“ich” und “mein” – Hauptursache des Leidens

Kurze Zusammenfassung von Pancakkhandhā

1. Die fünf Aggregate (pancakkhandhā) sind für jede Person einzigartig.

  • Pancakkhandhā beinhaltet die vergangenen Erfahrungen mit Rupa in dieser Welt und die erwarteten/erhofften zukünftigen Erfahrungen mit Rupa (rupakkkhandhā.)
  • Dazu gehören natürlich geistige Qualitäten (vedanā, saññā, saṅkhāra, viññāṇa). Sie befinden sich in den vier „geistigen Aggregaten“, also vedanākkhandha, saññākkhandha, saṅkhārakkhandha, viññāṇakkhandha.
  • Somit sind alle fünf Komponenten der Pancakkhandhā tatsächlich unsere vergangenen Erfahrungen und zukünftigen Erwartungen. Sie sind für jedes Wesen einzigartig.

Kurze Zusammenfassung von Pancupādānakkhandhā

2. Für einen winzigen Bruchteil vom Pancakkhandhā haben wir upādāna. Dieser Teil heißt pancupādānakkhandhā.

  • Pancupādānakkhandhā enthält vergangene Erfahrungen, an denen wir mit raga, dosa, moha haften. Wenn beispielsweise X letzte Woche eine attraktive Person sah und entsprechende Sankhara entstanden (in dem Fall mit raga), kann X sich an diese Person erinnern und bestimmte Vedana, Sanna, Saṅkhāra und Vinnana über diese Person bilden und stärken. Diese führen dann zu möglichen Erwartungen (z.B. die attraktive Person wiederzusehen). Das ist Teil vom viññāṇa upādānakkhandha.
  • All diese Haufen sind „mental“. Sie basieren auf dem Erleben der Außenwelt, aber diese Haufen sind eigene geistige Erfahrungen/Erwartungen.
  • Pancupādānakkhandhā entstehen aufgrund der Wahrnehmung von „ich“ und „mein“. Siehe auch Die fünf Aggregate (Pañcakkhandha).

Hauptkomponenten der fünf „anhaftenden“ Aggregate (pancupādānakkkhandhā)

3. Zuerst müssen wir sehen, an welchen Teilen der fünf Aggregate wir uns „festhalten“ („nah dran bleiben“ bzw. upādāna). Dann können wir sehen, wie upādāna für die fünf Aggregate zum Leiden führt.

  • Jeden wachen Moment erleben wir den physischen Körper und Geist. Daher tragen der physische Körper und alle entstehenden geistigen Einheiten zum Gefühl von „ich“ oder „mein“ bei.
  • Dann gibt es Eltern, Ehepartner, Kinder. Sie sind kostbare Teile von „mir“. Dann gibt es Verwandte, Freunde usw.
  • Natürlich kann man Haus, Auto oder ein Geschäft besitzen. Dazu wird die Liste um die Nachbarschaft, die Stadt, das Land und verschiedene Dinge auf der Welt erweitert.
  • Jede Person sieht diese Reihenfolge etwas anders, aber das Konzept wird klar.

Hauptkomponenten von pancupādānakkkhandhā sind um „ich“ oder „mein“ zentriert

4. Woran denken wir hauptsächlich, worüber sprechen wir und woran arbeiten wir? All das bezieht sich auf das Gesagte in Nr. 3 oben, und damit auf „ich“ und „mein“.

