Sakkāya Diṭṭhi – „ich und mein“ Sichtweise

„ich und mein“ – nur für eine Lebenszeit

1. Ein durchschnittlicher Mensch hat die falsche Sichtweise, dass es sinnvoll ist, den Geist erfreuende Dinge als „ich“ oder „mein“ zu betrachten. Unseren physischen Körper betrachten wir als die wertvollsten rūpa dieser Welt. Dazu gibt es Eltern, Partner, Kinder, Freunde usw., die als „mein“ gelten.

  • Doch all diese Dinge haben wir nur etwa 100 Jahre bzw. eine Lebenszeit.
  • Selbst wenn man als Mensch wiedergeboren wird, wird es ein anderer Körper und eine andere Gruppe von Menschen sein, die wir als „ich“ und „mein“ betrachten. Wir werden nicht einmal wissen, wer wir im vorherigen Leben waren und was mit all unseren Liebsten passierte, die wir im vorherigen Leben hatten.
  • Das ist das „große Bild“, auf das wir uns konzentrieren müssen. Dieses große Bild kann nur ein Buddha entdecken und offenbaren. Es ist für einen  normalen Menschen unmöglich, die „wahre Natur der größeren Welt mit 31 Reichen“ zu entdecken.
  • Aber wenn es von einem Buddha oder von einem Schüler des Buddhas erklärt wird, können auch andere die Wahrheit in der Lehre sehen.

Die Sichtweise „ich und mein“ verleitet zu unmoralischen Taten

2. Aufgrund dieser falschen Sichtweise (ich und mein) sind wir manchmal gezwungen, unmoralisch zu handeln. Wenn wir lügen, stehlen oder andere (verbal oder körperlich) verletzen, wollen wir damit „ich“ und „mein“ erhalten.

  • Wichtig ist zu verstehen, dass diese falsche Sichtweise von „ich und mein“ (sakkāya diṭṭhi) sich von der Wahrnehmung von „ich und mein“ unterscheidet. Diṭṭhi sind die „Sichtweisen“. Sanna ist „Wahrnehmung“.
  • Selbst nachdem die falsche Sichtweise beseitigt wurde, wird die falsche bzw. verzerrte Wahrnehmung noch da sein. Diese Wahrnehmung oder das Gefühl von „ich“ wird erst auf der Arahant-Stufe verschwinden.
  • Das „Sehen“, dass es nicht fruchtbar ist, auf der Grundlage von „ich und mein“ zu handeln, reicht jedoch für den Geist aus, sich von höchst unmoralischen Taten fernzuhalten. Dieses „Sehen“ etabliert sich für den Sotapanna.

Sakkāya Diṭṭhi geht mit dem Verstehen der wahren Natur verloren

3. Die Logik von Buddha Dhamma kann ohne die zugrunde liegenden Prinzipien nicht verstanden werden. Diese Prinzipien sind Wiedergeburt (bzw. sansara), Kamma-Gesetze, Paṭicca Samuppāda, die fünf Aggregate usw. Dazu muss man zuerst die zehn falschen Sichtweisen entfernen und grundlegende Konzepte wie gati, anusaya usw. lernen.

  • Es ist nicht einfach, all das zusammenzufügen und die Wahrheit der „größeren Weltsicht“ zu erkennen. Ohne diese Grundlagen ist es jedoch unmöglich, das große Bild zu sehen und letztlich Nibbana zu realisieren.
  • Es mag schwer zu glauben sein, aber nur das „Verständnis des großen Bildes“ sorgt dafür, dass 99% der „Verunreinigungen“ entfernt werden, die sich im Geist über einen anfanglosen Widergeburtsprozess angesammelt haben.

Dieses „große Bild“ muss von einem Buddha gelernt werden

4. Wenn man das Obige nicht von einem Buddha oder einem wahren Schüler Buddhas gelernt hat, kann diese Person – egal wie intelligent – das nicht selbst herausfinden.

  • Der Buddha nannte eine solche Person assutavā puthujjano. Das bedeutet „eine unwissende Person, die das Dhamma nicht gehört hat„.
  • Natürlich können und werden sehr viele Menschen diesem „neuen Dhamma“ nicht zustimmen. Sie haben nicht die Fähigkeit, es zu erfassen. Sie sind möglicherweise nicht bereit, ihre falschen Sichtweisen zu verwerfen. Daran können wir nichts ändern. Auch ich bin im Kreislauf der Wiedergeburten so weit gekommen, weil ich auch das Buddha Dhamma in früheren Leben nicht verstehen konnte oder wollte.
  • Wir können also nur unser Bestes geben, um zu verstehen. Selbst wenn man nicht versteht, sollte man ein moralisches Leben führen und sich auf verdienstvolle Taten einlassen, damit das Verständnis in zukünftigen Leben wächst.

