Für Severin!
Pañcupādānakkhandha eines Puthujjana beginnt in dem Moment, in dem eine neue Sinneswahrnehmung empfangen wird. Es durchläuft immer die purāna-kamma-Stufe und kann auch die nava-kamma-Stufe erreichen. Dieses Wachstum von Pañcupādānakkhandha bedeutet Verunreinigung des Geistes und wird anusotagāmi bzw. „mit dem Wiedergeburtsprozess fließen“ genannt.
1. 1.2026
Schritte der Verunreinigung eines Geistes
1. Das Hinzufügen zum bestehenden Pañcupādānakkhandha beginnt mit dem Empfang eines neuen Sinneseindrucks. Das bedeutet, dass der Geist beim Empfang eines Sinneseindrucks aktiv wird. Damit wird der Geist innerhalb eines Sekundenbruchteils durch mehrere wichtige Schritte zunehmend verunreinigt. Dies wird als anusotagāmi bzw. „mit dem Wiedergeburtsprozess fließen“ bezeichnet.
- Der Geist wird aufgrund von kāma saññā in die „falsche Richtung“ gelenkt und er kann diesen Prozess nur umkehren und in die entgegengesetzte Richtung gehen (in Richtung Nibbāna, d. h. paṭisotagāmi), wenn er Buddha Dhamma versteht.

Schritt 1 – Automatische Anhaftung an Kāma Saññā
2. Neue Sinneseindrücke bringen IMMER kāma saññā mit sich (verzerrte Wahrnehmung in kāma loka) und der Geist haftet daran, wenn kāma rāga saṁyojana ungebrochen ist, d.h. bei jedem Wesen unterhalb der Anāgāmi-Stufe.
- Aufgrund dieser automatischen Anhaftung wird der spezifische indriya verunreinigt, d.h. zum ayatana. Zum Beispiel wird cakkhu indriya zu cakkhu ayatana (was cakkhu in den meisten Suttas entspricht), und cakkhu viññāṇa entsteht.
- Cakkhu viññāṇa ist identisch mit bahiddha viññāṇa, was sofort zu ajjhatta viññāṇa erhöht wird.
- Gleichzeitig bereitet der Geist seine Version der äußeren rupa vor. Das ist cakkhu viññeyya rupa (bedeutet „von cakkhu viññāṇa erzeugte rupa“).
Schritt 2 – Anhaftung an Kāma Guṇa
3. Dann haftet sich der Geist an diese „vom Geist geschaffenen rupa“ (cakkhu viññeyya rupa), basierend auf dem eigenen gati in diesem Moment. Diese Anhaftung erfolgt ebenfalls automatisch und basiert auf dem „Wert“, den der Geist diesen „vom Geist gemachten rupa“ beimisst, und diese Entscheidung basiert auf kāma guṇa (Werte der sechs „Bewertungskriterien“, die für kāmaloka relevant sind).
- In diesem Schritt wird die Anhaftung stärker, wenn der „Geisteszustand“ bzw. die eigenen gati dazu beitragen, diese „vom Geist geschaffenen rupa“ zu verfolgen. Dies ist der Moment, in dem kāma rāga zu kāmacchanda übergeht, wobei der Geist (immer noch unbewusst) beginnt, mehr sukha vedanā (samphassa–jā–vedanā) zu erzeugen, und damit zu Schritt 3 übergeht.
- Wenn der Geist den zweiten Schritt nicht durchläuft, verliert er das Interesse an diesem Sinneseindruck. In diesem Fall endet die Verunreinigung bzw. das Wachstum des pañcupādānakkhandha. In diesem Fall gelangt der Geist nicht in die nava kamma-Phase.
Kāma Rāga in Schritt 1, Kāmacchanda beginnt in Schritt 2
4. Bevor wir fortfahren, wollen wir den Unterschied zwischen kāma rāga und kāmacchanda klären.
- Die Erzeugung von kāma rāga erfolgt automatisch im Schritt 1, NUR basierend auf dem Status von kāma rāga saṁyojana.
- Im ersten Schritt entstehen automatisch subtile/schwache saṅkhāra (saṅkappa), die ein Wesen mit kāma rāga an kāma loka binden.