  • Natürlich hat Ärger/Wut seinen Ursprung in der Sichtweise bzw. Wahrnehmung einer Person (ditthi und sanna). Es muss etwas geben, was sich „mir“ widersetzt oder was mit „mir“ zu tun hat.
  • Ein durchschnittlicher Mensch verbringt einen erheblichen Teil seiner Zeit damit, nutzlose Filme anzusehen, Videospiele zu spielen, sich zu betrinken, zu schwatzen usw. Diese Dinge dienen der Unterhaltung von „mir“. Im tieferen Sinne unterscheidet es sich jedoch nicht wesentlich von einem Fisch, der in einen Köder am Haken beißt. Man kann die schlechten Folgen solcher scheinbar „harmlosen“ Handlungen nicht „sehen“. Das „Sehen“ startet mit dem Begreifen der Tilakkhaṇa.
  • Die gestörte Art des „Sehens“ (diṭṭhi) und die zugehörigen verzerrten Wahrnehmungen (saññā) entstehen, weil man sich der wahren Natur dieser Welt nicht bewusst ist (yathābhūta ñāṇa).

Yathābhūta Ñāna – Verständnis der wahren Natur der Welt

5. Alle unsere Handlungen mit Gier, Hass und Unwissenheit beruhen darauf, dass wir yathābhūta ñāṇa nicht haben. 

  • „Gute und schlechte Dinge“ geschehen aufgrund entsprechender Handlungen (kamma). Kammā basiert auf saṅkhāra (wie wir denken). Starkes Kamma entsteht aufgrund von (abhi)saṅkhāra.
  • Paticca Samuppāda beschreibt das Prinzip von Ursache und Wirkung im Buddha Dhamma.
  • Die Ergebnisse der meisten Kamma erscheinen jedoch erst später, auch in zukünftigen Leben. Deshalb fällt es vielen schwer, Kamma bzw. Kamma Vipāka als Tatsache zu akzeptieren. Deshalb ist es auch nicht möglich, Fortschritte auf dem Pfad zu machen, bis man die Wahrheit des endlosen Wiedergeburtsprozesses erkennt.
  • Bis diese wahre Natur (yathābhūta ñāṇa) verstanden ist, gibt es ein Satta bzw. ein „Lebewesen“, was Saṅkhāra basierend auf Avijjā erzeugt.

Definition eines „Lebewesens“ bzw. satta

6. Der Buddha erklärte Rādha in der Satta Sutta (SN 23.2), was unter satta bzw. „Lebewesen“ zu verstehen ist. “Rūpe kho, Rādha, yo chando yo rāgo yā nandī yā taṇhā, tatra satto, tatra visattotasmā sattoti vuccati. Vedanāya … saññāya … saṅkhāresu … viññāṇe yo chando yo rāgo yā nandī yā taṇhā, tatra satto, tatra visatto, tasmā sattoti vuccati

Übersetzt (nur die Bedeutung): „Rādha, wenn es Verlangen (chanda), rāga und eine Wahrnehmung von hohem Wert (nandī) für materielle Form (rūpa) gibt, gibt es Anhaftung (satto), starke Anhaftung (visatto) für Form und dann spricht man von einem Lebewesen (satto). In ähnlicher Weise wird von einem Lebewesen gesprochen, wenn es Verlangen (chanda), rāga und eine Wahrnehmung von hohem Wert (nandī) von vedanā… saññā… saṅkhāra… viññāṇa gibt.“

  • Andere Übersetzungen unter „fühlende Wesen„.
  • Das Pāli-Wort satta bedeutet „anhaften/anhängen“. Eine starke Version der Anhaftung ist visatta.
  • Daher ist jedes Lebewesen (ob Deva, Brahma oder Mensch) ein Satta, solange die Sinnlosigkeit des Verlangens nach Sinnesfreuden nicht verstanden wird. Ein Satta hat die Wahrnehmung von „ich“ und „mein“.

7. Mit anderen Worten, solange es upādāna für pañcakkhandhā gibt (also pañcupādānakkhandhā), gibt es ein „Lebewesen“ bzw. satta.

  • Den Satta-Status verlässt man, wenn man ariya puggala wird. Ein Puggala überwindet den Status satta auf acht Ebenen (Sotapanna Anugāmi, Sotapanna, Sakadāgāmi Anugāmi, Sakadāgāmi usw.).
  • Auch ein Bodhisatta ist immer noch ein Satta, geht aber in Richtung Bodhi bzw. „Buddhaschaft“.