Wer ist assutavā puthujjano?

5. Es gibt viele Suttā, in denen der Buddha einen assutavā puthujjano beschreibt.

Zum Beispiel heißt es in der Paṭipadā Sutta (SN 22.44): “Katamā ca, bhikkhave, sakkāya samudayagāminī paṭipadā? Idha, bhikkhave, assutavā puthujjano ariyānaṃ adassāvī ariyadhammassa akovido ariyadhamme avinīto, sappurisānaṃ adassāvī sappurisadhammassa akovido sappurisadhamme avinīto, rūpaṃ attato samanupassati, rūpavantaṃ vā attānaṃ; attani vā rūpaṃ, rūpasmiṃ vā attānaṃVedanaṃ …saññaṃ …saṅkhāre …viññāṇaṃ attato samanupassati

Übersetzt: „Und was, Bhikkhus, ist der Pfad zur Entstehung der Identitätssichtweise (sakkāya)? Bhikkhus, eine unwissende Person, die das Dhamma nicht gehört hatbetrachtet Form (rupa) als SelbstVedana als Selbst… Sañña als Selbst… Saṅkhāra als Selbst… Viññāṇa als Selbst “

  • rūpaṃ attato samanupassati“ bedeutet, „betrachtet Form (d.h. den eigenen Körper) auf eine von vier Arten als ‚ich‘„. In gleicher Weise betrachtet diese Person jedes der anderen vier Aggregate als „ich“, auch in einer von vier Arten.
  • Wenn man also jedes der fünf Aggregate auf vier Arten als „ich“ oder „mein“ betrachtet, führt dies zur „Selbst-Sichtweise“ bzw. „Identitätssichtweise“. Das sind 20 Arten von Sakkāya Diṭṭhi bzw. vīsativatthukā sakkāya diṭṭhi. Siehe Nayasamuṭṭhāna des Nettipakaraṇa.
  • Jeder, der die korrekte Erklärung von Sakkāya Diṭṭhi nicht kennt, ist ein „uninformierter/ignoranter“ Mensch bzw. assutavā puthujjano. Die meisten Menschen gehören zu dieser Kategorie. Selbst wenn es erklärt wird, fällt es den meisten Menschen schwer, dieses „bisher ungehörte Dhamma“ zu erfassen.

Sutavā Ariyasāvako – jemand, der Dhamma gehört und verstanden hat

6. Das Gegenteil eines assutavā puthujjano ist ein sutavā ariyasāvako, der die korrekten Lehren des Buddha gehört und verstanden hat. Ein solcher Mensch kennt die Gefahren, wenn er an weltlichen Dingen hängt.

  • Es gibt viele Suttā im SN 35 (insbesondere SN 35. 1 bis SN 35. 12), die sutavā ariyasāvako besprechen. Zum Beispiel heißt es in Ajjhattāniccātītānāgata Sutta (SN 35.7): “Cakkhuṃ, bhikkhave, aniccaṃ atītānāgataṃ; ko pana vādo paccuppannassa. Evaṃ passaṃ, bhikkhave, sutavā ariyasāvako atītasmiṃ cakkhusmiṃ anapekkho hoti; anāgataṃ cakkhuṃ nābhinandati; paccuppannassa cakkhussa nibbidāya virāgāya nirodhāya paṭipanno hoti. Sotaṃ aniccaṃ … ghānaṃ aniccaṃ …”

Übersetzt: „Bhikkhus, das Auge der Vergangenheit und Zukunft (geschweige denn das der Gegenwart) ist von anicca Natur. Da ein gelehrter edler Schüler dies sieht, hängt er nicht am Auge der Vergangenheit, er freut sich nicht darauf, das Auge in der Zukunft zu genießen, und er praktiziert für das Auge der Gegenwart, dass es nicht anhaftet, leidenschaftslos ist und endet. Das Ohr … die Nase … „

  • Die Übersetzung von anicca als „unbeständig“ ergibt keinen Sinn. Das „Auge der Vergangenheit“ wurde bereits zerstört. Es besteht keine Notwendigkeit, über die Unbeständigkeit dessen zu sprechen. Der Vers sagt, dass es nicht vorteilhaft ist, sich an das Sehen mit dem Auge der Vergangenheit zu klammern und zu hoffen, dass man in der Zukunft ein solches Auge hat.  Man konnte das Auge der Vergangenheit nicht so erhalten wie gewünscht und wird auch das Auge der Zukunft nicht so haben wie gewünscht.