- Wie in der Nibbedhika Sutta (AN 6.63) gezeigt, entsteht kāma (Zuneigung/Anhaftung) NUR mit kāma saṅkappa: „saṅkappa rāgo purisassa kāmo“ bzw. „kāma einer Person wird durch saṅkappa ausgelöst und initiiert“, die in Schritt 1 entstehen.
- Ohne kāma rāga saṁyojana kommt selbst Schritt 1 nicht zustande (da kein Verlangen nach engen Kontakten mit kāma loka besteht; dies gilt für Arahants und Anāgāmis). Dies entspricht der Aussage, dass in dem Fall Paṭicca Samuppāda nicht mit „avijjā paccayā saṅkhāra“ initiiert wird.
- In Schritt 2 wird kāma rāga durch Anhaftung an kāma guṇa stärker und auf eine Anfangsstufe von kāmacchanda angehoben.
Schritt 3 – Entstehung von Taṇhā durch Samphassa-jā-Vedanā
5. So erzeugt wiederholte Anhaftung an „vom Geist geschaffene rupa“ (cakkhu viññeyya rupa) mit wahrgenommenem Wert (kāma guṇa) mehr kāma rāga mit zunehmendem sukha vedanā. Dies ist eine stärkere Version des vom Geist geschaffenen vedanā, bekannt als samphassa–jā–vedanā.
- Wenn sukha vedanā wächst, wird kāmacchanda auf immer höheres Niveau angehoben. An diesem Punkt beginnt der Geist, sich mit Interesse auf die Sinneseindrücke zu fokussieren.
- So bleibt der Geist weiterhin an den „vom Geist geschaffenen rupa“ haften, was als samphassa (san + phassa bzw. Kontakt mit san/Verunreinigungen) bezeichnet wird, und das erzeugt auch sukha vedanā.
- Diese erhöhte Stufe der „Freude“ führt zu einer festen Anhaftung (taṇhā). Das ist der Schritt vedanā paccayā taṇhā (bzw. samphassa–jā–vedanā paccayā taṇhā) in Paṭicca Samuppāda.
- Der Geist kann sich auch durch dosa bzw. patigha an unangenehme Sinneseindrücke binden. Wenn man bspw. einen Feind sieht, kann der Geist aufgrund von Ärger/Wut pañcupādānakkhandha erzeugen. Der Einfachheit halber betrachten wir nur die Bindung via Zuneigung bzw. kāmarāga.
Schritt 4 – Taṇhā Paccaya Upādāna
6. Der Geist ist nun voll und ganz darauf ausgerichtet, den Sinneseindruck zu verfolgen, mit der bewussten Absicht, mehr „Vergnügen“ aus diesem Sinneseindruck zu ziehen.
- Dies markiert den Übergang zur nava-kamma-Stufe, insbesondere zum Schritt taṇhā paccayā upādāna in Paṭicca Samuppāda.
- Darüber hinaus erfolgt die Ansammlung von Kamma in der nava-kamma-Stufe bewusst und absichtlich, im Gegensatz zur purāna-Kamma-Stufe, in der nur schwaches Kamma automatisch gemäß saṁyojana/anusaya und gati angesammelt wird.
- Für diejenigen, die kein Verständnis für Buddha Dhamma haben, scheint jedoch selbst die nava-kamma-Stufe schnell und automatisch durchzulaufen. Mit Verständnis für Dhamma und etwas Übung lernt man jedoch das zu kontrollieren!
- Der Geist wird im 4. Schritt beim Streben nach mehr Vergnügen unruhig. Er möchte „sich beeilen und es so schnell wie möglich hinter sich bringen“.
Schritt 5 – Starkes Kamma in der Nava-Kamma-Stufe
7. Kāmacchanda ist nun sehr schnell auf ein hohes Niveau angestiegen. Man kann fähig sein, abscheuliche Taten zu begehen, um seine Wünsche zu befriedigen (Töten, Vergewaltigen, Raub, Betrug usw.) .
