Beschreibt die Erste Edle Wahrheit nur Leiden?

Buddha Dhamma beschreibt die Gesetze der Natur. Viele Leute denken, dass Dukkha Sacca (die Erste Edle Wahrheit) besagt, dass ALLES Leiden ist. Das ist nicht wahr, denn es gibt eine Menge scheinbares Glück, was die Menschen davon abhält, das verborgene Leiden zu sehen. Der Schlüssel ist, Panna (Weisheit) zu entwickeln, um Dukkha zu sehen. Man braucht nicht unbedingt das Leiden zu fühlen, um Dukkha Sacca zu erlangen, obwohl es auch motivieren kann, die Wahrheit zu suchen. Es gibt also einen Unterschied zwischen dem Leiden (das Gefühl bzw. Vedana) und der Fähigkeit, die Ursachen dafür zu verstehen (Panna bzw. Weisheit).

  • Offensichtlich gibt es im Menschen-Reich (und den höheren Reichen) auch haufenweise Glück. Würden alle Wesen nur Leiden fühlen, würde auch alle dringend Nibbana suchen. Die Realität ist anders. Es ist schwer für Menschen, das wirkliche Leiden zu sehen.
  • Das Leiden liegt oft versteckt. Im Menschen-Reich sind Leid und Glück miteinander vermischt und man kann beides sehen.
  • In den Reichen oberhalb des Menschen-Reichs findet sich relativ gesehen noch viel weniger Leiden. Deshalb ist es für Deva noch schwerer, darüber nachzudenken. Aber auch Deva und Brahma landen schließlich in den untersten vier Reichen und sind dort endlosem Leiden ausgesetzt.
  • Wesen in den untersten vier Reichen erleben wirklich das Gefühl von Dukha. Natürlich haben sie keine Ahnung von Dukkha Sacca. Erst als Sotapanna ist man in der Lage, Dukkha Sacca zumindest teilweise zu verstehen.

Im Menschen-Reich leben manche glücklicher als andere (wegen gutem/schlechtem Kamma Vipaka). So haben wir die Möglichkeit zu sehen und zu untersuchen, denn wir können Leiden erkennen, auch wenn wir es in dem Moment nicht selbst fühlen müssen. Aber jeder erlebt es, spätestens im Alter und bei Krankheit.

In der Dhamma Cakka Pavattana Sutta beschreibt der Buddha die Erste Edle Wahrheit:

Idam kho pana, bhikkhave, dukkham ariyasaccam:

Jati’pi dukkha, jara’pi dukkha, vyadhi’pi dukkha, maranam’pi dukkham, appiyehi sampayogo dukkho, piyehi vippayogo dukkho, yamp’iccham na labhati tam’pi dukkham, sankhittena pancupadanakkhandha dukkha.

 

Was ist die Edle Wahrheit über Dukkha?

1. Im ersten Teil heißt es: „jathi pi dukkha, jara pi dukkha, vyadhi’pi dukkha, maranan pi dukkha…….“. Meist wird das falsch übersetzt als „Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden“.

  • Aber leidet man, wenn ein Baby in der Familie geboren wird? Feiern wir nicht die Geburt (von Angehörigen) und sogar jährlich den Geburtstag? Die Übersetzung von jathi pi dukkha ist also nicht wörtlich „Geburt ist Leiden“.
  • Wenn ein Mensch alt wird, erkrankt oder stirbt, verursacht das Leiden für die Freunde und Familie, aber unter den Feinden verursacht es vielleicht Freude.
  • Sutta sind zusammengefasste Versionen, formuliert für die einfache Rezitation und Übertragung. Siehe Sutta – Einführung.

2. Jathi pi dukkha ist gekürzt und steht für jathi api dukkha; die anderen beiden jara pi dukkha und maranan pi dukkha sollen schon die Nachsilbe „pi“ haben.

Pi in Pali oder priya in Singhalesisch bedeutet „mögen“ und api in Pali oder apriya in Singhalesisch bedeutet „nicht mögen„. So bedeutet jathi api dukkha, „Geburt von etwas, was man nicht mag, verursacht Leiden“. Jara pi dukkha bedeutet „Zerfall von etwas, was man mag, verursacht Leiden“ und maranan pi dukkha bedeutet „Tod von etwas, was man mag, verursacht Leiden“.

  • Das Gegenteil ist auch wahr: „Geburt von etwas, was man mag, verursacht Glück“, „Zerfall von etwas, was man nicht mag, verursacht Glück“ und „Tod einer verhassten Person bringt Glück“. Es lässt sich jedes Beispiel denken und es wird immer wahr sein.
  • Im Krieg sind Menschen froh über Verluste beim Feind, aber unglücklich über den Tod eines Freundes aus den eigenen Reihen.

3. Der Buddha stellt die Bedeutung von pi und api im nächsten Vers klar, wo er ausdrücklich sagt: „piyehi vippayogo dukkho, appiyehi sampayogo dukkho“, was bedeutet „es bringt Leid, wenn ein geliebter Mensch stirbt, und es bringt Sorgen, mit einer verhassten Person zu sein“ (piya ist gleich wie pi und apiya ist gleiche wie api). Wir alle kennen die Wahrheit aus erster Hand. Wenn ein Mensch bei einem Flugzeugabsturz stirbt, verursacht das großes Leid innerhalb seiner Familie, weniger Leid für entfernte Verwandte, noch weniger für diejenigen, die ihn nur flüchtig kannten und für Fremde ist es „nur eine Nachricht“.