Ein Assutavā Puthujjano hat Sakkāya Diṭṭhi

7. So entsteht sakkāya diṭṭhi (Identitäts- bzw. Selbst-Sichtweise), weil man seinen Körper als „ich“ und „mein“ betrachtet. Natürlich kann man auch seine vedana, sañña, saṅkhāra, viññāṇa als sein Selbst nehmen. Mit anderen Worten, jeder, der eines oder mehrere der fünf Aggregate als „ich“ und „mein“ ansieht, hat sakkāya diṭṭhi.

In der Sakkāyadiṭṭhi Sutta (SN 22.155) sagt der Buddha, “rūpe kho, bhikkhave, sati, rūpaṃ upādāya, rūpaṃ abhinivissa sakkāya diṭṭhi uppajjati. Vedanāya sati … saññāya sati … saṅkhāresu sati … viññāṇe sati, viññāṇaṃ upādāya, viññāṇaṃ abhinivissa sakkāya diṭṭhi uppajjati.

  • Übersetzt: „Wenn man sich auf rūpa konzentriert, wenn man in rūpa ‚eintaucht‘ und sie nahe hält (in seinen Gedanken), entsteht sakkāya diṭṭhi. Das gleiche gilt für vedanā, saññā, saṅkhāra, viññāṇa“.

Dann fragt der Buddha: „Taṃ kiṃ maññatha, bhikkhave, rūpaṃ niccaṃaniccaṃ vā“ti?“

  • Übersetzt: „Bhikkhus, sind diese Rupā von nicca oder anicca-Natur?“
  • Anicca und nicca sind komplexe Pāli-Wörter mit mehreren (aber verwandten) Bedeutungen.  Diese beiden Wörter beziehen sich auf icca oder icchā, was  bedeutet: „mögen“ oder „wünschen“.
  • Die Übersetzung von „Taṃ kiṃ maññatha, bhikkhave, rūpaṃ niccaṃaniccaṃ vā“ ti?“ wird in Nr. 9 unten besprochen. Zunächst schauen wir auf die gemeinsame falsche Bedeutung.

Fehler bei der Gleichsetzung von „nicca und anicca“ in Pāli mit „nitya und anitya“ in Sanskrit

8. Die falsche Übersetzung von „Taṃ kiṃ maññatha, bhikkhave, rūpaṃ niccaṃaniccaṃ vā“ ti? ist „Bhikkhus, sind diese Rupā dauerhaft oder unbeständig?

  • Das ist die Übersetzung, die in den meisten aktuellen englischen und deutschen Texten erscheint. Sie ist falsch!
  • Das Pāli-Wort nicca bedeutet NICHT „beständig“ und anicca bedeutet NICHT „unbeständig“.
  • Die Sanskrit-Wörter nitya und anitya bedeuten jedoch „beständig“ und „unbeständig“.
  • Dieser schwerwiegende Fehler, Pāli-Wörter mit falschen Sanskrit-Wörtern zu verwechseln, hat so viele Menschen davon abgehalten, das korrekte Buddha Dhamma zu erfassen.
  • Pāli Wörter für „beständig/dauerhaft“ sind niyata UND dhuva. Unbeständigkeit wird ausgedrückt als „aniyata“ oder „addhuva“.
  • Es ist mir völlig unverständlich, warum all die „gelehrten Bhikkhus und Lehrer“ sich weigern, den Tipiṭaka zu untersuchen und dies herauszufinden. Das Lehren von falschem Dhamma ist ein Verstoß. Der Buddha ermahnte, dass der Umgang mit Dhamma wie der Umgang mit einer Schlange ist. Wenn man das falsche Ende erwischt, ist man in Gefahr!

Korrekte Übersetzung von“Taṃ kiṃ maññatha, bhikkhave, rūpaṃ niccaṃ vā aniccaṃ vā”ti?