- Wenn man kāmarāga bis zum Niveau von kāmacchanda entwickelt, wird man sich der schädlichen Folgen seiner Taten nicht mehr bewusst. Kāmacchanda kommt von kāma + iccha + anda, oder „von Sinnesreizen geblendet sein“.
8. Wie im obigen Bild dargestellt, lässt sich Schritt 5 in drei Hauptphasen unterteilen: kāma pariḷāha und kāma pariyesana, die zur Erzeugung starker kammischer Energien mit dasa akusala über Geist, Sprache und Körper führen (kāya, vaci und mano kamma).
- Nach dem Entstehen von kāmacchanda wird die nächste kritische Phase als kāma pariḷāha bezeichnet. In dieser Phase besteht ein „brennendes Gefühl“ oder „brennendes Verlangen“, den eigenen Wunsch zu befriedigen.
- Dies lässt sich leicht bei Anhaftung mit Wut verstehen. Ein Mord aus einer Laune heraus begangen, geschieht meist aus unkontrollierbarer Wut. Der Geist wird ungeduldig, „Rache zu nehmen“, und vergisst dabei die schlimmen Folgen.
- Der Geist sucht nach Wegen, sein Verlangen zu befriedigen. Er wägt Möglichkeiten ab, wie man „die Sache so schnell wie möglich erledigen“ kann. Dies ist die „Untersuchungsphase“ oder kāma pariyesana. Hier bedeutet „pariyesana“ „untersuchen“.
- Kāma pariyesana findet auch bei Wut und Unwissenheit statt (denn Verlangen und Wut haben ihre Wurzeln in avijjā, also Unwissenheit).
9. Diese „Untersuchung“ wird alle verfügbaren Fähigkeiten in Anspruch nehmen. Man wird die Möglichkeiten und ihre potenziellen Ergebnisse abwägen. Je nach „Dringlichkeit“ kann man ein schnelles Ergebnis anstreben oder einen „langfristigen“ Plan in Angriff nehmen.
- Wenn der Geist in einer Situation „völlig geblendet“ ist (Vergewaltigung ist ein gutes Beispiel), würde man alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die Sache ohne Verzögerung zu erledigen. Man kann jegliches Gefühl für Anstand verlieren und sich wie ein Tier verhalten.
- In einem anderen Szenario könnte man einen langfristigen Plan initiieren, um in ein Haus einzubrechen. Dazu müsste man Informationen darüber sammeln, wer dort wohnt und zu welchen Zeiten die Bewohner möglicherweise nicht zu Hause sind.
- Eine solche kurz- oder langfristige Planung kann kāya, vaci und mano kamma beinhalten. So wird man unmoralisch darüber nachdenken, wie man die Tat vollbringen kann, möglicherweise lügen, um relevante Informationen zu erhalten, und sich auf unmoralische körperliche Aktivitäten einlassen.
- Selbst das Nachdenken darüber, wie man eine unmoralische Tat vollbringen kann, ist ein starkes kamma. Hier wird kammische Energie über vaci saṅkhāra angesammelt.
Wesentliche Unterschiede zwischen den Stufen Purāna und Nava Kamma
10. Die Stufe purāna kamma ist schnell und automatisch. Der Geist funktioniert auf Autopilot, getrieben von ungebrochenen Ssamyojana und der jeweiligen Geisteshaltung (gati).
- Schritt 1, kontrolliert durch samyojana: Ein Puthujjana hat alle fünf samyojana in Bezug auf kāmaloka intakt. Ein Sotapanna oder Sakadāgāmi hat drei beseitigt, und ein Anāgāmi oder Arahant hat alle fünf beseitigt. Daher hat ein Puthujjana in Schritt 1 die stärkste Anhaftung. Ein Sotapanna haftet weniger stark an, und ein Sakadāgāmi noch weniger. Ein Anāgāmi oder Arahant durchläuft Schritt 1 nicht.
- Schritt 2, kontrolliert durch gati: Für einen Puthujjana, Sotapanna, Sakadāgāmi nimmt die Stärke von Schritt 2 in dieser Reihenfolge ab, hängt aber auch von aktuellen Geisteshaltung (gati) in diesem bestimmten Moment ab.
