas im Saṁyutta Nikāya. Lesen Sie diese einfach durch, beginnend mit der Nāma Sutta (SN 1. 61).
  • Wir können dieses „Langzeit-Leiden“ beenden, indem wir die Ursachen für Geburten in den 31 Reichen verstehen. Insbesondere Geburten in den Apāyās werden durch unmoralische Taten (akusala kamma) verursacht.

Es ist nicht möglich, in dieser Welt einen Zustand „ohne Leiden“ zu erreichen

6. Das Verstehen der drei Merkmale (Tilakkhana) lässt uns die vier edlen Wahrheiten verstehen.

  • Die Natur dieser Welt ist so beschaffen, dass es nicht möglich ist, an einen Ort zu gelangen, der frei von Leiden ist, egal wie sehr wir uns bemühen.
  • Beginnen wir mit der Annahme, dass es keinen Wiedergeburtsprozess gibt. Manche Menschen haben genug Geld verdient, um nicht nur ihre Familien zu ernähren, sondern sogar die Wirtschaft eines kleinen Landes ein Jahr lang zu finanzieren! Aber sind sie nicht auch dem Leiden ausgesetzt? Wir alle werden schließlich alt und sterben eines Tages.
  • Ganz gleich, wie erfolgreich man ist, es führt nicht zu einem „leidfreien Zustand“.
  • Menschen, die Selbstmord begehen, hoffen, dass ihr Leiden mit dem Tod endet! Leider ist auch das nicht der Fall. Wiedergeburt ist für jeden unterhalb der Arahant-Stufe unvermeidlich, und Geburten in den Apāyās sind für jeden möglich, der nicht zumindest im Ansatz die vier edlen Wahrheiten, Tilakkhana und Paṭicca Samuppāda versteht.

Das „wahre Leiden“ verstehen – es liegt im Wiedergeburtsprozess

7. Die meisten Wiedergeburten erfolgen in den vier Apāyās. Wir können das Leiden nur in einem sehen, dem Tierreich.

  • Der Buddha hat die Arten des Leidens in den anderen drei Apāyās detailliert erklärt. Zum Beispiel in der Bālapaṇḍita Sutta (MN 129) und der Devadūta Sutta (MN 130) erklärt der Buddha die Art des Leidens in den verschiedenen unteren Reichen.
  • Die Übersetzung der ersten Sutta „Der Törichte und der Kluge (MN 129.)“ erklärt, dass eine Person, die sich auf unmoralische Taten einlässt (bālo oder „Narr“), die Konsequenzen (kamma vipāka) sowohl in diesem Leben als auch in zukünftigen Existenzen in den Apāyās erwarten kann. Die Schilderung der Erfahrungen in der Niraya (Hölle) ist erschreckend.

8. Eine verwandte Sutta ist die Pāyāsi Sutta (DN 23). Sie handelt von den falschen Sichtweisen, dass es keinen Wiedergeburtsprozess gäbe, usw. Für diejenigen mit Zweifel an der Gültigkeit des Wiedergeburtsprozesses oder der Existenz der Apāyās sind die oben genannten Suttās eine gute Idee zu lesen.

  • In dieser Textserie fokussieren wir uns auf die zusammenfassende Aussage, „aniccaṁ khayaṭṭhena dukkhaṁ bhayaṭṭhena anattā asārakaṭṭhenāti.
  • Das kann wie folgt erklärt werden: „Alles in dieser Welt (rupa, vedanā, saññā, saṅkhāra, viññāṇa) ist von anicca-Natur, weil die Hoffnung, das zu genießen, nur zum eigenen Untergang führen wird (aniccaṁ khayaṭṭhena). Alles, woran man haftet, wird schließlich zu Leiden führen, vor dem man sich fürchten sollte (dukkhaṁ bhayaṭṭhena). Daher sind solche Begierden/Bemühungen fruchtlos und man ist im Wiedergeburtsprozess hilflos/ohne Zuflucht (anattā asārakaṭṭhenāti).

Was ist Nibbāna?

9. Es gibt viele Fälle, in denen man „Zeiten des Glücks“ erlebt, sogar für lange Zeit. In den sechs Deva-Reichen besteht das Leben hauptsächlich aus „sinnlichen Vergnügungen“. In den 20 Brahmaloka sind es vor allem jhānische Freuden. Sogar manche Menschen erleben die meiste Zeit ihres Lebens ein hohes Maß an „Sinnesfreuden“.

  • All diese Zeiten des Glücks sind jedoch sehr kurz auf der sansarischen Zeitskala, die praktisch unendlich ist. Siehe: Unendlichkeit – wie groß ist das?
  • Darüber hinaus werden alle Menschen, Devas und Brahmas wieder in den vier unteren Reichen enden, wenn sie nicht mindestens Sotāpatti erreichen!
  • Ohne einen Buddha wären wir uns dieses Problems der Wiedergeburt und des endlosen Leidens überhaupt nicht bewusst.

Bei Nibbāna geht es um die Beendigung des Leidens

10. Deshalb geht es in der ersten edlen Wahrheit um das Erkennen des Leidens und NICHT um eine Art von Glück. Da NICHTS von dieser Welt in Nibbāna existiert, sind alle Vedanā (dukkha oder sukha) in Nibbāna abwesend.

  • Auch wenn in den Suttas von „Nibbānischer Glückseligkeit“ die Rede ist, meint man die vollständige Abwesenheit von Leiden. Es ist tatsächlich Glückseligkeit, für immer frei von Leiden zu sein!
  • Nehmen wir an, jemand leidet seit Jahren unter Migräne. Wenn die Krankheit eines Tages verschwindet, ist man von diesem schrecklichen Leiden befreit. Das ist eine große Erleichterung.
  • Genauso sollten wir uns Nibbāna vorstellen, nicht als ein Paradies mit sinnlichen Vergnügungen. Wir können nur mit Sicherheit sagen, dass es in Nibbāna keine Spur von Leiden gibt. Siehe Nibbāna „existiert“, aber nicht in dieser Welt.

Referenzen 

1. Im Tipitaka finden sich bspw. 12 Suttas, von Ajjhattānicca Sutta (SN 35.1) bis Bāhirānattātītānāgata Sutta (SN 35.12), welche besagen, dass die 6 inneren Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Zunge, Körper, Geist) UND die 6 Arten von Rupa, die von diesen Sinnesfähigkeiten erfahren werden, alle die Tilakkhana haben.

  • Dort heißt es: „cakkhu, sota, ghāna, jivhā, kāya, mano“ haben alle die Qualitäten bzw. Merkmale anicca, dukkha, anatta. Also haben alle sechs Sinnesfähigkeiten die „eingebaute“ anicca-, dukkha-, anatta-Natur.
  • Dasselbe gilt für die 6 Arten äußerer Rupa, die wir erleben: rūpa, sadda, gandha, rasa, phoṭṭhabba, dhammā.

2. Es gibt 9 Suttas, genannt Aniccādisuttanavaka (SN 43-51), die besagen, dass „alles“ in dieser Welt von anicca, dukkha, anatta Natur ist.

  • Viele andere Suttas sagen dasselbe auf unterschiedliche Weise. 138 Suttas sagen, dass die fünf Aggregate alle von anicca-, dukkha-, anatta-Natur sind: 138 Ergebnisse für vedanā UND viññāṇaṁ UND aniccā. Natürlich umfassen die fünf Aggregate alles, was ein Lebewesen in dieser Welt erfährt.
  • Die Pañcakkhandha sind „dem Leiden unterworfen.“ Selbst ein Arahant kann bis zum Tod des physischen Körpers (parinibbāna) das Leiden nicht ausschließen.

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