Der akusala Paticca Samuppāda-Prozess hängt nur von avijjā ab

8. Der Paticca Samuppāda-Prozess kümmert sich nicht darum, wer (abhi)saṅkhāra tut. Aber die Ergebnisse werden durch die Art von saṅkhāra bestimmt. Diese saṅkhāra-Erzeugung ist mit pañcupādānakkhandhā bzw. den Verlangen/Wünschen/Erwartungen der Menschen (in Bezug auf anusaya, āsava, gati) verbunden. Die Ergebnisse richten sich nach den Taten. Bestimmte Arten von Taten (kamma via saṅkhāra) führt zu Früchten (kamma vipāka).

  • In Paticca Samuppāda ist kein „ich“ oder „mein“ notwendig. Aber natürlich werden (abhi)saṅkhāra erzeugt, WEIL es ein Gefühl von „ich“ bzw. „mein“ gibt. Der entscheidende Schritt besteht darin, die Fruchtlosigkeit des Handelns mit einem ich-Gefühl zu erkennen.
  • Taten basieren auf gati (Gewohnheiten/Charakter). Siehe Das Gesetz der Anziehung, Charakter (gati) und Verlangen.
  • Stattdessen verbringen Menschen heutzutage unzählige Stunden mit der Diskussion, ob es ein „Selbst“ gibt oder nicht. Diese Zeit wäre besser investiert, wenn man verstehen würde, WARUM das Handeln mit der Sichtweise und Wahrnehmung eines „ich“ zu Leiden führt.
  • Die Wahrnehmung von „ich“ und „mein“ verschwindet, wenn die verunreinigten Gati völlig entfernt werden.

9. Die ultimative Wahrheit ist, dass es kein „Selbst“ gibt. Das lässt sich daran erkennen, dass ein Arahant nach dem Tod nicht wiedergeboren wird. Wenn es ein „unveränderliches Selbst“ bzw. eine Seele gäbe, müsste ein Arahant nach dem Tod immer noch in einem der 31 Reiche existieren.

  • Bis man diese Tatsache jedoch VOLLSTÄNDIG erfasst (auf der Arahant-Stufe), erkennt man nur UNVOLLSTÄNDIG, dass an diesem gesamten Prozess kein „Selbst“ beteiligt ist. Bis dahin gibt es die Wahrnehmung von „ich“ und „mein“.
  • Bis zur Arahantschaft erzeugt ein wahrgenommenes „Ich“ (abhi)Saṅkhāra und Bedingungen für zukünftiges Leiden.
  • Pañcupādānakkhandhā ist mit einem Lebewesen verbunden (satta). Ein Arahant hat pañcakkhandhā bis zum Tod, aber kein upādāna mehr, somit kein pañcupādānakkhandhā.

Sankhāra führen zu pañca upādāna khandhā (pancupādānakkkhandhā)

10. Vergangene Ereignisse abzurufen, ist nicht falsch. Das Problem entsteht, wenn wir uns daran binden und Abhisaṅkhāra erzeugen.

  • Kammā wird auf drei Arten erzeugt: manō kamma, vaci kamma, kāya kamma. Sie entstehen über manō saṅkhāra, vaci saṅkhāra, kāya saṅkhāra
  • Mano kamma (spontane Gedanken) entstehen automatisch gemäß dem Gati.
  • Vaci kamma („mit sich selbst sprechen“ und hörbar sprechen) entsteht durch bewusste Gedanken (gemacht mit vitakka / vicāra).
  • Kāya kamma entstehen auch aufgrund bewusster Gedanken und haben höchste Javana, da Körperteile bewegt werden. Siehe Javana eines Citta – Wurzel geistiger Kraft.