9. In dieser Reihe gibt es mehrere Suttā, die tiefer untersuchen, wie die Ursachen für Leiden mit der Sichtweise von „ich und mein“ verbunden sind, basierend auf dem hohen Wert für weltliche Dinge.

Zum Beispiel verdeutlicht die Ānanda Sutta (SN 22.159) weiter, was wir oben in Nr. 6 besprochen haben. In dieser Sutta erklärt der Buddha Ānanda, wie die Bindung an rūpa mit der Sichtweise von „ich und mein“ zu Leiden führt und daher die falsche Sichtweise ist. Das Gespräch läuft wie folgt ab.

  • Taṃ kiṃ maññasi, ānanda, rūpaṃ niccaṃ vā aniccaṃ vā”ti?
  • Aniccaṃ, bhante”.
  • Yaṃ panāniccaṃ dukkhaṃ vā taṃ sukhaṃ vā”ti?
  • Dukkhaṃ, bhante”.
  • Yaṃ panāniccaṃ dukkhaṃ vipariṇāmadhammaṃ, kallaṃ nu taṃ samanupassituṃ: ‘etaṃ mama, esohamasmi, eso me attā’”ti?
  • No hetaṃ, bhante”.

Übersetzt:

  • „Was denkst du, Ananda? Kann jemand rūpa nach seinen Wünschen erhalten?“
  • „Man kann nicht (aniccam), Bhante.“
  • „Wenn man etwas nicht nach Belieben aufrechterhalten kann, führt das dann zu Leiden oder zu Glück?“
  • „zu Leiden, Bhante.“
  • „Wenn etwas nicht nach Belieben aufrechterhalten werden kann, zu Leiden führt und unerwarteten Veränderungen unterliegt, ist es dann ratsam, dies zu betrachten als ‚Das ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst, meine Identität‚?“
  • „Nein, Bhante.“

Dann fragt der Buddha nach den anderen vier Aggregaten (den mentalen Aggregaten: vedanā, saññā, saṅkhāra, viññāṇa).

  • Der ehrwürdige Ānanda stimmt zu, dass diese auch nicht geeignet sind, „als mein oder meine Identität angesehen zu werden“.

Ist es klug, die fünf Aggregate als „ich und mein“ zu betrachten?

10. Der Punkt ist, dass diese Suttā nur darüber sprechen, ob es GEEIGNET oder WEISE sei, eines der fünf Aggregate als „ich“ oder „mein“ anzusehen.

  • Das bezieht sich nur auf die Sichtweise „ich“. Diese Sicht loszuwerden bedeutet, sakkāya diṭṭhi loszuwerden.
  • Man kann immer noch das Gefühl und die Wahrnehmung von „ich“ haben. Das verschwindet erst auf der Arahant-Stufe.
  • Dennoch versuchen heute Menschen, mit der Aussage „ich existiere nicht“ zu beginnen (wegen der falschen Übersetzung von anatta als „Nicht-Selbst“). Es ist lächerlich zu sagen „ich existiere nicht.“ Es ist offensichtlich, dass da etwas „existiert“.

Man kann als Mensch, Deva, Brahma, Tier, Asura, Peta, Höllenwesen wiedergeboren werden – welches davon ist das richtige „ich“?

11. Denken Sie darüber nach. Ist „ich“ ein Mensch, ein Tier, ein Brahma oder eine der anderen möglichen Geburten? 

  • Das „große Weltbild“ des Buddha ist der endlose Kreislauf der Wiedergeburten in den 31 Reichen dieser Welt. Es enthält auch die Gesetze von Kamma und Paṭicca Samuppāda. Hier erklärt Paṭicca Samuppāda, wie unterschiedliche Existenzen (Bhava) durch abhisaṅkhāra (starkes Kamma) entstehen.
  • Es sind diese abhisaṅkhāra (gemacht mit avijjā), welche Existenzen als Mensch, Deva, Brahma, Tier, Höllenwesen usw. bewirken.
  • Jedes Lebewesen bereitet seine eigenen zukünftigen Geburten vor, indem es aufgrund von Unwissenheit (avijjā) entsprechende abhisaṅkhāra (bzw. gutes und schlechtes Kamma) erzeugt. 
  • Avijjā wird sich um einen großen Teil reduzieren, wenn man sakkāya diṭṭhi loswird. Unwissenheit wird auf der Arahant-Stufe mit dem Entfernen der Fessel asmi māna vollständig verschwinden.

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