4. Dann folgt „yamp’iccham na labhati tam’pi dukkham“. Es bedeutet, „wenn man nicht bekommt, was man will, führt das zu Leiden“. Auch hier ist das Gegenteil wahr: „Wenn man bekommt, was man will, führt das zu Glück“.

5. Der Buddha sagte nie, dass es nur Leiden in dieser Welt gibt. Es ist dieses „scheinbare Glück“, was das wirkliche Elend versteckt hält. Wir versuchen immer auf der hellen Seite zu stehen. Auch die Gesellschaft versucht, den größten Teil des Leidens zu „vertuschen“.

  • Der Schlüssel liegt darin, das versteckte Leiden zu sehen, was im scheinbaren Glück verborgen ist.
  • In der weiteren Welt mit 31 Reichen gibt es sowohl Leid und Glück. Es findet sich eigentlich viel mehr Glück in den Reichen über dem Menschen-Reich. Und es gibt unvorstellbares Leiden in den unteren vier Reichen, vor allem in der Niraya. Wir können viel Leiden in der Tierwelt sehen, aber selbst dann zeigen z.B. Fernsehsendungen und Kataloge die „Schönheit“ der Natur. Wir ahnen nur das Leiden in der Tierwelt, nicht unbedingt für „Haustiere“, aber für Tiere in der freien Natur.

6. Die Nrn. 4 und 5 oben beschreiben Anicca. Auf lange Sicht „können wir nichts zu unserer Zufriedenheit aufrechterhalten und das führt zu Leiden“. Das ist „ya da niccam tan dukkahan“, siehe Anicca, Dukkha, Anatta – Falsche Deutungen.

  • Weiter in der Sutta heißt es: „ …… dukkho anariyo anatta sanhitho“. Man wird deshalb anatta bzw. hilflos.
  • In der zweiten Sutta, welche der Dhamma Cakka Pavattana Sutta folgte, der Anatta Lakkhana Sutta, wurden diese Konzepte weiter detailliert.
  • Anicca, Dukkha, Anatta sind somit die grundlegende „Vision“, die nur von einem Buddha erreicht werden kann. Das ist pubbe ananussutesu dhammesu....

7. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig, das „größere Weltbild“ mit 31 Reichen zu erfassen, den Prozess der Wiedergeburten, Gesetz von Kamma und auch Paticca Samuppada. Dann erkennen wir, dass die meisten Wesen aufgrund ihrer Ignoranz in den unteren vier Reichen gefangen sind.

  • Es gibt nur 7 Milliarden Menschen auf der Erde, aber jeder von uns hat vielleicht Millionen von Lebewesen auf dem eigenen Körper.
  • In einem Haushalt wohnen vielleicht 3 bis 6 Menschen, aber wieviele Lebewesen gibt es in diesem Haus oder im Garten? Millionen? Milliarden? In einem einzigen Klumpen Erde gibt es Tausende winziger Lebewesen.

8. Schließlich ist das Endergebnis Leiden (auch wenn es zwischendurch Glückssträhnen gibt), durch die Dinge, die man ergreift (upadana). Das ist die letzte Zeile: „sankhittena pancupadanakkhandha dukkha“. 

  • Hier bedeutet sankhittena (san + kitta oder kruthya oder kriya) Handlungen zur Ansammlung von San. Siehe Was ist ‚San‘?. Aufgrund der Verunreinigungen sehnen sich die Menschen nach Rupa, Vedana, Sanna, Sankhara, Vinnana (Pancakkhandha oder „fünf Haufen“), und binden sich an „Dinge dieser Welt“ und akkumulieren San. Das führt zwangsläufig auf lange Sicht zu Leiden, vor allem auf der sansarischen Zeitskala.
  • Wir bleiben nicht in „dieser Welt“ mit 31 Reichen, weil jemand oder etwas uns zwingt, sondern weil wir uns an die Dinge klammern (Pancupadanakkhandha = Panca Upadanakkhandha = „fünf Haufen, an denen wir anhaften“) Dieses Ergreifen geschieht aus Unkenntnis der wahren Eigenschaften „dieser Welt“: anicca, dukkha, anatta.
  • Daher entsteht Dukha (Leiden oder Vedana), weil wir uns nach Dingen in dieser Welt sehnen und San tun, um solche Dinge zu erwerben. Das ist in dem Satz kondensiert: sankhittena pancupadanakkhandha. So ist die Wahrheit, wie Dukha aus sankhittena pancupadanakkhandha entsteht, erklärt als: sankhittena pancupadanakkhandha dukkha. Diese Wahrheit (Dukkha Sacca) realisiert man durch Weisheit (Panna), d.h. mit Verstehen von anicca, dukkha, anatta. Bitte lesen Sie das wiederholt, bis Sie eine Idee davon haben. Das ist  pubbe ananussutesu dhammesu… bzw. die Botschaft, die nur ein Buddha entdeckt.
  • In allen Sinnesfreuden ist Leiden versteckt, aber das realisiert man nur in Stufen. Als Sotapanna gibt man nur starke Gier und starken Hass auf; ALLE Verlangen vergehen erst auf der Arahant-Stufe.
  • Die Realisierung der Tilakkhana führt zum Aufgeben von Verlangen (upadana), was wiederum zur Befreiung aus den 31 Reichen führt, also Nibbana. Pancupadanakkhandha wird zum Pancakkhandha, wenn Sankittena nicht mehr exisitiert (d.h. keine Anhaftung, auch wenn „die Welt wie zuvor existiert“).

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