Vaci Saṅkhāra

11. Wenn wir im Stillen „mit uns selbst sprechen“ (d.h. bewusst über etwas nachdenken), erinnern wir uns meistens an ein Ereignis aus der Vergangenheit. Dann analysieren wir dieses Ereignis mit vitakka/vicāra und „leben“ diese Erfahrung erneut oder „machen Pläne für die Zukunft“ basierend auf diesem vorherigen Ereignis. Vitakka / vicāra bedeutet, es zu ergreifen, im Detail zu analysieren und unsere Wünsche einzubeziehen. Das führt dazu, dass zu diesem Ereignis immer mehr vaci saṅkhāra erzeugt werden. Wenn wir uns wirklich darauf einlassen, kommen kāya saṅkhāra hinzu.

  • Man kann auch ein „zukünftiges Ereignis“ planen, was man gerne erleben würde und das auch Teil von pancakkhandha wird. (Jedes Aggregat hat 11 Komponenten, eine davon ist Zukunft bzw. anāgata.)
  • All dies beinhaltet pancaupādānakkhandha (pañca upādāna khandha). Man zieht „das Ereignis nahe zum Geist“ und erzeugt bewusst mehr Vaci (und ggf. Kāya) Saṅkhāra.
  • Deshalb ist upādāna ein kritischer Schritt im Paṭicca Samuppāda-Zyklus (kurz: PS-Zyklus). Die beiden Schritte taṇhā paccayā upādāna und upādāna paccayā bhava beinhalten wirklich viele PS-Zyklen, die innerhalb eines größeren ablaufen.

Status eines Arahant – Falscher Startpunkt

12. Manche Menschen haben Angst vor Nibbāna und denken, dass dies zum „Auslöschen“ ihres „Selbst“ führt. Siehe Yamaka Sutta (SN 22.85) – Arahanthood bedeutet nicht Vernichtung, sondern Ende des Leidens.

  • Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass wir im endlosen Kreislauf der Wiedergeburten so viel Leid durchmachen, weil wir „ich“ und „mein“ falsch sehen und wahrnehmen. Unvermeidliche Reize führen zu unmoralischen Taten (pāpa kamma), was Geburten in den vier unteren Reichen (apāyā) mit unvorstellbarem Leiden einbringt.
  • Solche pāpa kamma sind stärkere Versionen von akusala kamma. Siehe Kusala und Akusala Kamma, Puñña und Pāpa Kamma.
  • Der erste Schritt besteht darin, die anicca-Natur zu sehen. Das Sammeln von Dingen, die man als „wertvoll“ wahrnimmt, macht in zweierlei Hinsicht keinen Sinn. Wir müssen kämpfen, um diese „Dinge“ aufrechtzuerhalten, und doch müssen wir alles aufgeben, wenn wir sterben.
  • Der zweite Punkt ist, dass unmoralische Taten schlechte Wiedergeburten und viel Leiden einbringen.

Buddha lehrte nichts, was er nicht selbst verifizierte

13. Einiges vom oben Gesagten ist möglicherweise nicht für alle klar. Es ist ein „Dhamma, was der Welt zuvor nicht bekannt war“ und was nur ein Buddha entdecken kann.

  • Es gibt mehrere Suttā, in denen der Buddha sagt, er habe nicht erklärt, die Buddhaschaft zu erreichen, bis er selbst die „wahre Natur“ dieser Welt verifiziert habe. Zum Beispiel überprüfte er die Existenz der 31 Reiche und wie ein bestimmtes Wesen in einem Reich stirbt und dann in einem anderen wiedergeboren wird. Darüber hinaus erkannte der Buddha den natürlichen PS-Prozess, der all das antreibt.
  • Wenn wir Buddha Dhamma lernen, wird immer mehr klar. Irgendwann hat man „unzerbrechliches Vertrauen“ in den Buddha, sein Dhamma und den Sangha. Dann hat man saddhā (Vertrauen/Glauben). Das verfestigt sich, wenn man versteht, dass alles Leiden seine Wurzeln in der Wahrnehmung von „ich“ und „mein“ hat.

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