11. Im Gegensatz dazu wird stärkeres Kamma in der nava-kamma-Phase bewusst generiert.
- Da ein Puthujjana mit einer stärkeren Anhaftung in der purāna-kamma-Phase beginnt, wird er häufiger in die nava-kamma-Phase eintreten. Dann kann er/sie auch apāyagāmi kamma anhäufen.
- Sotapanna oder Sakadāgāmi treten seltener in die nava-kamma-Stufe ein. Außerdem tun sie niemals apāyagāmi kamma.
Pañcupādānakkhandha = Verunreinigung des Geistes
12. Wie wir sehen, führt der oben beschriebene Prozess zu einer zunehmenden Verunreinigung des Geistes, was automatische UND bewusste Prozesse umfasst.
- Der Geist eines Puthujjana beginnt IMMER mit einem unreinen pañcupādānakkhandha. Das liegt daran, dass er von kāma saññā getäuscht wird. Dies ist ein entscheidender Punkt. Der Geist eines Arahants oder Anāgāmis verbleibt in kāma dhātu, weil ihr Geist nicht getäuscht wird.
- Die Ereignisse in der purāna-kamma-Phase vollziehen sich IMMER sehr schnell. Wir sind uns dessen nicht bewusst.
- Sobald wir die nava-kamma-Phase erreichen, können die Dinge je nach Grad der Anhaftung schnell oder langsam voranschreiten. Man kann beispielsweise innerhalb weniger Sekunden einen Menschen töten, wenn es in einer hitzigen Situation außer Kontrolle gerät. Manche Aufgaben dauern Tage oder Monate, insbesondere wenn Planung notwendig ist.
- Wenn man beginnt, diesen Prozess der Verunreinigung des Geistes zu verstehen, kann man durch Achtsamkeit die Reaktionszeit verlangsamen bzw. den Prozess stoppen!
- Dann kann man irgendwann beginnen, sich „in die entgegengesetzte Richtung zu Nibbāna zu bewegen“.
13. Der Start eines neuen pañcupādānakkhandha ist dasselbe wie sich von Nibbāna zu entfernen, d.h. die Entwicklung des Geistes hin zu einem verunreinigten Zustand.
- Das wird im Bild unten gezeigt.

- Wie oben zu erkennen, entfernt sich ein Geist IMMER von Satipaṭṭhāna Bhumi und Nibbāna (pabhassara-Geist), sobald er sich an einen Sinneseindruck bindet. Dies wird mit anusotagāmi bezeichnet.
- Dies lässt sich nicht vermeiden, solange die entsprechenden saṁyojana intakt bzw. ungebrochen bleiben. Wenn diese anfängliche Anhaftung an kāma saññā nicht zu vermeiden ist, wie kann man dann jemals Nibbāna erreichen?
- Der Beginn dieses Umkehrprozesses besteht darin, „rückwärts zu gehen“ (paṭisotagāmi), beginnend mit einem möglicherweise (leicht) verunreinigten Geist. An einem bestimmten Punkt umgeht der Geist kāma dhātu und springt zu satipaṭṭhāna bhūmi.
Das Wachstum von Pañcupādānakkhandha umkehren – Paṭisotagāmi
14. Der einzige Weg besteht darin, den Geist zu trainieren, die oben besprochenen Schritte zurückzuverfolgen und zu stoppen, bevor die nava-kamma-Stufe erreicht wird, d.h. den Geist nicht von kāmarāga und kāmacchanda blenden zu lassen. Dies kann durch Sinneszügelung bzw. indriya saṁvara erreicht werden.
- Yogis wie Alāra Kālama waren in der Lage, diesen „ersten Schritt“ zu erreichen. Sie vermieden Versuchungen, indem sie im Dschungel lebten, fernab von Sinnesreizen.
- Allerdings konnten sie die purāna-kamma-Stufe nicht überwinden, da sie nicht einmal davon wussten.
- Nur ein Buddha kann diesen „anfänglichen Anhaftungsprozess“ entdecken und wissen, wie man ihn überwindet, um zu satipaṭṭhāna bhūmi und Nibbāna zu gelangen.